Hallenstadion

Yello enttäuscht beim Heimspiel: Wo ist der Pioniergeist?

Dieter Meier von Yello ist offenbar kein Entertainer. Auf der grossen Bühne des Hallenstadions wirkte er verloren.

Dieter Meier von Yello ist offenbar kein Entertainer. Auf der grossen Bühne des Hallenstadions wirkte er verloren.

Yello konnte in seinem Heimspiel im Hallenstadion Zürich nicht überzeugen. Live funktioniert die Band mehr schlecht als recht.

39 Jahre lang hat sich Boris Blank (65) verweigert. «Meine Musik gehört nicht auf die Bühne», sagte der Klangtüftler von Yello jeweils trotzig ...schliesslich liess er sich von Dieter Meier, der anderen Hälfte des Duos, doch noch umstimmen. Die Premiere in Berlin liess dann aber einige Wünsche offen und die Kritiker kannten kein Erbarmen: «Der ganze Abend war ein Desaster», schrieb etwa die «Berliner Zeitung» und beklagte «die spektakuläre Ranzigkeit, Ratlosigkeit und Ignoranz der Darbietung.

Das war vor gut einem Jahr. Genügend Zeit also, um im Heimspiel im Zürcher Hallenstadion die Musikwelt doch noch von der Live-Tauglichkeit der Techno-Pioniere zu überzeugen. Von den Pop-Avantgardisten durfte man das erwarten. Boris Blank versprach denn auch, er wolle die Stücke «aus der Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft tragen». Wir haben deshalb Yello in einer anderen, neuen Dimension erwartet.

Blosses Beigemüse

Im nicht ganz ausverkauften Hallenstadion stand dann tatsächlich eine veritable Liveband auf der Bühne: Zu Blank gesellten sich ein Schlagzeuger, ein Perkussionist, ein Gitarrist, eine fünfköpfige Bläsertruppe und zwei Backing-Sängerinnen. Dazu ergänzten die Sängerinnen Malia und Fifi Rong Dieter Meier im Leadgesang. Die Auffrischung und Neubearbeitung der Songs fiel aber doch sehr bescheiden aus. Die neuen, «richtigen» Instrumente konnten nie eine tragende Rolle übernehmen. Wenn überhaupt, wurden sie komplementär zum Soundteppich von Blank eingesetzt. Mutlos, blosses Beigemüse zur Verstärkung des Alt-Bekannten Yello-Sound. Und Sängerin Malia ist halt keine Shirley Bassey.

Eine Enttäuschung war vor allem Dieter Meier. Er ist zwar ein begnadeter Selbstdarsteller, aber offenbar kein Frontmann und Entertainer. Selbst seine Ansagen waren spröde und uninspiriert. Meier ist der Typ «coole Socke», kein heissblütiger Antreiber. In Zürich wirkte er aber wie ein dürres, kleines Männchen, das sich auf eine grosse Bühne verirrt hat. Irgendwie verloren. Erst recht vor der überdimensionierten Leinwand.

Zum Glück gab es Visuals, Videos und Effekte, die von der Einfallslosigkeit und Langeweile auf der Bühne ablenken konnten. Aber wieso eigentlich nur eine konventionelle Frontalbühnenshow? Wieso wurde der Raum nicht für eine multimediale Show genutzt? Auch hier hätten wir von Yello mehr Spektakel, mehr Innovations- und Pioniergeist erwartet. Yello in einer wirklich neuen Dimension.

Boris Blank und Dieter Meier haben grosse Verdienste. Mit Yello haben sie eine eigene Klangsprache mit hohem Wiedererkennungsgrad geschaffen. Mehr noch: Neben den Young Gods (Post-Industrial) und Celtic Frost (Metal) gehören sie zu den wenigen Schweizer Musikern, die Musikgeschichte zumindest mitgeschrieben haben. Diese Leistung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden und kann ihnen niemand nehmen.

Bitte stoppt die Selbst-Demontage

Umso unverständlicher ist ihre Flucht auf die Bühne. Yello funktioniert auf der Bühne mehr schlecht als recht. Wo ist der Mehrwert? Was wollen Dieter Meier und Boris Blank beweisen? Sie können doch nur verlieren. Wieso neigen alternde Männer zur Selbst-Demontage? Insgesamt sieben Konzerte geben Yello auf ihrer Europatournee. Danach wollen sie entscheiden, wie es Live weiter gehen soll. Bitte, überlegt es euch gut.

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