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Vom «Guitar Hero»-Gamer zum richtigen Rockstar

Gitarrist Misha Mansoor zeigt sein Können

Gitarrist Misha Mansoor zeigt sein Können

Durch das Videospiel «Guitar Hero» kommt filigranes Gitarrenspiel wieder in Mode. Ex-Gamer haben eine neue, wilde Metal-Variante kreiert,die sie «Djent» nennen.

Kein anderes Genre hat so viele Untergruppen wie die Rockmusik. Hard Rock, Blues-Rock, Folk-Rock, Grunge, Thrash-Metal, Speed-Metal, Death Metal, Black Metal, Progressive Metal, Nu Metal, Hair-Metal … und, und, und. Der letzte Schrei heisst jetzt «Djent», eine Mischung aus Progressive und Nu Metal. Interessant ist, dass dieser Substil durch das Video-Game «Guitar Hero» entstanden ist.

Das Musikspiel, in dem der Gamer via Gitarren- und Schlagzeugcontroller zum Rockstar wird, ist seit der Erstveröffentlichung vor sechs Jahren – mit mittlerweile 14 Titeln – ein absoluter Renner. Musikfans und Gamer sind gleichermassen begeistert. Alleine von «Guitar Hero III», mit den Gitarrengöttern Slash (Guns N’ Roses) und Tom Morello (Rage Against The Machine, Audioslave) als spielbare Charaktere hat der Computerspiel-Gigant Activision 15,6 Millionen Dollar abgesetzt.

Der Antrieb hinter dem Spiel ist derselbe wie in der Progressive-Metal-Szene: Jeder will der Beste, der Schnellste und Virtuoseste sein. Momentan hält der 14-jährige Danny Johnson den Weltrekord in «Guitar Hero III». Er erzielte 973,954 Punkte mit dem Song «Through the Fire and Flames» der britischen Speed-Metal-Band Dragonforce, der zu einem der schwierigsten Stücke für «Guitar Hero» zählt.

Guitar Hero 3 - Through the Fire and Flames - Stufe Expert 100%

Synkopische Gitarrenriffs

Der Virtuosenvirus hat über «Guitar Hero» wieder auf die Rockgitarre zurückgewirkt. Wohnzimmer-Virtuosen veröffentlichten auf Youtube wilde, spektakuläre Gitarrenriffs. Einer dieser «Wohnzimmer-Rockstars» ist Misha Mansoor, der heute mit seiner Band Periphery zur Speerspitze der neuen «Djent»-Szene zählt. Er stellte immer wahnwitzigere Gitarrenlicks ins Internet, die er gleichzeitig auch mit den Kumpels in seiner Band zu Metalsongs ausarbeitete.

«Wohnzimmer-Rockstar» Misha Mansoor zeigt Djent-Gitarrenriffs

Am meisten beeindruckt war die Internetgemeinschaft von Mansoors «Djent». Das ist ein mit der Handfläche gedämpfter, synkopischer Gitarrenakkord, der durch verschiedene Effektgeräte gestreckt, verzerrt und zerstückelt wird. Die Ursprünge dieser Technik gehen auf den Gitarristen Frederik Thorendal der schwedischen Metalband Meshuggah zurück. Dieser hat das «Djent-Riff» quasi erfunden und vor allem auf dem aktuellen Album «obZen» aus dem Jahr 2008 verwendet.

Scherbeln und Krachen

Ausgehend von Misha Mansoor und seinen Youtube-Filmchen entstand in den letzten Jahren eine regelrechte «Djent»-Szene, die von Amerika und England auch nach Europa und in die Schweiz schwappt. Neben dem «Djent»-Akkord experimentieren die Bands auch mit polyrhythmischen Drum-Grooves. Der Gesang dazu ist wie bei Mansoors Periphery aus Baltimore ein Wechselspiel aus klaren Parts à la Chartstürmer von Linkin Park und wildem Geschrei.

Britische Band Tesseract wechselt sphärische und harte Klänge

Auch die britische Band Tesseract, die ihr Debütalbum «One» im März veröffentlichte, vermischt harte Passagen mit klarem, sphärischem Gesang und schafft so eine harmonische Klangwelt zwischen dem Scherbeln und dem Krachen. Weitere aufstrebende Bands des Genres sind Fellsilent und Chimp Spanner, beide aus England, und Cloudkicker aus Ohio. Noch vor rund zwei Jahren war die Szene noch ein versprengter Haufen, jetzt wächst die «Djent»-Gemeinschaft rasant.

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