Basels Ruf als Mekka der bildenden Kunst ist unumstritten. Doch wer gibt sich schon mit Superlativen in nur einer Sparte zufrieden? Wenn es nach der Kultur-Abteilung des Präsidialdepartements geht, soll Basel auch als «Musikstadt» glänzen – mit der weltweit ausstrahlenden Musik-Akademie hat Basel den Titel sicher längst verdient.

Doch wie sehr überhaupt Wert auf einen internationalen Ruf bei den Klangkörpern gelegt wird, gibt das neue Orchesterfördermodell zu denken. Gelder, die bisher per Subvention an konkrete Klangkörper gebunden waren – namentlich an das Kammerorchester Basel, die Basel Sinfonietta und das Ensemble Phoenix Basel – werden neu in einem Programmfördertopf zusammengefasst. Auf diese Förderung dürfen sich alle Basler Klangkörper bewerben, egal ob sie sich der Alten oder Neuen Musik verschrieben haben.

Die Gefahr der Giesskannen-Verteilung an viele lokale Player, nach dem Motto jeder kriegt ein paar Tropfen ab, liegt nahe. Was von einigen wie dem Kammerorchester laut befürchtet wird, wiegelt Philippe Bischof, Leiter des Amts für Kultur des Kantons Basel-Stadt, von vorherein ab.

Er betont, dass es bei diesem Auswahlprozess vor allem um Qualität gehe: «Je besser, je etablierter, je vernetzter ein Ensemble ist, desto höher ist natürlich die Chance, gefördert zu werden. Es geht uns nicht darum, ein neues Absolventen-Ensemble mit einem bereits bestehenden, lange gewachsenen Ensemble zu vergleichen. Das wäre völlig unseriös. Was uns aber reizt, ist die Möglichkeit zu haben, eine neue Initiative im Anschub zu unterstützen – und das kann ja auch mit einem kleinen Beitrag geschehen.» Müssen sich also die grossen Player gar keine Sorgen machen?

Sinfonieorchester musste bluten

Vor einem Jahr wurde die Absicht, diese Neuerung umzusetzen bekannt gegeben. Kurz vor Weihnachten gab auch der Grosse Rat seine Zustimmung. Im Übergangsjahr 2016 läuft zwar weiterhin alles wie gehabt. Bis März müssen die Klangkörper allerdings im Hintergrund ihre Gesuche für den dreijährigen Förderzeitraum vorbereiten.
Auch das Sinfonieorchester (SOB) musste in diesem Zusammenhang bluten. Seine Subvention wurde reduziert. Trotzdem ist die Massnahme ein klares Bekenntnis zum SOB, das nun alleiniger Subventionsempfänger ist.

Unterdessen bangt das Kammerorchester – in Insiderkreisen auch schon mal als bestes Orchester der Schweiz gehandelt – um seinen Status, wie Marcel Falk erklärt: «Die mit dem neuen Orchesterfördermodell verbundenen Ziele wie Profilschärfung des Orchesterwesens insgesamt und Orientierung an inhaltlichen Kriterien begrüssen wir grundsätzlich. Als Basler Klangkörper, der mit über 85 Konzerten pro Jahr und mit einem klaren Profil zur internationalen Kammerorchester-Spitze zu zählen ist, stellen wir uns jedoch die Frage, inwieweit eine Fach-Jury den unterschiedlichen Strukturen gerecht werden kann – beim Kammerorchester Basel ein hochprofessioneller Orchesterbetrieb mit festen Mitgliedern, die zum Teil ihren Lebensunterhalt beim Kammerorchester Basel verdienen, auf der anderen Seite lokal und regional ausgerichtete semiprofessionelle Strukturen.»

Gegen 30 Prozent mehr Gesuche

Genau diese kleineren Strukturen und neuen Initiativen haben zur Entwicklung des neuen Models beigetragen, wie Philippe Bischof beschreibt: «Wir haben in keinem anderen Bereich seit meiner fünfjährigen Amtszeit eine solche Zunahme an Gesuchen verzeichnet wie im Bereich der Musik. Im Bereich der Projektförderung gab es in den letzten zwei, drei Jahren eine Zunahme von 20 bis 30 Prozent. Das ist immens. Wir haben regelmässig neue Ensemble- und Orchestergründungen und einen Schub an Gesuchen zu verwalten gehabt, den wir immer gleich unbefriedigend angehen mussten: nämlich ohne Spielraum. Dabei ist die Situation, dass das Sinfonieorchester und drei weitere Klangkörper subventioniert werden, primär historisch gewachsen und inhaltlich nicht mehr überzeugend begründbar. Das fanden wir hochgradig unbefriedigend.»

Doch die Gründe für die Aufkündung der Subventionsverträge liegen auch aufseiten der Klangkörper selbst, wie Bischof betont. Es habe ihn gestört, dass die Profile immer mehr verwaschen seien. Die Basel Sinfonietta gibt sich einsichtig. Sie hätten bereits vor dem neuen Modell begonnen, sich wieder stärker auf ihren ursprünglichen Zweck als Projektorchester für Neue Musik zurückzubesinnen. In den letzten Jahren spielte das Orchester auch Werke aus dem klassischen und romantischen Repertoire.

An diesem Beispiel zeigt sich, dass das Ziel, die Klangkörper über den Wettbewerb zu einer Profilschärfung zu animieren, bereits erreicht ist. Nun fragt sich, ob die Subventionen die Prägnanz und Qualität der Profile weiter steigern oder ob diese doch wieder vom Giesskannen-Prinzip ausgewaschen werden. Das hängt von den Entscheiden der Jury ab. Die Bekanntgabe der Mitglieder darf also mit Spannung erwartet werden.

Fest steht, dass sie neben hoher fachlicher Kompetenz vor allem ein starkes Rückgrat mitbringen sollten, um nicht als Kleingärtner zu enden.