Künzlis Playlist

Yodel your Blues away

Der Jodel, wie er in diesen Tagen am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig zelebriert wird, hat seinen Ursprung in den Alpenländern.

Der Jodel, wie er in diesen Tagen am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig zelebriert wird, hat seinen Ursprung in den Alpenländern.

Der Jodel, wie er in diesen Tagen am Eidgenössischen Jodlerfest in Brig zelebriert wird, hat seinen Ursprung in den Alpenländern. Doch gejodelt wird auch auf anderen Kontinenten und in anderen Musik-Genres.

Künzlis Spotify-Playlist vom 24. Juni 2017

Im 19. Jahrhundert brachten deutschsprachige Auswanderer den Jodel in die USA, wo er auf die angloamerikanische Musiktradition stiess. 1885 nahm George P. Watson erstmals Jodellieder auf Wachszylinder auf und 1911 wurde sein «Sleep, Baby, Sleep» zu einem Klassiker der amerikanischen Jodelmusik.

George P. Watson: Sleep, Baby Sleep.

George P. Watson: Sleep, Baby Sleep.

Dreh- und Angelpunkt des US-Jodels ist aber Jimmie Rodgers, der Vater der Country-Musik. In seiner ersten Aufnahme-Session 1927 interpretierte er nicht nur «Sleep, Baby, Sleep», mit «Blue Yodel No 1 (T For Texas)» landete er auch einen Top-Hit, der sich über eine Million Mal verkaufte. Total veröffentlichte er zwölf durchnummerierte Songs unter diesem Titel.

Sleep, Baby, Sleep by Jimmie Rodgers (1927)

Sleep, Baby, Sleep by Jimmie Rodgers (1927)

«Blue Yodeling» ist ein Genre, das den afroamerikanischen Blues mit Jodel anreichert. Jimmie Rodgers hat das «Blue Yodeling» aber nicht erfunden. Der erste «Yodeling Blues» wurde schon 1923 von Clarence Williams aufgenommen. Rodgers hat aber die grosse Popularität des «Blues Jodel» in den späten 20er- und 30er-Jahren begründet.

Jimmie Rodgers - Blue Yodel No 1 (T For Texas)

Jimmie Rodgers - Blue Yodel No 1 (T For Texas)

Ebenso skurril ist die Geschichte von Bill Haley. Nur wenige wissen nämlich, dass der spätere Rock-’n’-Roll-Pionier seine Karriere 1946 als jodelnder Cowboy begann. Fast vergessen ist heute auch der Jazzsänger Leon Thomas, der in den späten 60er-Jahren Passagen in seinen Gesang einflocht, die man als Jodel bezeichnen kann.

Bill Haley: Yodel Your Blues Away (1949).

Bill Haley: Yodel Your Blues Away (1949).

Die jodelnde Jazzsängerin Erika Stucky ist die Verbindung von den Alpen zum Jazz und zu Afrika. «Ich will dem Jodel einen afrikanischen Kick geben», sagt sie und begibt sich auf schräges Terrain. Tatsächlich wird aber auch in Afrika gejodelt. Zumindest bei den Pygmäen im zentralafrikanischen Regenwald. Auf jeden Fall wechseln sie in ihrer traditionellen, hochkomplexen, polyfonen Musik ebenso virtuos von Bauch- zu Kopfstimme wie die besten Jodler am Jodlerfest in Brig.

Erika Stucky : Yodelmove.

Erika Stucky : Yodelmove.

Nur die klassische Musik tut sich schwer mit dem Jodel. Die Passgen der Fiakermilli in Richard Strauss’ Arabella sind fast unsingbar und Cecilia Bartoli hat versucht, Johan Nepomuk Hummels Air à la tirolienne auf ihren Gesang zu übertragen. Aber Jodeln ist das nicht. Vielleicht auch besser so.

Richard Strauss : Fiakermilli aus Arabella (1933).

Richard Strauss : Fiakermilli aus Arabella (1933).

Maria Cecilia Bartoli : Air à la tirolienne avec variations, Op. 118. von Johann Nepomuk Hummel.

Maria Cecilia Bartoli : Air à la tirolienne avec variations, Op. 118. von Johann Nepomuk Hummel.

Sara Martin & Eva Taylor w. Clarence Willaims - Yodeling Blues

Sara Martin & Eva Taylor w. Clarence Willaims - Yodeling Blues

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Pharoah Sanders feat. Leon Thomas : The Creator Has a Master Plan (1969).

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Baka Forest People: Twilight Yelli.

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Autor

Stefan Künzli

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