Ohrfeige bei den Oscars
Gut, hat der Gewaltausbruch nun Konsequenzen – am schlimmsten sind aber die Will-Smith-Versteher

Die Oscar-Academy reagiert reichlich spät, aber richtig und schliesst den gewalttätigen Schauspieler aus. Was hätte sie besser machen müssen? Ein Zwischenruf.

Daniel Fuchs
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Die Ohrfeige im Video.

Quelle: Melissa Schumacher/CH Media

Der Schauspieler und Oscar-Gewinner Will Smith wird für zehn Jahre von der Oscar-­Organisation, der Academy, ausgeschlossen. Grund ist Smiths Gewaltausbruch bei den Oscars vor zwei Wochen, als er den Comedian Chris Rock vor laufenden Kameras ohrfeigte.

Wie Smith wie ein Rächer im Film ausholt und Rock voller Kraft ins Gesicht schlägt, sieht aus wie ein perfekt inszenierter Stunt. Was aber in der Oscarnacht 2022 geschah, ist pure Gewalt. Ein Mann verliert jegliche Impulskontrolle, verpasst einem anderen Mann einen gefährlichen Schlag und kehrt selbstgefällig an seinen Platz zurück. Nur, um kurz danach den Oscar für die beste Hauptrolle anzunehmen.

Gewaltausbruch mit nichts zu entschuldigen

Die Empörung war da, doch viele zeigten für die Reaktion von Will Smith Verständnis. Zugegeben, Chris Rocks Witz über den kahl rasierten Schädel von Will Smiths Frau, Jada Pinkett Smith, war deplatziert. Manch einer wünscht sich, Will Smith hätte nicht nur den Mut aufgebracht, zuzuschlagen, sondern danach konsequenterweise die Show verlassen.

Ikonenhaft und deplatziert: Die Oscar-Ohrfeige.

Ikonenhaft und deplatziert: Die Oscar-Ohrfeige.

Bild: Clemens Bilan / EPA

Das hätte die Schwere der Tat jedoch nicht aufgewogen. Oder sollen wir unseren Kindern etwa nach Jahrzehnten der gewaltfreien Erziehung folgenden Ratschlag erteilen? «Wenn du dich wehren musst, dann hau’ ihm eine rein. Aber trage die Konsequenzen.»

Die Oscarnacht 2022 brachte nur Verlierer hervor. Chris Rock griff mit dem Witz kolossal daneben. Das Publikum, das reflexartig über den Witz und den Gewaltausbruch lachte, gab ein trauriges Bild ab. Und selbst die mit dem Witz angegriffene Pinkett Smith irritierte mit ihrem zur Schau gestelltem Lacher, nachdem der verdatterte Chris Rock sagte: «Wow. Will Smith just smacked the shit out of me.» Von Will Smith gar nicht zu sprechen.

Natürlich hat die Fehde zwischen Smiths und Rock eine Vorgeschichte. Angefangen mit einem ähnlich schlechten Witz von Rock über Pinkett Smith, ausgerechnet an den Oscars 2016.

Reuiger Smith, zaudernde Academy

Die Oscar-Academy, bei der Will Smith Mitglied ist, zauderte indes. Zwar soll Smith nach der Ohrfeige gebeten worden sein, den Saal zu verlassen. Doch der weigerte sich. Konsequenterweise hätte man die Show abbrechen müssen. Einem Gewalttäter nach seinem Übergriff auch noch die Statuette zu überreichen, ist ein mieses Zeichen. Die Oscars standen ganz unter dem Eindruck des Ukrainekriegs – bis sie auf einen Schlag vom Ego eines eitlen Mannes gekapert wurden, der das Bedürfnis hatte, die verletzten Gefühle seiner Frau zu rächen.

Immerhin zeigte sich Will Smith doch noch reuig, entschuldigte sich und räumte mit seinem Austritt letzte Woche aus der Academy das Feld. Auch der Entscheid der Academy selbst, ist richtig, kommt aber reichlich spät.