Musikfestival
Die Niederlenzer Musiktage bieten von Jazz bis Klassik eine Atmosphäre unter Freunden

Der Cellist Christoph Croisé lebte lange in Niederlenz. Nun beschenkt er das Dorf zum zweiten Mal mit einem Festival.

Elisabeth Feller
Drucken
Führungsduo: Präsidentin Christina Soland und künstlerischer Leiter Christoph Croisé.

Führungsduo: Präsidentin Christina Soland und künstlerischer Leiter Christoph Croisé.

Bild: Peter Winkelmann

Man darf rätseln. Bei welchem Musiker hört man nur dies heraus: Freude? Ja, die Auswahl ist gross, doch wenn’s ums Schwärmen und um Vorfreude «wie ein Kind» geht, ist der Schweizer Cellist Christoph Croisé der richtige Mann.

Wie hat er sich doch letztes Jahr ins Zeug gelegt, als es darum ging, die von ihm und Pfarrerin Christina Soland gegründeten Niederlenzer Musiktage so zu erklären, dass einem bewusst wurde: Bist du nicht dabei, hast du etwas verpasst. Schon 2021 ging es dem heute 28-Jährigen nicht darum, das dreitägige Fest als Konkurrenz zu bewährten nationalen Festivals wie zum Beispiel Solsberg oder Boswiler Sommer zu positionieren.

Croisé schwebte vielmehr etwas anderes vor: ein dreitägiges, nicht nur auf Klassik getrimmtes Fest für die Bevölkerung von Niederlenz. «Schliesslich habe ich hier 18 Jahre gelebt; also wollte ich für das Dorf und meine Freunde etwas tun», sagt er.

Kommt hinzu, dass die Pandemie für Croisé auch «positive Auswirkungen» hatte. «Hätte es sie nicht gegeben, hätte ich wohl keinen Gedanken an ein Festival verschwendet. Doch ich hatte damals, wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen, reichlich Zeit, um über sehr vieles nachzudenken und mir über manches im Klaren zu werden.»

Sitzen am Open Air geht 2022 gar nicht

Zwar richtet sich das jede Generation ansprechende Festival vom 29. April bis 1. Mai in und vor der Reformierten Kirche in erster Linie an die Niederlenzer, aber natürlich sind auch Auswärtige willkommen. «Das letzte Jahr», so Croisé, «war schwierig. Nach einer langen, von der Pandemie bestimmten Zeit, gab es zwar wieder Konzerte, aber wir mussten bestimmte Regeln einhalten.» Beispielsweise beim Electronic Music Open Air.

Ein bisschen «schräg» sei es schon gewesen, dass ausgerechnet bei dieser Musik das Publikum zum Sitzen «verdonnert» gewesen sei. Aber die Schutzmassnahmen hätten dies nun einmal erfordert, sagt Croisé. 2022 wird das – auf dem Lindenplatz vor der Kirche – jedoch anders sein.

Wenn die DJs Freddy Cruise und Balouk das Zepter nach dem Gala-Eröffnungskonzert zu später Stunde in die Hand nehmen, soll die Post abgehen. Sitzen? Geht gar nicht. Dass Balouk in diesem Jahr erneut mit von der Partie ist, hat unter anderem auch diesen Grund: Er und Christoph Croisé sind miteinander befreundet, seit sie gemeinsam die Bezirksschule Lenzburg besucht haben.

Klein, aber fein, ist die Devise des künstlerischen Leiters Croisé, der für das zweite Festival wiederum Künstlerinnen und Künstler eingeladen hat, die er «gehört und toll gefunden hat» – gleich welcher Musiksparte. Etwa den international bekannten Sänger Sava Vemic, den er in Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» erlebt hat: «Einfach unglaublich», sagt Croisé dazu.

Vemic wird am Freitag im Gala-Eröffnungskonzert – begleitet von einem Streichquartett – Lieder von Tschaikowski, Rossini und Schubert singen. Zuvor werden Schuberts Quartettsatz und Christoph Croisés Cellokonzert gespielt.

Barocke Perlen sind ebenso zu hören wie Jazz

Selbstredend wird der Komponist die Uraufführung, zusammen mit dem Kammerorchester der Niederlenzer Musiktage, bestreiten. «Das viersätzige Werk ist 23 Minuten lang, wahnsinnig schwer und gibt viel Arbeit.»

Hört man Christoph Croisé zu, klingt das allerdings mehr nach Vergnügen denn nach Knochenarbeit. Aber man täusche sich nicht. Schon Croisés 2021 in Niederlenz uraufgeführte «Voyage Exotique – Grand Duo für zwei Celli» war eine vertrackte Angelegenheit: Doch mit welchem Furor und welcher Souplesse wurde dieses, auch Jazz-Einflüsse verratende Stück gespielt.

Überhaupt: Christoph Croisé ist verschiedensten Stilen und Richtungen gegenüber von einer einnehmenden Offenheit: Egal, ob es sich um Barockmusik handelt – Blockflöten-Superstar Maurice Steger wird am Samstag mit Perlen der Barockmusik glänzen – oder um zwei Schwergewichte der Klaviertrio-Literatur von Rachmaninow und Arensky in der Sonntagsmatinee, oder um Jazz am Sonntagabend mit dem (nicht nur) für Croisé «grandiosen Schweizer Marc Perrenoud Trio».

Zum Portemonnaie schonenden Vergnügen beitragen dürfte aber auch die Affiche «Eintritt frei, Kollekte» am Sonntag. Das Festival-Angebot ist gerade an diesem Tag denkbar niederschwellig – und somit eine schöne Ergänzung zu den Konzerten am Freitag und Samstag. Unbedingt erwähnenswert: Flüchtlinge können sämtliche Konzerte gratis besuchen.

Niederlenzer Musiktage; 29. April – 1. Mai; www.niederlenzer-musiktage.com.