Ausstellung im Trudelhaus Baden: Niemand spricht – und doch ist alles laut

Jürg Halter, Sara Masüger und Ester Vonplon vereinen an ihrer Ausstellung im Trudelhaus Baden gekonnt Text, Skulptur und Fotografie.

Larissa Gassmann
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Bergspitze oder Stalaktit? Die stumme Skulptur von Sara Masügger wirft Fragen auf.

Bergspitze oder Stalaktit? Die stumme Skulptur von Sara Masügger wirft Fragen auf.

Bild: Sara Masüger

Erst ist es nur ein Flackern und Flimmern, dann wird der Boden auf der Leinwand langsam mit Schnee bedeckt. Während die Landschaft in Weiss getaucht wird, fliegt das Auge des Betrachters über die an den Wänden aufgedruckten Worte, um sich dann der von der Decke hängenden Skulptur zu widmen.

Wenn dank Jürg Halter, Sara Masüger und Ester Vonplon Text, Skulptur und Fotografie aufeinandertreffen, weiss man nicht immer, wem man als erstes Aufmerksamkeit schenken soll. Zu laut rufen die Kunstwerke nach Beachtung. Dabei sollte doch alles leise sein. «Niemand hier, der spricht» heisst die Ausstellung im Trudelhaus Baden. Und doch kommuniziert hier alles, allen voran das alte Gebäude. Die Treppe knarzt, der Boden quietscht. Wenn sich zwei Menschen unterhalten, trifft das Echo von allen Seiten auf die Besucher. Wo unten und oben ist, gerät schnell in Vergessenheit. Die Bilder von Ester Vonplon verstärken diesen Effekt. Eine unkenntliche Rheinschlucht spielt mit dem Auge des Betrachters, auf einmal wirkt der Felsen wie in Sonnenlicht getauchtes Wasser. «Man kann das Bild nicht genau verorten, die Perspektive fehlt, der Horizont verschwindet», sagt Co-Kuratorin Jeannette Polin.

Halt gibt die Skulptur «Unter uns» von Sara Masüger. Erst wie eine Bergspitze wirkend, wird sie in die Tiefe wandernd zu einem den Raum verschlingenden Gebilde, nur um sich an der letzten Station als von der Decke hängender Stalaktit zu entpuppen. Wohlig warm sind die Gedichte von Jürg Halter, selbst wenn diese einen oft sprachlos zurücklassen. Wie bei Bild und Skulptur glaubt man hier, zwischen den Zeilen etwas entdeckt zu haben, nur um es auf halbem Weg wieder zu verlieren.

Die von den drei Kunstschaffenden konzipierte Ausstellung zeugt gerade des schönen Zusammenspiels wegen von schaffender Reife. Diese hat das Trio längst erreicht. Allen voran Halter, der als Dichter, Musiker und Autor von sich reden liess und zuletzt gar Lob von Jean Ziegler einheimsen durfte. Auch Masüger und Vonplon haben sich dank zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland einen Namen gemacht.

Eine Welt, in der nur Schwarz und Weiss existiert

Die Werke der drei erzählen einheitlich vom Verschwinden und Erscheinen, von An- und Abwesenheit. «Alle Arbeiten muss man mit sich ausmachen, man wird als Betrachter stets mit sich selbst konfrontiert», sagt Polin. Wer keine Projektionsfläche hat, geht in dieser Welt, in der nur Schwarz und Weiss existiert um ein Haar verloren. Der dunkle Boden verschluckt Licht und Betrachter gleichermassen, die hellen Wände spucken ihn wieder aus, lassen Raum für Gedanken. Immer wieder wird der Besucher mit sich umtanzenden Gegensätzen konfrontiert. Und doch ergibt am Ende alles Sinn.

«Niemand hier, der spricht», Trudelhaus, Baden. Bis 18.April Künstlerselbstgespräch: 27. Februar, 19Uhr. www.trudelhaus-baden.ch