Mit Vorliebe werden in der Kunsthalle Palazzo in Liestal politische Themen präsentiert. Im letzten Jahr war es zweimal China, die diesjährige Regionale ist mit «Visual politics» überschrieben und momentan dreht sich alles um «Political Correctness». Im Zentrum der Ausstellung steht die Arbeit «Easycollage Nr. 6, 2014» von Thomas Hirschhorn, auf der eine junge Frau mit Perlenkette und die Opfer eines Terroranschlags zu sehen sind.

Thomas Hirschhorn selbst hat zur Ausstellung zwei Texte verfasst: «Ich werde in acht Punkten zu erklären versuchen, warum es wichtig ist – heute – Bilder zerstörter Menschenkörper anzuschauen ...» und «A propos de ‹Politiquement correct›». Letzteren hat er 1995 verfasst. Drum herum und in den übrigen Räumen, gruppiert die Baselbieter Kuratorin Eveline Wüthrich Werke weiterer Künstler. Gemäss ihren eigenen Aussagen möchte sie «mit dieser Ausstellung Fragen stellen – immer vor dem Hintergrund, dass ich Kunst und Kunstausstellungen weniger als Antworten, sondern vielmehr als Möglichkeiten und Vorschläge verstehe.»

Tod den Designer-Taschen

Neben der grossen Arbeit von Thomas Hirschhorn sind drei Videoarbeiten zu sehen: Von Elena Kovylina ist eine Performance, die sie auf der letzten Manifesta in St. Petersburg zeigte, zu sehen. Die Arbeit von Silvie Fleury zeigt starke Frauen in Lederanzügen, die auf Designer-Taschen ballern und von Mike Bouchet ist «Cola Pool Select Scenes» zu sehen. Während sich die Frau am Pool räkelt, schwimmt er im Becken in einer braunen Flüssigkeit, die genauso aus Cola wie auch aus Chinotto bestehen könnte.

Garrett Nelson und Johannes Willi zeigen Textarbeiten, Nelson aus Metallbuchstaben, die an Automarken auf Kühlerhauben erinnern, Johannes Willi dagegen Text-Fragmente auf Papier. Frappierend ist dabei die ästhetische Nähe zu Thomas Hirschhorn. Schliesslich sind noch grosse Malereien von Heike Kati Barath zu sehen. Diese gelangweilten, traurigen Köpfe von Jugendlichen setzen einen erfrischenden Kontrapunkt zur Arbeit von Thomas Hirschhorn.

Keine Provokation mehr

Thomas Hirschhorns Arbeit provoziert weder technisch noch inhaltlich. Sie gehorcht einem gängigen Strickmuster der Collage und ist im Fall dieses Künstlers vermutlich nicht ganz billig. Ihm gegenüber gelingt es Heike Kati Barath mit einfachsten Mitteln und Themen provokative Äusserungen zu machen. Man verlässt die Ausstellung mit einem schalen Beigeschmack, denn so richtig wird man aus dem Gezeigten nicht schlau. Spätestens auf dem Bahnhofplatz formuliert man innerlich seine eigenen Fragen: Reicht es für eine Ausstellung zu diesem Thema einen bekannten Künstler, der nicht einmal provoziert, einzuladen und darum herum weitere Arbeiten zu drapieren? Braucht es neben dem Kunsthaus Baselland noch einen weiteren subventionierten Kunstbetrieb, wie die Kunsthalle Palazzo? Ist es politisch korrekt, wenn Kulturdirektor Urs Wüthrich bei der Ausstellung seiner Tochter die Vernissagerede hält? Political Correctness, so realisiert man, ist ein weites Feld und vor allem eine Ermessensfrage. Denken darf dazu jeder, was er will, tun nicht. Ein Bahnarbeiter kommt vorbei und pfeift leise eine Melodie. Der Liedtext passt bestens zum Thema: «Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei, wie nächtliche Schatten.
 Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen, es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei.» Noch Fragen?

Political Correctness? Kunsthalle Palazzo. Bis 15. März. www.palazzo.ch