Premiere

Viel Mut zur Derbheit bei «Hoffmanns Erzählungen» am Bodensee

Mandy Fredrich als "Antonia" und Ketil Hugaas als "Crespel" in "Hoffmanns Erzählungen" in Bregenz (Archiv 18.7.)

Mandy Fredrich als "Antonia" und Ketil Hugaas als "Crespel" in "Hoffmanns Erzählungen" in Bregenz (Archiv 18.7.)

Mit «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach haben die Bregenzer Festspiele am Donnerstag ihre Premierenreihe fortgesetzt. Mit nackter Haut wurde nicht gegeizt, vieles wurde sexualisiert, eine Frauenrolle zum Transgender umgeschrieben.

Die Oper basiert auf Erzählungen des Dichters E.T.A. Hoffmann und entführte die Zuschauer vom Bodensee in eine Geschichte mit mehreren Ebenen: Die Hauptfigur Hoffmann - wunderbar wechselhaft gespielt von Daniel Johansson - erzählt in einem Weinkeller Anekdoten und findet sich in ihnen mehrfach selbst als Protagonist wieder.

Neben Johansson beeindruckte im österreichischen Bregenz vor allem Kerstin Avemo als Puppe Olympia. Souverän führte sie durch ihren Part und überzeugte nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch: Mit unglaublicher Körperbeherrschung mimte die Sopranistin die Bewegungen der Puppe und hatte auch keine Hemmungen vor derben Szenen.

Generell zeigte die Inszenierung von Stefan Herheim bei nackter Haut wenig Scheu: Zahlreiche Momente waren stark sexualisiert, bei den Figuren hob er immer wieder Stereotypen auf - so wurde beispielsweise der Part der Stella als Transsexuelle umgesetzt.

Aber auch Witz bewies die Umsetzung - gekonnt spielte Herheim mit den humoristischen und zuweilen possenhaften Elementen, die Offenbachs Musik vorgibt. Eine technische Panne, durch welche die Aufführung kurzzeitig ausgesetzt wurde, nahm das Publikum dementsprechend gut gelaunt hin.

Eröffnet wurden die Bregenzer Festspiele bereits am Vortag: Gezeigt wurde Giacomo Puccinis Oper "Turandot" auf der bekannten Seebühne am Bodensee. Insgesamt werden bei dem Festival bis zum 23. August rund 200'000 Besucher erwartet.

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