Schweizer Pop

Sina: «Ich langweile mich wunderbar im Aargau»

Seit fünf Jahren lebt die 44-jährige Mundartsängerin in Fahrwangen oberhalb des Hallwilersees.

Sina am Hallwilersee. E.Freudiger

Seit fünf Jahren lebt die 44-jährige Mundartsängerin in Fahrwangen oberhalb des Hallwilersees.

Für die Walliserin Sina ist der Hallwilersee die Inspirationsquelle für ihr bisher bestes Album. Seit fünf Jahren lebt die 44-jährige Mundartsängerin mit ihrem Mann, dem Musiker Markus Kühne, in Fahrwangen oberhalb des Hallwilersees.

Ich suchte das Schnelle, Pulsierende, darum bin ich damals vom Wallis in die Stadt gezogen. Heute geniesse ich die ländliche Ruhe und bin ein richtiges Landei geworden», erzählt Sina. Seit fünf Jahren lebt die 44-jährige Mundartsängerin mit ihrem Mann, dem Musiker Markus Kühne, in Fahrwangen oberhalb des Hallwilersees. Wir treffen uns an ihrem See, im Gartenrestaurant der «Seerose» Meisterschwanden und geniessen die warme, frühlingshafte Februarsonne.

«Der See ist für mich zur echten Heimat geworden», schwärmt Sina und lässt den Blick über den See schweifen, «ich langweile mich wunderbar im Aargau, doch es ist diese Langeweile, aus der die Inspiration kommt.» Tatsächlich: Am kommenden Freitag erscheint Sinas neuntes Studioalbum «Ich Schwöru». Es ist ihr Bestes.

«Ich Schwöru» ist auch eine Art Neuanfang, denn sie hat sich von ihrer alten Band und von Musikern getrennt, mit denen sie bis zu fünfzehn Jahre zusammengearbeitet hat. «Wir hatten alle Lust auf Neues», sagt sie. Der bandlose Zustand ermöglichte ihr jetzt die Freiheit, jene Musiker einzuladen, die für den gewünschten Sound und den bestimmten Song am besten passen. Eine Tuba für den lüpfig-witzigen Song «Bonbons», das weiche elegante Flügelhorn zum leichten Latin-Groove von «Nit Cool Enough», eine Brassband für den Ostblock-Sound in «Geburtstag», ein Banjo für den swingenden «Mentag», die Gastsänger Büne Huber und Steff la Cheffe, Bläser und viel, viel Streicher.

Streicher sind am prägendsten

Die Streicher des Sinfonischen Orchesters Zürich sind am prägendsten im neuen Sina-Sound. Keine schwülstige Streichersülze, keine klebrige Klassikpolitur, kein orchestraler Edel-Kitsch. Stattdessen werden die Streicher songdienlich eingesetzt. Gezupft, solistisch und melodisch wie in «Ha Gmeint» und «Schi Mägunt Mi Nid». Pathos, Dramatik und Bombast von Streicherflächen nur dort (wie in «Ich Schwöru» und «Aznavour»), wo ein emotionaler, ästhetischer und qualitativer Mehrwert erzielt werden kann.

Verschwunden sind dagegen die rockigen Elemente. «Mich hat das Etikett «Rockröhre mit der Löwenmähne» schon lange genervt», sagt Sina, «nicht, weil ich Rock nicht mag, sondern weil es einfach nicht mehr stimmt.» Auf «ich Schwöru» hat das Klavier, gespielt von Philipp Henzi, die elektrische Gitarre klanglich abgelöst.

Treu geblieben ist Sina dagegen der bewährten Teamarbeit mit den Komponisten Markus Kühne, Pele Loriano und Produzent Thomas Fessler sowie Milena Moser und Sibylle Berg. Auch der Titelsong mit Büne Huber ist das Resultat von Teamarbeit. «Ich bin ein Fan von Büne», schwärmt Sina, «er hat eine der berührendsten Männerstimmen der Schweiz.» Das Liebeslied hat Hitpotenzial. «So etwas hatten wir noch nie», sagt Sina. Noch vor der Veröffentlichung wird der Song für Hochzeiten und Taufen verlangt.

Duett als Highlight

Ein Highlight ist auch das Duett mit dem 23-jährigen Berner Shootingstar Steff la Cheffe. «Es hat Spass gemacht und ich war sehr beeindruckt von ihr», erzählt Sina, «dieses Selbstbewusstsein hatte ich in ihrem Alter nicht.»

In «Ha gmeint» warnt Sina vor dem schnellen Ruhm und besingt die Vergänglichkeit des Erfolgs. Sie selbst steht aber seit achtzehn Jahren an vorderster Front des Schweizer Pop. Mit ungebrochenem Erfolg. Gerade in diesem schnelllebigen harten Business ist das eine Leistung, die in der Schweiz noch keine andere Frau geschafft hat.

«Ich bin sehr bodenständig erzogen», erklärt Sina. Es galt: «Nicht auffallen, sich nicht in den Vordergrund drängen.» Sina musste als Sängerin also lernen, «nach vorne zu stehen». Wahrscheinlich hat gerade diese Zurückhaltung, diese Bescheidenheit, dieses Understatement ihre lange Karriere gefördert. «Die Bühne bedeutet mir zwar viel, sie ist aber nicht alles», sagt Sina, «ich brauche mein Privatleben, will mich immer wieder zurückziehen.» Das Scheinwerferlicht hat sie nicht verbrannt.

Und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Mit «Ich Schwöru» ist Sina ein vielschichtiges, reichhaltiges, reifes Album gelungen. Es ist Garant und Rezept, um die aussergewöhnliche Erfolgsgeschichte der Ursula Bellwald aus dem Wallis fortzuschreiben. Die einstige Mundart-Pop-Pionierin ist auf dem besten Weg zur grossen Dame des Schweizer Pop zu werden.

Sina: Ich Schwöru, Musikvertrieb. Erscheint am 25. Februar.

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