Hangover

Nun dürfen auch Frauen in Hollywood-Filmen lustig sein

«Bridesmaids» von Judd Apatow

«Bridesmaids» von Judd Apatow

Nach Filmen wie «Jungfrau, 40, männlich, sucht», «Knocked Up» oder «Forgetting Sarah Marshall» beweist Judd Apatow mit «Bridesmaids», dass auch Frauen in Hollywood Filmen geistreich-witzig sein können.

Hollywoods König der Komödien heisst Judd Apatow. Seine Filme sind herrlich unkorrekt und doch mit klugen Dialogen ausgestattet: «Jungfrau, 40, männlich, sucht», «Knocked Up» oder «Forgetting Sarah Marshall» waren allesamt Erfolge, bei der Kritik sowie beim Publikum. Vor allem, aber nicht nur, bei einem männlichen – denn in Apatows Filmen wartet der Regisseur auch mit körperlichen Tabuthemen auf, die Frauen manchmal eklig finden. Mit «Bridesmaids» wagt Judd Apatow als Produzent den Sprung über die Geschlechtergrenze, Regie führte sein Kollege Paul Feig. Können auch Frauen in Hollywoodfilmen lustig sein?, fragten wir uns vor dem Kinobesuch skeptisch. Die Antwort lautet: ja. Und wie!

Hervorragendes Drehbuch

Das Thema von «Bridesmaids» ist ein alter Hut: Eine Frau plant ihre Hochzeit, doch bis sie vor den Altar treten kann, ist die Hölle los. Das kennen wir, und das emotionale und organisatorische Tohuwabohu hat uns auch schon öfters zum Schmunzeln gebracht. «Bridesmaids» geht weiter: Schon am Anfang darf man nicht bloss schmunzeln, sondern Tränen lachen. An Lilians (Maya Rudolph, «Grown Ups») Verlobungsparty hält ihre beste Freundin seit Kindertagen, Annie (Kristen Wiig), eine kurze, herzliche Rede. Darauf folgt die bildhübsche, steinreiche und wahnsinnig nette Helen (Rose Byrne), die Lilian erst seit kurzem kennt sie aber für ihre beste Freundin hält, und sagt einige noch berührendere Worte. Worauf sich die beiden mit emotionalen Reden überbieten und ein wahrer Zickenkrieg ausbricht.

Wo spritzige Dialoge in anderen Filmen abgebrochen werden und man fürchtet, es könne mit dem Humor nur noch abwärtsgehen, werden die Szenen in «Bridesmaids» immer weiter getrieben – und interessanterweise wird es meistens auch immer noch witziger. Grandios etwa, wie Annie an einer Stelle mit immer neuen Tricks versucht, die Aufmerksamkeit ihres Freundes Rhodes (Chris O’Dowd, «The Boat That Rocked») zu erlangen. Feinsinnig werden weibliche Eigenheiten, die manchmal unfreiwillig komisch sind, porträtiert, statt einfach nur Männerhumor auf weibliche Darstellerinnen zu übertragen.

Ekliges im Brautmodengeschäf

Hauptdarstellerin Kristen Wiig ist eine Entdeckung. Sie ist Ensemblemitglied bei der US-TV-Comedyshow «Saturday Night Live», wo auch Tina Fey ihre ersten Schritte tat, doch im Kino noch weitgehend unbekannt. Wiig schafft es, gleichzeitig überzeugend und witzig zu sein – hemmungsloser als Sarah Jessica Parker, aber rührender als Cameron Diaz. Neben ihr fallen die anderen Darstellerinnen, unter anderem Melissa McCarthy (bekannt als Sookie aus der Serie «Gilmore Girls»), zu Klischees ab. Nicht alle Figuren werden im Drehbuch gleich stark berücksichtigt und ausgestaltet, deshalb gerät der Plot auch nicht in Gefahr, sich zu verzetteln. Hauptpart der Story, neben der Liebesgeschichte zwischen Annie und dem Polizisten Rhodes, ist die Eifersüchtelei zwischen Annie und Helen um die beste Freundin Lilian. Diese ist berührend geschildert, nur dass es die Drehbuchautorinnen leider nicht lassen konnten, bei emotionalen Szenen zu früh wieder ins Komödiantische überzugehen.

Man ist versucht zu sagen, «Bridesmaids» sei «Hangover» mit und für Frauen. Zum Glück ist er das nicht. Die Szenen in die Richtung gehören zu den schwächsten des Films: Zum Polterabend wollen die Frauen nach Las Vegas fliegen, doch alles geht schief und sie werden auf halber Strecke bei einer Notlandung aus dem Flugzeug geworfen. Dank der witzigen Einfälle und Dialoge ist auch das hochamüsant, aber es passt nicht zum sonst realitätsnahen Drehbuch. Noch weniger die Kleideranprobe im Brautmodengeschäft: Hier haben die beiden Autorinnen Kristen Wiig – richtig, die Hauptdarstellerin – und Annie Mumolo wortwörtlich ins Klo gegriffen. Und zwar in ein richtig dreckiges Männerklo. Während der Anprobe setzen bei den Ladies die Folgen einer Lebensmittelvergiftung ein – und dann wird es sehr, sehr eklig. Zu eklig für einen Film, der sich vor allem an ein weibliches Publikum richtet. Denn hier gibt es beim Humor trotz allem einen Unterschied.

Bridesmaids (USA 2011) 125 Min. Regie: Paul Feig. Mit: Kristen Wiig, Maya Rudolph, Rose Byrne u.a.

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