Zucchero

Zucchero macht auf seiner neuen Platte auf Che Guevara

Zucchero: «Ich wollte schon lange ein Konzert in Havanna geben.»

Zucchero: «Ich wollte schon lange ein Konzert in Havanna geben.»

Zucchero (57), der für drei Konzerte in die Schweiz kommt, huldigt auf seinem neuen Album dem kubanischen Lebensgefühl. Im Interview spricht er über Che Guevara über seine Liebe zur kubanischen Musik.

Das Cover zeigt Sie in einem typischen US-Oldtimer mit einer Havanna – ist das nur ein Klischee oder lieben Sie diese Autos und Zigarren?

Zucchero: Meine Platte dokumentiert vor allem meine Liebe zum kubanischen Volk und zur kubanischen Musik. Ich wollte schon lange ein Konzert in Havanna geben und als CD veröffentlichen. Jetzt hat es endlich geklappt.

(Quelle: youtube/ZuccheroVEVO)

Zucchero mit «Guantanamera (Guajira)»

Weshalb liegt Ihnen Kuba am Herzen?

Wenn du einen Kompass auf eine Karte der Karibik legst, verbindet er New Orleans, Mexiko, Südkalifornien, Jamaika und Kuba. Die verschiedensten Einflüsse – alle mit dem Ursprung in Afrika, woher die Schwarzen als Sklaven kamen – haben sich hier vermischt. Die Menschen sind zwar arm und fahren mit diesen wandelnden Museumsstücken herum, aber sie haben eine grosse Kultur und einen unglaublichen Lebenswillen. Sie wirken immer gut gelaunt, aber nicht, weil sie berauscht wären, sondern, weil es ihre Mentalität ist.

Wie schwierig war dieses Projekt zu realisieren?

Alle wollten mich davon abhalten, mein Manager, meine Plattenfirma . . ., aber ich bin einfach hingeflogen und stellte fest: Sie haben nichts, keine Beleuchtung, keine Musikinstallationen. Sie sind in den 60er-Jahren stehen geblieben. Also habe ich zehn Container mit Bühnenmaterial und Aufnahmegeräten von Genua nach Havanna verschiffen lassen. Nach einem Monat sind sie angekommen. Dann reiste ich nach, habe mit meiner Band und 17 kubanischen Musikern geprobt und konnte schliesslich inmitten eines wunderschönen Parks mit Palmen ein grossartiges Konzert geben. 70 000 Kubaner haben mit uns gesungen und getanzt. Ein magisches Erlebnis, das mich froh und stolz machte.

Kannten Sie Kuba schon?

2003 hatte man mich zum Internationalen Festival der Zigarre eingeladen. (lacht) Da lernte ich Che Guevaras Bruder, den Kulturminister und den Tabakminister kennen und wir begannen von einem Konzert zu sprechen. Nun haben wir die vielleicht letzte Möglichkeit gepackt, es noch zu realisieren. Nach Castros Tod wird Kuba sich sicher verändern, ob zum Guten, wie ich hoffe, wird sich zeigen. Ich habe bewusst den 8. Dezember 2012 fürs Konzert gewählt, da ich an diesem Datum vor 22 Jahren den Kreml gerockt habe. Zugleich ist es der Todestag von John Lennon. Es geht mir um den Frieden, nicht um Kommunismus oder Revolution.

Waren Sie nie von diesen berühmten Revolutionären fasziniert?

Doch, als ich an der Universität war, habe die schönen jungen Revolutions-Helden bewundert, die sich gegen die Diktatur aufgelehnt haben: Fidel, Che Guevara, Camilo Cienfuegos. Sie haben für einen frischen Wind gesorgt, der etwas zu bewegen schien, und das hat vielen Jugendlichen imponiert, nicht nur mir.

Durch «Buena Vista Social Club» wurde die kubanische Musik in Europa populär. Inwiefern bezieht sich Ihr Album darauf?

Wir machen das schon ein wenig anders. Es hätte ja keinen Sinn gemacht, Ry Cooder zu kopieren. Er hat eine Platte mit typischen folkloristischen und traditionellen Liedern aus Kuba gemacht. Ich hingegen habe primär meine Songs und dazu ein paar weniger bekannte oder unveröffentlichte Lieder genommen und mit kubanischer Musik verschmolzen. Mein Rock und Rhythm ’n’ Blues sind trotzdem nicht zu überhören. Ausser «Guantanamera» hat es kein altes Lied drauf – selbst das war ursprünglich nicht auf meiner Liste, weil es zu naheliegend war und schon zu oft aufgenommen wurde.

Es ist sehr schön herausgekommen. Weshalb haben Sie Ihre Meinung geändert?

Als wir uns im Studio kennen lernten, haben wir zuerst «Guantanamera» improvisiert, da das alle Musiker kannten. Als ich den Text ins Italienische übersetzte, bemerkte ich, dass er von Freundschaft und Idealen spricht. Er basiert auf einem Gedicht von José Martì, einem der bedeutendsten kubanischen Dichter und Philosophen. Der Song, der uns leicht und lustig erscheint, ist also sehr tiefgründig. So hat er sich in die Platte eingeschlichen und wurde sogar zur ersten Single.

Ziehen Sie nach Kuba, falls Berlusconi nochmals Ministerpräsident wird?

Das wäre schrecklich . . . Ja, ich habe mir wunderschöne Orte angeschaut, wo es auch Häuser zu kaufen gibt. Seit der jüngsten Öffnung bietet sich sogar Ausländern die Möglichkeit, wenn sie einen kubanischen Partner haben. Da ich in der Toskana lebe und es das Schicksal gut mit mir meint, kann ich jedoch noch etwas in Italien ausharren. Es ist ein schönes Land und man isst gut (lacht). Für seine Zukunft bin ich jedoch – Berlusconi hin oder her – nicht sehr optimistisch . . .

Und wie steht es um die italienische Musik?

Da muss man unterscheiden: Es gibt das altbekannte Sanremo Festival, das nach wie vor die klassischen, melodischen italienischen Lieder propagiert, die etwas in die Jahre gekommen sind. Aber es gibt auch sehr talentierte junge Sänger und Bands. Es gibt tolle Songwriter, die bereit sind, zu rebellieren und zu sagen, was sie denken. Der Wandel in der Musik geht aber ebenso träge vonstatten wie in der Politik. Ich bin und war schon immer mutig, da ich nicht typische italienische Musik mache, obwohl ich auf unsere sehr poetische Sprache stolz bin.

Was würden Sie in Zürich tun, wenn Sie einen halben Tag freihätten?

Ich würde gerne wieder mal abends in der Altstadt bummeln gehen und irgendwo, wo etwas los ist, wo es schöne Frauen und Musik hat, mit meinen Schweizer Freunden ein Glas Wein trinken. Dazu kommen wir viel zu selten. Meist sehen wir uns nur alle ein, zwei Jahre, wenn sie mich bei Konzerten kurz Backstage besuchen.

Zucchero «La Sesión Cubana» (Universal), Live: 5. und 6. Mai, Zürich, Hallenstadion, 10. 7. Locarno, Moon & Stars.

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