Musikmarkt Schweiz

Spotify & Co. sind nicht die Retter der Schweizer Musikbranche

Neue Musikdienste wie Spotify holen die Musikbranche aus der Krise.

Neue Musikdienste wie Spotify holen die Musikbranche aus der Krise.

Der legale Download von Musik geht zurück und das Streaming wächst rasant an. Inzwischen macht es schon bis zu 15 Prozent des Gesamtmarktes aus. Dieser ist aber weiterhin im freien Fall.

Vor zwei Jahren hat die Schweizer Musikbranche die Streaming-Portale Spotify, Simfy und Deezer als die Rettung der darbenden Musikindustrie gefeiert. Als dritter Absatzkanal neben dem Downloading und dem Verkauf von physischen Tonträgern. Mit den Streaming-Portalen könne ein neues, junges Kundensegment gewonnen werden, hiess es damals am Festival m4music.

Die neusten Zahlen des Musikmarktes Schweiz von 2013 relativieren die Hoffnungen. Der Umsatz der jungen Streaming-Dienste ist zwar explodiert und hat sich verfünffacht. Dagegen ist der legale Download in der Schweiz erstmals um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Die Voraussagen der Zweifler scheinen sich zu bewahrheiten: Im digitalen Bereich findet keine Zunahme, sondern eine Verschiebung vom Downloading (itunes) zu den Streaming-Portalen statt. Spotify & Co haben horrende Wachstumsraten und kannibalisieren die Download-Dienste.

Gemäss Lorenz Haas von der Ifpi-Schweiz haben die Streaming-Dienste Ende 2013 sogar schon 10 bis 15 Prozent des Gesamtmarktes ausgemacht. Der Trend überrascht nicht. Wieso soll der Konsument noch einen Song herunterladen, wenn er ihn überall und in Sekundenschnelle hören, resp. streamen kann? Fachleute gehen denn auch davon aus, dass die Streaming-Dienste den Download schon bald überflüssig machen könnten.

Als Beispiel dient Schweden, wo der Download nur noch eine marginale Bedeutung hat, das Streaming dagegen schon über 60 Prozent des Musikmarkts ausmacht.

Streaming-Dienst bei Apple?

Apple und sein markdominanter iTunes-Store sind in der Defensive. Es kursieren denn auch seit geraumer Zeit Gerüchte, wonach Apple einen eigenen Streaming-Dienst anbieten wird. Bestätigt ist aber noch nichts. Der Konzern, der in letzter Zeit nicht mit Innovationen aufgefallen ist, tut sich offensichtlich schwer, auf die Herausforderung zu reagieren.

Der Hoffnungsträger Streaming konnte denn auch nicht verhindern, dass der Gesamtumsatz der Tonträger in der Schweiz erneut massiv eingebrochen ist. Gegenüber 2012 ging er um 12 Prozent zurück (Vorjahr 15,4 Prozent). Dies entspricht dem seit über zehn Jahren andauernden Abwärtstrend.

CD immer noch wichtigste Einnahmequelle

Seit 2003 ist der Umsatz in der Schweiz um 63 Prozent zurückgegangen. Der erneute Rückgang in der Schweiz steht im Gegensatz zum internationalen Trend, der schon im letzten Jahr gestoppt werden konnte. Der europäische Markt verzeichnet dank einem digitalen Wachstum von 13 Prozent sogar eine leichte Zunahme.

Am stärksten traf es in der Schweiz die CD, die gegenüber dem Vorjahr erneut um happige 20 Prozent eingebrochen ist. Trotzdem kann gesagt werden, dass sich die silbrige Scheibe in der Schweiz erstaunlich gut hält. Mit 58 Prozent des Gesamtumsatzes ist die schon oft totgesagte CD nach wie vor die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle.

Die Hauptgründe des Umsatzrückganges im CD-Geschäft sieht die Ifpi Schweiz im Händlersterben und dem fortgesetzten Schrumpfen der Verkaufsfläche. Dazu bewirkt die Frankenstärke, dass die Händler und Konsumenten ihre CDs zunehmend direkt im Ausland einkaufen. Der Anteil dieser Parallelimporte an den Schweizer Labels vorbei schätzt die Ifpi auf 25 bis 30 Prozent.

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