Kultur

Neue Mafia-Serie aus Italien: ZeroZeroZero

Szene aus der TV-Serie «ZeroZeroZero». Im mexikanischen Monterrey packen junge Frauen das Kokain in Büchsen ab.

Szene aus der TV-Serie «ZeroZeroZero». Im mexikanischen Monterrey packen junge Frauen das Kokain in Büchsen ab.

Nach «Gomorrha» kommt die neue Mafia-Serie nach Roberto Saviano. Kann sie mithalten?

Bei einer Grossoperation in Italien sind im Dezember Hunderte von Mitgliedern der ’Ndrangheta festgenommen worden. «Die Untersuchung macht einmal mehr deutlich, dass die organisierte Kriminalität nur dank Unterstützung aus Wirtschaft und Politik florieren kann», hiess es in den Medien. Auch von mexikanischen Drogenkartellen, die sich gegenseitig bekriegen und doch die Staatsmacht in die Knie zwingen, ist häufig die Rede. Und von kriegsähnlichen Zustände in den Strassen. Was nicht in die Schlagzeilen gerät, ist, wie die Drogen nach Europa und andere Teile der Welt gelangen.

Der italienische Journalist und Buchautor Roberto Saviano hat sein Leben dem Kampf gegen die Mafia verschrieben. In «ZeroZeroZero» beschreibt er, «wie Kokain die Welt beherrscht»; wie Kokainhandel und moderner Kapitalismus Hand in Hand gehen.

Die gleichnamige Fernsehserie stellt nun diese drei Stufen auf eine gleichrangige Ebene: Die Käufer in Reggio Calabria, Italien, die Verkäufer in Monterrey, Mexiko, und die Zwischenhändler in New Orleans, USA.

32 Millionen Dollar schwere Chili-Büchsen

Ziegen, Schweine, Hühner. Die Drahtzieher der kalabresischen Mafia hocken in den Bergen. Don Minu trägt eine dicke Kette mit einem grossen, goldenen Kreuz um den Hals. Derweil packen in Monterrey Frauen in Unterwäsche das Kokain kiloweise in Blechbüchsen. Chilis obendrauf, und zugeschweisst. Die Büchsen – Kokain im Wert von 32 Millionen Dollar – werden auf ein Schiff von Edward Lynwood (Gabriel Byrne) geladen. Er ist das Bindeglied zwischen dem mexikanischen Kartell und der ’Ndrangheta. Über acht Episoden à plus/minus 60 Minuten wechselt «ZeroZeroZero» zwischen den Schauplätzen und ihren jeweiligen Protagonisten hin und her.

Das Intro zur Serie zeigt einen über eine Waffe gelegten Rosenkranz. Ein Symbol sowohl für Italien als auch für Mexiko, wo die Kreuze wie Leuchtreklame an den Kirchen und in den Stuben hängen. Das Geschäft mit dem «weissen Erdöl» korrumpiert nun aber alles und jeden. Stefano startet einen Krieg mit seinem Grossvater Don Minu, wenn auch die Gründe dafür tiefer liegen. Der mexikanische Soldat Manuel wechselt die Seite und züchtet eine jugendliche Armee heran, die erst die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt, um dann dem Kartell gewaltsam die Macht zu entreissen.

Intelligente und packende Erzählstruktur

«ZeroZeroZero» ist nach «Gomorrha» die zweite «Sky»-Original-Serie nach Roberto Saviano. Mit Stefano Sollima, einer der drei Schöpfer und Regisseur der ersten beiden Episoden von «ZeroZeroZero», besteht auch eine Verbindung zur Netflix-Serie «Suburra»: Sollima hatte den Originalfilm gedreht. Im Dreiervergleich nimmt die Serie «Suburra» den dritten Platz ein. Nummer eins ist immer noch «Gomorrha». Ästhetisch kann «ZeroZeroZero» mithalten. Das Problem ist, dass es an charismatischen Figuren mangelt. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, da sich die Hauptprotagonisten die Bildschirmzeit dreiteilen müssen. Auch erinnert die Musik zu sehr an «Gomorrha». Das Leitmotiv jedoch ist stark.

Aber ab Episode drei greifen diese Einwände nicht mehr. Edward Lynwoods Sohn Chris (Dane DeHaan) entwickelt sich überraschend zur interessantesten Figur. Und die Weise, wie zeitgleiche Erlebnisse zweier Hauptfiguren nicht parallel, sondern nacheinander erzählt werden, erreicht nach und nach ihren Höhepunkt. Der Kreis schliesst sich, und alles beginnt wieder von vorn.

«ZeroZeroZero» ist ab heute auf show.sky.ch verfügbar.

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