Musik

Sechs Kurzkonzerte in drei Tagen

Drei Ad-hoc-Konzerte für das Gare du Nord nach der Coronapause.

Drei Ad-hoc-Konzerte für das Gare du Nord nach der Coronapause.

Der Gare du Nord kehrt mit drei Ad-hoc-Konzerten aus der Coronapause zurück.

Seit Mittwoch gibt es im Basler Musikbahnhof Gare du Nord wieder Konzerte mit neuer und nicht ganz neuer Musik. Sechs Konzerte in drei Tagen, im Coronaabstand für Musiker und Publikum, versteht sich.

Erik Satie (1866–1925) war ein überaus origineller Mensch und Künstler, seine Musik ist immer kurz, schlicht, prägnant, witzig und verspielt. Diese Verspieltheit haben sich die Sängerin Anne May Krüger und der Posaunist und Komponist Mike Svoboda zum Motto ihres ersten Post-Corona-Konzerts in der Gare du Nord gewählt. Daraus wurde eine Stunde der geistreichen Verballhornungen und schrägen musikalischen Querverweise.

Svoboda, meistens Meisterposaunist, jetzt Hand-handicapiert, setzte noch eins drauf, indem er Saties Lieder für die ziemlich quere Besetzung Gesang, Akkordeon und Posaune arrangierte, und von den Möglichkeiten dieser reizvollen Klangkombination nicht nur nichts verschenkte, sondern selbst noch etliche kompositorische Reize hinzufügte.

Zum Beispiel, indem er Gedichte von Satie gleich selber in Musik setzte und mit dem oft höchst virtuosen Posaunen-Part den Kollegen Stephen Menotti ganz schön an die Grenzen spielbarer Möglichkeiten trieb. Was dieser zwar souverän meisterte, ebenso wie Nejc Grm am Akkordeon. Svoboda spulte manchmal die Drehorgel dazu oder gewann Spielzeug-Melodicas zusätzliche musikalische Reize ab.

Inspiriert von Beckett, Picabia und Kharms

Nicht genug des vergnüglichen, verspielten Musizierens: Jeanne Larrouturou brachte einen kleinen Ausschnitt des Perkussions-Universums im zweiten Teil mit in die Bahnhofshalle. Aber auch mit Sound-Effekten auf der E-Gitarre von Christopher Moy lässt sich trefflich spielen, nicht minder mit den Klangfarben, Atemtönen und Klappgeräuschen einer Bassflöte, die Tatiana Timonina neben ihrem normalen Silber-Instrument mitgebracht hatte. Texte von Beckett, Picabia oder Kharms hatten sich die drei Musiker ausgesucht, und liessen sich davon zu ihren Improvisationen inspirieren.

Das Live-Erlebnis lässt sich nicht ersetzen

Nach exakt drei Monaten Corona-Lockout hatte die «Gare du Nord»-Intendantin Désirée Meiser am Mittwoch ihr Publikum wieder begrüssen dürfen. Ein zahlenmässig arg – auf 40 Ohrenpaare – reduziertes Publikum allerdings: Jede zweite Reihe war den Coronavorschriften gewichen, in den verbliebenen arrangierten die Platzanweiserinnen die Zuhörer mit Sicherheitsabstand.

Man hat in den lähmenden Social-Distancing-Wochen wie viele andere Kulturhäuser zwar täglich mit einem «Klanglieferservice» gezeigt, dass Kunst nicht an sich virenanfällig ist, aber das Live-Erlebnis eines real existierenden Konzerts lässt sich technisch nicht ersetzen.

Jetzt ist man wieder da: Sechs Teams erhielten die Möglichkeit, ein einstündiges Programm zu erarbeiten, und in «halluzinatorisch kurzer Zeit», so Meiser, seien die Ideen gesprudelt. Sechs Kurzkonzerte in drei Tagen, nach Krüger-Svoboda und Paul und Anja Clift am Mittwoch waren etwa Viviane Chassot und Jürg Henneberger am Donnerstag an der Reihe. Und wer heute Freitag um 18 oder 20 Uhr noch nichts vor hat, kann sich «Elekroschock» vom Ensemble Thélème oder sogar eine Edward Rushton-Uraufführung mit Johannes Keller und Vera Schnider anhören.

Freitag, 12.06., 18 Uhr «Elektroschock», 20 Uhr «Barock».
Gare Du Nord, Basel.

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