Künzlis Playlist
Zum 100. Geburtstag: Delikatessen von Dizzy Gillespie

Jazz-Legende Dizzy Gillespie wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. AZ-Kulturredaktor Stefan Künzli würdigt das Werk des US-Amerikaners. Hören Sie rein in Gillespie's beste Stücke.

Stefan Künzli
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Dizzy Gillespie spielte 1988 am Jazz-Festival in Bern.

Dizzy Gillespie spielte 1988 am Jazz-Festival in Bern.

Keystone

«Er hat die Musik verändert», sagte Miles Davis über Dizzy Gillespie, der vor 100 Jahren in South Carolina das Licht der Welt erblickte. Er war eine Ikone, eine Integrationsfigur und vor allem ein Innovator. Zusammen mit Charlie Parker, Thelonious Monk und Kenny Clarke hat er mit dem Bebop eine völlig neue Tonsprache entwickelt, die gekennzeichnet ist von rasend schnell und virtuos gespielten Melodielinien und komplexen Harmonien. Heute kaum noch vorstellbar, verstörten und schockierten Titel wie Dizzys «Groovin High» manche Zeitgenossen.

Leider gibt es aus dieser Anfangszeit des modernen Jazz keine Filmaufnahmen. Umso wertvoller ist der knapp einstündige Film «Jivin’ In Be-Bop» über Dizzy Gillespie von 1946 (siehe Youtube). Es ist eine Art Revue mit Moderator, Tänzerinnen und Tänzern sowie Hauptdarsteller Dizzy Gillespie. In der Filmrevue überträgt der Bandleader einige seiner wichtigsten Bebop-Stücke wie «Salt Peanuts», «Shaw Nuff» oder «Oop Bop Sh’ Bam» von der Kleinformation auf ein 16-köpfiges Big-Band-Format und präsentiert sich nicht nur als Trompeter, der neue Massstäbe setzt, sondern auch als formidabler Entertainer und witziger Sänger. Gillespie hat den Jazz zu einer Kunstform gemacht, trotzdem war ihm Entertainment wichtig. Das zeigt auch eine Aufnahme mit Louis Armstrong aus dem Jahr 1959.

In «Jivin’ In Be-Bop» fehlen Dizzys spätere Markenzeichen noch: die wie ein Blasbalg aufgeblähten Backen sowie die nach oben gekrümmte Trompete. Aber noch mehr werden Dizzys damalige musikalische Weggefährten vermisst. Das einzige Filmdokument von Dizzy und Charlie Parker stammt von einem TV-Auftritt von 1952, wo die beiden den Bebop-Klassiker «Hot House» spielen. Als Meilenstein des modernen Jazz gilt aber vor allem das Konzert aus der Massey Hall in Toronto 1953 mit den Giganten Dizzy, Bird, Bud Powell, Charles Mingus und Max Roach.

Bereits 1947 gab Gillespie den entscheidenden Anstoss für das, was wir heute Afro-Cuban Jazz oder Latin Jazz nennen. Er integrierte den Conga-Spieler Chano Pazo in seine Band und erweiterte damit auch die rhythmische Sprache des Jazz. «Algo Bueno», eine Latin-Version des BeBop-Klassikers «»Woody ’n You», «Manteca» und «Cubana Be, Cubana Bop» gehören zu den berühmtesten Kompositionen des Afro-Cuban Jazz.

Folgen Sie Stefan Künzli und hören Sie seine Playlist auf Spotify.

Groovin‘ High (1944)

Jivin In The Be-Bop (1946, ungekürzter Film)

Umbrella Man w. Louis Armstrong (1959)

Hot House (1952 w. Charlie Parker)

Jazz At Massey Hall (Toronto 1953)

Cubana Be, Cubana Bop (1947 mit Chano Pozo)

Manteca (mit der Kenny Clarke / Francy Boland Big Band, Dänemark 1970)

Con Alma (comp 1956, Reunion Bigband 1968)

Woody'n You (1943)