Rock

Vera Kaa: «Ich stehe voll zu meinem Alter»

Vera Kaa singt live im Klösterli in Oberhofen

Vera Kaa singt live im Klösterli in Oberhofen

Am 27. März feierte Vera Kaa ihren 51. Geburtstag. Seit ihrer letzen Platte «BoxTon» sind vier Jahre vergangen. Mit dem neuen Album «50 Ways» macht sie sich nachträglich ein Geburtstagsgeschenk.

Vera Kaa, Sie sind in Luzern aufgewachsen. Sind Sie eine Fasnächtlerin?

Vera Kaa:Das war einmal! Leider kann ich diese Lautstärke meinem Gehör nicht mehr zumuten.

Welche Erinnerungen haben Sie zum Ohrwurm «Chilbiziit» auf Ihrem neuen Album inspiriert?

Als Teenager war die Chilbi das grösste Ereignis neben der Fasnacht – vergleichbar mit der Street Parade heute. Ich hatte sooo hohe Absätze und natürlich liefen dort T-Rex, Sweet, Slade und Status Quo. Ich höre noch den drohenden Unterton, wenn meine Mutter despektierlich sagte: «Go nume wie nes Chilbi-Maitli!» Da dachte ich: «Blos mir doch i dSchue – ich bin es Chilbi-Maitli!»

Und nun sind Sie plötzlich über 50 und spielen mit dem Albumtitel «50 Ways» darauf an, oder?

Ja, natürlich, weil die 50 in den Songs drinnen sind und ich voll zu meinem Alter stehen will! Ich gehöre zu den Frauen, die sich weder liften noch Botox spritzen lassen, sondern ihre Jahre in Würde annehmen wollen.

Was heisst das?

Ich versuche, das alte Dogma zu sprengen, eine Frau über 50 dürfe dies oder jenes nicht mehr tun. Schliesslich sind wir die Generation, die in den 80er-Jahren für ihre Kultur auf die Strasse gegangen ist. Da sollten wir versuchen, agil und fit zu bleiben. Ich kenne sogar einige Frauen, die – jetzt, wo die Kinder aus dem Haus sind – nochmals durchstarten wollen. Das möchte ich unterstützen.

Es ist zwar jetzt über ein Jahr her, aber was bewegte Sie an Ihrem 50. im Vergleich zu früheren runden Geburtstagen?

Mit 20 hatte ich das Gefühl: Wow, nun bin ich erwachsen! Dabei stimmt es gar nicht. Die erste Krise hatte ich vor meinem 30. Geburtstag, weil ich nicht wusste, wo ich stehe. Selbst mit 40 war ich noch unsicher. Nun bin ich eine reife Frau und ergreife die Flucht nach vorn. Das geht natürlich nur, wenn es die Gesundheit erlaubt. Leider verliert man ja schon die ersten Freunde, die durch Herzinfarkte oder auf andere Art aus dem Leben gerissen werden. Ich finde das furchtbar.

Der erdige Blues passt ausgezeichnet zu Ihren aus dem Leben gegriffenen Texten. Weshalb haben Sie diese CD erst jetzt aufgenommen?

Um den Blues wirklich singen zu können, braucht es eine gewisse Erfahrung und Entwicklung. Mit 20 hätte ich dieses Album nicht machen können. Ich komme ja aus der Punk-Bewegung und musste mir den Weg von dieser schnellen zur langsamen Musik erst einmal freischaufeln. Ausserdem sehe ich «50 Ways» nicht als Blues-Album, obwohl der die Basis liefert.

Sind Sie jemand, der sich schnell langweilt?

Ja, schon eher. Ich bin nicht gerade für besondere Beständigkeit bekannt... Doch das Leben ist genauso: Jeder Tag ist neu. Im Herzen bin ich trotzdem ein treuer Mensch – auch der Musik gegenüber. Ich fühle mich diesem grösseren Ganzen verbunden, nicht einem einzigen Stil.

Die Abwechslung ist Ihnen so wichtig, dass Sie auf Ihrer CD auf 50 Arten singen?

Ich verstehe mich als Malerin, die verschiedene Farben benötigt, um sich ausdrücken zu können. Mich fasziniert die ganze Palette von Rock bis Jazz. Aber nichts finde ich momentan so wunderbar wie den Blues.

War Ihre Stimme schon vorher so rau oder hat sie nachgedunkelt?

Nachdem Philipp Fankhauser mich 2005 eingeladen hatte, mit ihm am Blue Balls Festival ein, zwei Lieder zu singen, und ich mich auf kleinen Bühnen und mit Blues-Coverversionen ausprobiert habe, ist meine Stimme sicher gereift und gewachsen.

Die Texte haben Sie mit Ihrem Lebensgefährten David Eldred und die Musik mit Ex-Ehemann Greg Galli geschrieben – eine ungewöhnliche Ménage à trois.

Wir haben eine wunderbare, sehr kreative Dreierbeziehung, die sich glücklicherweise auf die Musik beschränkt. Als Greg und ich uns scheiden liessen, waren wir uns einig, dass wir einen freundschaftlichen Weg finden müssen – schon wegen der Kinder. Da wir im Anbau unseres Hauses ein Studio haben und ich sehr schnell einen wunderbaren neuen Partner fand, der Amerikaner ist und seine künstlerische Ader gerne schreibend auslebt, hat sich eine sehr fruchtbare Ménage à trois ergeben.

Wie kam es, dass auf «Einfach z’viel» auch noch Ihr Sohn rappt?

Beim Komponieren mit Greg hatte ich gerade die Idee, dass dazu eine Rapstimme passen könnte, als Nicola am Fenster vorbeispazierte. Weil er nicht nur Schlagzeug studiert, sondern auch Hip-Hop-begeistert ist, baten wir ihn zu improvisieren. Was eigentlich nur als Test gedacht war, gefiel uns so gut, dass wir niemand anders mehr suchen mussten.

Wer hat Sie zum satirischen «Blues Ain’t For Sissies» inspiriert?

Heidi Klums «Germany’s Next Topmodel». Diese Frau schlägt einfach alles, wenn sie mit ihrer Gwäggi-Stimme alle zur Schnecke macht – das ist ja nur noch traurig! Als ich bei meinen ersten Konzerten sagte, das nächste Lied wäre Heidi Klum gewidmet, ist das Publikum auch erschrocken. Als die Leute die Ironie bemerkten, waren sie jedoch beruhigt.

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