Die Präsenz dieses Mannes ist gewaltig: Behäbig schiebt er seinen korpulenten Körper über die Bühne, um den Hals trägt er einen riesigen Goldklunker, der im Takt hin und her schaukelt, und seine donnernde Bassstimme dringt bis in die hinterste Ecke des Geländes. Als Busta Rhymes irgendwann nach Mitternacht die Bühne des Open Airs Touch the Air betritt, macht er sogleich klar, wer ab jetzt hier der Boss ist.

Wenn Busta will, dass das eingeschüchterte Mädchen in der ersten Reihe mit ihm singt, dann bringt er es dazu; wenn Busta länger spielen will als vorgesehen, dann bleibt er einfach auf der Bühne; und wenn Busta einen Joint will, dann besorgt er sich einen.

Doch neben viel Show und teilweise fast unerträglicher Selbstbeweihräucherung setzt Busta Rhymes auch den musikalischen Höhepunkt des Festivals im aargauischen Wohlen. Der als einer der schnellsten und technisch versiertesten Rapper geltende New Yorker lässt die Worte leichtfüssig über die brachialen, wummernden Beats hüpfen oder rattert wie ein Maschinengewehr. Dazu stapft er über die Bühne, schnaubt und stösst ab und zu ein unkontrolliertes Gebrüll aus.

Als Erste schaffen es Lo & Leduc an diesem Samstag, den Vorplatz der Hauptbühne mit Publikum zu füllen. Die Musik der beiden Berner sitzt diesem heissen Nachmittag wie angegossen. Melodiöse Bläsersätze und leichtfüssige Reggae-Rhythmen verbreiten eine heitere Stimmung, und auch die beiden Rapper sind gut aufgelegt. Lo lässt sich vom Publikum gar zu einer Freestyle-Einlage anspornen.

Wem es an der prallen Sonne noch zu heiss ist, der hat sich möglicherweise für einen Spaziergang in den Wald gleich hinter dem Open-Air-Gelände zurückgezogen. Abgesehen von der Musik punktet das Touch the Air mit seiner guten Lage. Es ist etwas oberhalb von Wohlen inmitten von Feldern gelegen und erlaubt einen weiten Blick übers Bünztal. Das Gelände ist angenehm überschaubar und bezüglich kulinarischen Angebots und Sponsorendichte mit anderen Schweizer Open Airs vergleichbar.

Hotpants und Tank Tops

Der Zuschauer ist eher jung, mit farbiger Sonnenbrille und lässigem Turnbeutel ausgerüstet und knapp bekleidet – die Mädels in Hotpants, die Jungs in Tank Tops oder gleich mit entblösstem Oberkörper. Obwohl sich einige der muskelbeladenen jungen Männer gern als Rowdys und Macker präsentierten, fällt das Publikum als äusserst höflich und freundlich auf.

Gleiches gilt für die Akteure auf der Bühne. So bedankt sich der vor Busta Rhymes aufgetretene und lautstark bejubelte Rapper Kool Savas in einem Moment für die Liebe, die er von seinen Fans erhalten hat, um dann unvermittelt einen Song mit dem Titel «Lutsch mein Schwanz» anzustimmen.

Nicht weniger intensiv geht es auf der kleineren, unter einem Zelt beheimateten Nebenbühne zu und her, wo ausschliesslich elektronische Musik gespielt wird. Bereits am frühen Abend hat sich hier eine beachtliche, tanzwütige Menge versammelt, um sich zu knackigen Minimal-Beats in Trance zu schaukeln. Auch das gleich daneben gelegene Zelt, das nach einem Getränkehersteller benannt ist, platzt bereits früh aus allen Nähten. Die Zuschauerzahl in diesen Zelten übertrifft diejenige vor der Hauptbühne in den ersten Stunden des Abends bei weitem.

Viele Zuschauer sagen, sie seien wegen der elektronischen Musik gekommen. Dass die grössten Namen hier noch dem Hip-Hop angehören, hat wohl weniger mit der Popularität des Genres, als eher mit der Tatsache zu tun, dass sich in der elektronischen Musik bisher weniger einzelne Stars ins Rampenlicht stellen konnten. Möglicherweise werden DJs hier in einigen Jahren die Hauptbühne bespielen. Auch die Hip-Hopper scheinen das zu ahnen. Fast etwas wehmütig klingt Kool Savas’ Versprechen, er werde noch bis ins hohe Alter auf der Bühne stehen, und er hoffe sehr, dass dann immer noch Hip-Hop-Konzerte besucht würden.