43 Millionen mal ist Pharrell Williams’ Hit «Happy» im letzten Jahr gestreamt worden. Doch verdient habe er damit nur 2700 Dollar, sagt er. Streaming ist für Konsumenten ein Segen, für die meisten Musiker aber ein Albtraum. Denn verdienen lässt sich damit so gut wie nichts.

«Musik ist Kunst, und Kunst ist wichtig und wertvoll. Für wertvolle Dinge sollte bezahlt werden», sagte Taylor Swift und entfernte im letzten Jahr gleich ihren ganzen Song-Katalog. Der Country-Superstar wurde zur Wortführerin gegen Spotify und andere Streaming-Dienste.

Der Vergleich der grossen Streaming-Anbieter

Der Vergleich der grossen Streaming-Anbieter

Die Verweigerer

Noch schwieriger ist es für Schweizer Musiker, die sich auf den kleinen Schweizer Markt konzentrieren. «Musiker können mit Streaming im kleinen sehr reduzierten Schweizer Markt nichts verdienen, Spotify sehen wir als Promotool», sagt Reto Lazarotto, der Geschäftsführer von Gadget, dezidiert. Künstlerorientierte Labels wie Gadget (77 Bombay Street, Hecht, The Bullet) oder Sound Service (Züri West, Polo Hofer) verweigerten sich deshalb den Streaming-Diensten.

0,007 Dollar zahlt Spotify gemäss Ernst&Young pro Stream an die Labels. Davon erhalten die Musiker rund 11 Prozent. Davon kann kein Musiker leben. Wie die «New York Times» berichtete, zahlt Apple jetzt immerhin 0,02 Dollar. Schon besser, aber immer noch wenig. Bei der IFPI Schweiz, dem Verband der Musikproduzenten, will man diese Angaben aber nicht bestätigen. Man könne keine generellen Angaben machen, weil die Verträge mit den Musikern «individuell abgeschlossen» werden und dementsprechend variieren.

Gadget ist jetzt bei Apple Music dabei, bei Sound Service will man zuerst die Testphase von Apple Music abwarten und danach entscheiden. Auch der Verband der Schweizer Musikschaffenden bleibt zurückhaltend und wehrt sich gegen Gratisangebote. «Es stört uns sehr, wenn riesige Technologiefirmen ihre Kundenwerbung auf unsere Kosten machen. Wir sind erstaunt und enttäuscht, dass grosse Rechteinhaber solche Deals offenbar immer noch machen und damit die weniger Mächtigen massiv unter Druck setzen. Doch wir haben das Streaming als neues Geschäftsmodell im Musikbusiness grundsätzlich akzeptiert», sagt Präsident Christoph Trummer, «wir versuchen, das Beste daraus zu machen, und sehen da auch Chancen».

Die Optimisten

Nicht überall herrscht Skepsis. «Ich freue mich sehr auf Apple Music», sagt Christian Wicky, CEO des Indie-Labels Irascible und Sänger der Rockband Favez, gegenüber Watson. Für Schweizer Bands, die auf einen internationalen Markt zielen, seien Streaming-Dienste ein Segen. «Einige Bands bei Irascible haben auf Spotify mehr Hörer im Ausland als in der Schweiz», so Wicky. Das führe zu mehr Konzerten und somit neuen Einnahmequellen. Streaming wird damit immerhin zum Promo-Tool für Musiker.

Positiv ist für Wicky auch, dass es bei Apple Music – im Gegensatz zu anderen Diensten wie Spotify – kein Gratismodell geben wird. «Ich hoffe, der Rest wird folgen», sagt Wicky und hofft, dass man die Konsumenten von der Gratismentalität wegbringt. «Als Musiker finde ich es respektlos, wenn Leute Musik hören, ohne einen Rappen dafür zu bezahlen», sagt Wicky.

Für Lorenz Haas, Geschäftsführer der IFPI Schweiz, hat das Streaming ein grosses Entwicklungspotenzial. In der Schweiz steht es am Anfang und hat 2014 erst 14 Prozent zum Gesamtumsatz der Branche beigetragen. Doch die aktuellen Wachstumsraten sind horrend. Für das Jahr 2015 rechnet der Branchenverband mit einem Wachstum von rund 30 Prozent. «Streaming ist ein Massengeschäft», sagt Haas, «je grösser es ist, desto mehr kann man verdienen – auch Musiker.»