Pop
Einfach grossartig: Neues aus dem Tresor unveröffentlichter Prince-Songs

Nach dem Tod des Pop-Prinzen 2016 kommt schon das sechste Posthum-Album heraus. «Welcome 2 America» ist grossartig.

Werner Herpell/DPA
Drucken
Teilen
Schillernd, hochbegabt, zu früh gestorben: Prince.

Schillernd, hochbegabt, zu früh gestorben: Prince.

Tannen Maury / EPA

Seine faszinierende Geschichte von Genie, Welterfolg und Grössenwahn wird wohl nie ganz auserzählt sein. Das garantiert schon der einstige «Tresor» im Studiokomplex Paisley Park bei Minneapolis: Zahllose unveröffentlichte Songs und Aufnahmen sollen dort noch liegen. Zwölf davon – ein 2010 komplett mit Band eingespieltes, dann ins Archiv verbanntes Album – haben die Prince-Nachlassverwalter nun herausgebracht. «Welcome 2 America» ist ein grosses Fest vor allem für Pop-Fans, die Prince über Hits wie «1999» oder «Purple Rain» kennen.

Tanzbar und ambitioniert

Wie der mit 57 Jahren gestorbene Prince auch hier wieder Soul, Rock, Funk-Jazz und Hip-Hop zu einem ambitionierten und tanzbaren Mix verrührt, ist eine Meisterleistung. Der Auftakt des «neuen» Albums, der Titelsong «Welcome 2 America», lässt sofort alle Fehlentscheidungen und Schlampigkeiten dieses begnadeten Musikers vergessen: Ein cooler Bass-Groove, Triangel, Fingerschnipsen, weibliche Soul-Chorstimmen, dann der unnachahmliche Sprechgesang, irgendwann kommt dessen typisch schnarrende Funk-Gitarre hinzu. Nicht nur musikalisch erinnert dieses Stück an seinen vielleicht grössten Song, das wütende «Sign O’ The Times» von 1987.

Scharfsinniger Beobachter der US-Realität

Die Botschaft des Stücks weist Prince abermals als scharfsinnigen Beobachter der bitteren Realitäten in seinem Heimatland aus. Der zynische US-Kapitalismus, Ungleichheit, Rassismus, öffentliche Lügen, die unsozialen Medien – all das klingt an. «Die Welt ist voller Desinformation. George Orwells Vision der Zukunft ist schon da», sagte Prince 2010.

Auch später hört man Gesellschaftskritik in den musikalisch sehr abwechslungsreichen, zugänglichen Liedern – und muss manchmal an die wichtigen Polit-Soul-Alben der 70er-Jahre von Curtis Mayfield oder Marvin Gaye denken. Ein erotisch aufgeladener Falsett-Schmachtfetzen und Groove-Granaten finden sich auf dem Album.

Keines der bisherigen Posthum-Alben begeistert so wie das brandneue «Welcome 2 America» aus den Tiefen eines Prince-Tresors, der sicher noch mehr spannendes Material enthält.

Prince. «Welcome 2 America». Sony, ab 30. Juli.

Aktuelle Nachrichten