The Beauty of Gemina

The Beauty of Gemina entschlackt Ihre Lieder und wird massentauglich

The Beauty of Gemina - Stairs

The Beauty of Gemina - Stairs

Die Schweizer Gothic Rock-Band The Beauty of Gemina will mit dem neuen Album «Iscariot Blues» Fans ausserhalb der Szene gewinnen, ohne dabei ihre Stammfans zu verlieren.

Der Zeitpunkt ist perfekt für «Iscariot Blues», das neue Album der Gothic-Band Beauty of Gemina. Die Band um Sänger und Songschreiber Michael Sele konnte im letzten Jahr Höhepunkt an Höhepunkt reihen. «Es war unser Jahr, wir spielten an grossen Festivals in Italien, England und Belgien», erzählt Sele im Gespräch.

«Wir haben viele frische Anhänger gefunden, die nun auf das neue Material warten.» Zudem ging man genau vor einem Jahr als Vorband des berühmtesten Knaben der Szene, dem Grafen von Unheilig, auf Deutschlandtournee – an 13 Abenden spielten Beauty of Gemina vor jeweils bis zu 20000 Menschen. «Wir haben unsere Chance genutzt und viele Kontakte geknüpft», so Sele.

Massentauglichere Songs

Und wie es der Zufall will – denn die Lieder auf dem neuen Album seien bereits vor der Tournee mit Unheilig entstanden, wie Sele versichert – liefert «Iscariot Blues» das bisher massentauglichste Krachen der Band. Nun gilt es damit, die vielen Musikfans ausserhalb der Gothic-Szene, vor denen man im letzten Jahr spielen durfte, endgültig ins Beauty-of-Gemina-Boot zu holen.

Waren die letzten drei Alben durch eher schwer verdauliches Material geprägt, das tief im elektronisch düsteren Sumpf tauchte und mit pompösem Pathos vollgestopft war, setzt Sele jetzt auf kompaktere Songs. «Ich habe meine Lieder entschlackt», sagt er dazu. «Ich wollte die Kompositionen schlicht halten.» Mit dem Ergebnis, dass die Songs auch nicht mehr mit Überlänge atmosphärische Gefühlswelten aufbauen, sondern mit punktierten Höhepunkten für Spannung sorgen.

Vorher verteilte Sele seine Ideen auf bis zu 70 Minuten Spielzeit, nun gelingt ihm auf «Iscariot Blues» das Kunststück, 10 Lieder in rund 45 Minuten zu präsentieren, ohne an dunkler Stimmung oder ausgeklügelten Songstrukturen einzubüssen. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die erste Single «Stairs», eine Ballade zwischen Wave und Folk, die einem die Nackenhaare aufzustellen vermag.

Aber wo Erfolg ist, sind auch die Neider nicht weit. Nach dem Erfolgsjahr 2011 und einem ziemlich massentauglichen neuen Album steht Michael Sele vor der wohl grössten Herausforderung seiner Karriere: Er muss versuchen, mit «Iscariot Blues» den Sprung von der Gothic-Szene hinauf zu einem breiteren Publikum so hinzukriegen, dass ihm die Stammfans, in deren Umfeld er sich so wohl fühlt, nicht die Liebe entziehen. Denn genau das ist dem Grafen von Unheilig passiert.

Nach den Riesenerfolgen «Geboren, um zu leben» und «Unter Deiner Flagge» wurde er von der Szene quasi exkommuniziert. Sele schaut der Aufgabe gelassen entgegen: «Nur weil die Songs kürzer sind und die Musik im Radio läuft, werden wir in der Szene keine Kredibilität einbüssen.»

Beauty of Gemina Iscariot Blues. Universal. Erscheint am 13. Januar.

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