Martin Stricker (Martin Eric Ain) war fasziniert von den dunklen Seiten des Lebens. Als Bassist und Mitbegründer der wegweisenden Schweizer Metalband Celtic Frost hat er mit Thomas Fischer (Tom G. Warrior) diese Schattenwelt in Musik umgesetzt und damit Legionen von Musikern wie Kurt Cobain, Marilyn Manson, Dave Grohl sowie Bands wie Metallica, Nine Inch Nails und Sepultura beeinflusst. Stricker starb im letzten Oktober im Alter von 50 Jahren, jetzt erhält er von den Swiss Music Awards postum einen «Tribute Award».

Celtic Frost kann als einflussreichste Schweizer Band bezeichnet werden, ohne die all die Substile des extremen Metal undenkbar wären. Dabei war Stricker zusammen mit Fischer die treibende, visionäre Kraft. Ihre Musik sollte dunkler, härter und brutaler sein als alles, was es zuvor gab.

Der Gitarrist und Produzent Tommy Vetterli beschreibt Stricker als «intelligent, mit einem beängstigend grossen Allgemeinwissen». «Er sprach viel und laut. Er liebte es, zu referieren und steigerte sich dabei gern in Rage», erzählt sein Freund Tommy Vetterli. «Man musste kämpfen, wenn man zu Wort kommen wollte». Stricker – eine mächtige, imposante und charismatische Erscheinung – sei getrieben gewesen von einer «rebellischen, fast übertriebenen Energie». Dabei beschritt er stets den «unkonventionellen, eigenen Weg». In der Musik wie auch bei seinen Zürcher Bars und Clubs wie dem Mascotte, Acapulco, Mata-Hari und Plaza.

Hätte Stricker den Preis angenommen?

Aber passt Celtic Frost zum Schicki-Micki-Anlass der Swiss Music Awards? Hätte Martin Stricker den Preis überhaupt angenommen? «Es ist klar, in der Metalszene findet man den Anlass nicht toll», sagt Vetterli, «auch Stricker hätte zuerst zweieinhalb Stunden über den blasierten Anlass geflucht und gelästert. Er wäre dann aber doch gegangen, hätte den Preis genommen, um in der Dankesrede noch mal über den Anlass herzuziehen.»

Bezeichnenderweise hält nicht Martin Strickers Kreativpartner Fischer, sondern Vetterli die Laudatio. Nach einigem Hin und Her lehnte Fischer ab. Vielleicht auch, weil die Beziehung zwischen Fischer und Stricker stark belastet war. Die unendlichen Streitereien zwischen den beiden sind legendär. Sie waren auch Nährboden und Energiequelle für ihre Kreativität. Die beiden verband das Dunkle, sie brauchten sich, um das zu machen, was sie machten.

Doch im Grunde waren sie gegensätzliche Charaktere. Hier der traumatisierte, todernste, schwierige und komplex-strukturierte Fischer, da der umgängliche, humorvolle und warmherzige Stricker, der das Dunkle lange zelebriert hat, aber mit der Zeit eine ironische, ja selbstironische Distanz entwickelte.