Belle und das Biest stehen sich im Ballsaal gegenüber, ihre erste zarte Annäherung, dann erklingt diese unvergessliche Melodie: «Tale as old as time…» Gänsehaut. Komponiert hat das Alan Menken, ursprünglich für den Disney-Trickfilm von 1991. Natürlich ist der Song auch jetzt im neuen Kinofilm zu hören. Diese Szene, dieses Lied sind das Herzstück von «Beauty and the Beast».

Menken gewann für diesen Song einen Oscar, für den Soundtrack zum Film einen zweiten. Er komponierte auch die Musik zu «Arielle – Die Meerjungfrau», «Aladdin», «Pocahontas» und schuf viele der beliebtesten Disney-Songs aller Zeiten. 8 Oscars hat der 67-Jährige schon gesammelt – so viele wie kein anderer noch lebender Mensch.

26 Jahre nach dem Original erneut in die Welt von Belle und dem Biest einzutauchen, habe sich für ihn so angefühlt, als sei er gar nie weggewesen, erzählt Alan Menken der «Schweiz am Wochenende». «Nur drei Jahre nach der Kinopremiere führten wir den Stoff auch als Musical auf dem Broadway auf, dann fand alle paar Jahre eine Jubiläumsfeier statt. ‹Beauty and the Beast› ist für mich wie ein Verwandter, den ich alle paar Jahre treffe.»

Die Schöne und das Biest - der Trailer

Die Schöne und das Biest - der Trailer

Der Filmkomponist aus New York hat all seine alten Klassiker für den neuen Kinofilm wieder ausgepackt und aufgefrischt. «Die Songs haben jetzt mehr Textur und sind erwachsener», so der Komponist. «Der neue Film spielt nicht mehr in einer Fantasiewelt, sondern im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Das muss man den Songs anhören.»

Die Songs im neuen Kinofilm sind länger, sie sind pompöser, aber sie liegen noch genauso gut im Ohr. Alle Darsteller brachten Musicalerfahrung mit – ausser die beiden Stars: «Emma und Dan hatten zuvor noch nie in einem Film gesungen, deshalb waren sie zu Beginn des Drehs nervös», erzählt Menken. «Ich stellte ihnen einen Gesangstrainer zur Verfügung. Ich wollte, dass sie sich so wohl wie möglich fühlten.»

Drei neue Songs

Mit dem Ergebnis ist Menken zufrieden, aber seine Augen leuchten erst richtig auf, als er von Emma Thompson spricht, die im Film Madame Pottine spielt und den Song zum Ballraumtanz anstimmt. «Emma fühlt sich bei Musicals zu Hause. Als sie bei den Proben zum ersten Mal ‹Beauty and the Beast› sang, waren wir alle den Tränen nahe.»

Alan Menken hat für den Kinofilm drei brandneue Songs komponiert, darunter eine melancholische Hymne für das Biest. «Ob die neuen Songs zu den alten passten, entschied mein Bauchgefühl», erzählt der Komponist. Jedes Lied müsse aber auch für sich selber funktionieren. Am Schluss sei auch die Meinung seiner Mitarbeiter wichtig: Wenn er einen Song furchtbar findet, alle anderen ihn aber lieben, dann belasse er ihn so.

Ob es ihm dann schwerfalle, seine eigenen Songs im Kinosaal zu hören? Menken verneint. Das sei eher so, als würde er seinen Kindern zuschauen. «Man bringt Songs zur Welt, man lebt sie nicht.» Und weil Songs für ihn wie Kinder sind, fällt es dem Komponisten schwer, einen Liebling auszuwählen. «Jeder Song erfüllt eine Funktion. Ich betrachte meine Arbeit als Mosaik aus Dingen, die sich gegenseitig stützen.»