Musik

Nach dem Tod von Guz: Die Aeronauten veröffentlichen ihre vorerst letzte Platte

Guz (Oliver Maurmann) ist diesen Januar verstorben.

Guz (Oliver Maurmann) ist diesen Januar verstorben.

«Neun Extraleben» heisst das neue Album der Aeronauten. Es ist das letzte der Band, das mit Guz aufgenommen werden konnte.

2020 war schon ein Scheissjahr, bevor es richtig scheisse wurde. Am 19. Januar ist Guz für immer eingeschlafen. Er wurde nur 52. Sein Warten auf ein neues Herz war vergebens. Damit verlor die Schweiz einen widerborstigen Poeten, der Texte voller Witz und Melodien voller Wärme schreiben konnte. «Nächstes Jahr kommt der Durchbruch», steht immer noch auf der Website der Aeronauten. Er kommt nicht mehr.

Was dafür kommt, ist «Neun Extraleben». Eine neue, letzte Platte der Aeronauten. Mit Guz und von Guz. Traurige Sache? Mitnichten. «Man kann ja auch beim Pogo-Tanzen traurig sein», sagt Roger Greipl, der seit 1997 bei den Aeronauten zusammen mit Guz (Oliver Maurmann) und Kollegen auf den Durchbruch wartete. Das Album hat Dampf, Funk, Schmiss, Power, Punk, Dreck, ist eine typische Aeronauten-Platte, vielleicht nicht die beste, aber immer noch besser als vieles andere. «Die Songs standen grossmehrheitlich», sagt Greipl, «der Plan wäre eigentlich gewesen, mit Guz dieses Jahr ins Studio zu gehen und nächsten Sommer zu touren.»

CD-Aufnahmen als gemeinsame Trauerarbeit

Diesen Sommer gab es keine Touren und auch keinen Guz. Die Aeronauten gibt es aber noch. «Es war sofort klar, dass wir diese Platte noch machen», sagt Greipl. Guz hatte die meisten Gesangsspuren bereits eingesungen, bei einigen Liedern noch Korrekturen und Anmerkungen angebracht. «Auch wenn trotz seines kranken Herzens niemand – auch er selbst wohl nicht – mit seinem plötzlichen Tod gerechnet hat, war wirklich alles perfekt vorbereitet», so Greipl. Als sich die verbliebenen Aeronauten zu den Aufnahmen trafen, sei dies auch gemeinsame Trauerarbeit gewesen. Ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, wie Greipl unumwunden zugibt.

Kollektive Trauerarbeit mit Publikum wird es nicht geben. Eine Tour ist nicht geplant. «Das war nie ein Thema», sagt Greipl. Der Bandraum in Schaffhausen ist geräumt.Greipl:

Zumal die Aeronauten – und das werden alle bestätigen, die je an einem Konzert der Band waren – eine ausgesprochene Liveband waren.

Es ist ihm auch wichtig, dass «Neun Extraleben» kein musikalischer Grabstein für Guz sei, sondern vielmehr ein weiteres, wenn auch letztes Lebenszeichen der Aeronauten. Weitere neue Songs werde es kaum geben, zwar plane die Band für 2021 noch ein Best-of zum 30-Jahr-Jubiläum, aber mehr als vielleicht ein oder zwei unveröffentlichte Tracks werde es nicht geben.

«Gletscher sterben leise» heisst eines der Stücke. Ein Klavier flirrt sich ins Nichts. Das wäre nicht im Sinne von Guz und der Aeronauten. Entweder geht man gar nicht oder dann wenigstens mit einem Knall.

Die letzten Worte auf der Platte sind «Never Be Dead». Sei niemals tot. An der eigenen Sterblichkeit kann man nichts ändern, aber mit Musik dafür sorgen, dass man nicht verschwindet. «Dinge gehen schief, Dinge gehen verloren / Doch irgendwann wird alles gut», singt Guz ein paar Stücke zuvor. Wenn wir das irgendwem glauben, dann den Aeronauten.

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