Herzliche Gratulation, zum sensationellen Ergebnis. Mal ehrlich, haben Sie das erwartet?

Sebalter: Nein, nie. Ich wusste ja, dass es schon sehr schwierig werden würde, das Halbfinale zu überstehen. Ich habe mich deshalb auf die drei Minuten am Donnerstagabend konzentriert und wollte dort mein Bestes geben. Dass ich jetzt im Finale den 13. Platz belege, das ist ein Traum.

Wie lange haben Sie gefeiert?

Es war gegen sechs Uhr, als ich ins Bett ging. Aber um halb acht musste ich schon wieder aufstehen. Aber jetzt bin ich schon müde, denn die letzten drei, vier Tage waren sehr intensiv. Proben und Interviewtermine ohne Ende. Umso schöner ist es, wenn man dafür in dieser Form belohnt wird. Ich bin sehr, sehr glücklich darüber.

Wie haben Sie den Auftritt im Finale erlebt?

Im Halbfinale habe ich alles gegeben. Danach war meine Stimme etwas angeschlagen und ich musste sie schonen. Ich habe deshalb versucht, so wenig wie möglich zu reden. Im Final war sie leider immer noch nicht ganz wiederhergestellt. Ich habe die Sendung noch nicht gesehen und meinen Auftritt noch nicht gehört, aber scheinbar hat es den Leuten gefallen.

Ich kann Sie beruhigen. Sie haben noch nie so gut gesungen wie am Samstag. Besser als im Halbfinal.

Aha, interessant. Das freut mich.

Sie haben locker und entspannt gewirkt. Waren Sie nicht nervös?

Auf der Bühne habe ich mich schon immer sehr wohlgefühlt. Aber die Vorstellung, dass ein 200-Millionen-Publikum zuschaut, kann schon nervös machen. Ich wusste, dass diese Nervosität und Unsicherheit meinen Auftritt beeinträchtigen könnten. Ich habe mich deshalb mental darauf vorbereitet, dass ich selbstbewusst und mit viel Power auftreten kann. Das ist mir gelungen.

Sie wussten, dass Ihre Schwäche der Gesang ist. Was haben Sie seit dem Schweizer Finale gemacht?

Ich bin Geigenspieler. Am Schweizer Finale habe ich erst zum vierten Mal vor Publikum gesungen. Die Kritik an meinem Gesang war berechtigt. Ich habe deshalb ab März zwei Mal pro Woche Gesangsstunden genommen, mich intensiv mit meiner Stimme beschäftigt und täglich geübt. Dadurch habe ich das Instrument Stimme erst jetzt so richtig kennen gelernt.

Wie geht es weiter?

Schon morgen gehe ich ins Studio, um die nächste Single aufzunehmen, die im Juni veröffentlicht wird. Dann bin ich an einem Album, das für den Herbst geplant ist. Im Juni habe ich Konzerte, weshalb ich nächste Woche mit meiner Band proben werde.

Bei welchem Label sind Sie?

Das ist noch nicht klar. Das Eurovision Song Contest ist jetzt abgeschlossen und ab morgen schlage ich ein neues Kapitel auf.

Hängen Sie Ihr Anwaltspatent an den Nagel?

Nein, ich habe eine ideale Lösung für mich gefunden, um beides unter einen Hut zu bringen. Zu 50 Prozent bin ich als Jurist beim Kanton Tessin tätig. Es ist eine Arbeit, die mir sehr gefällt. Umgekehrt erlaubt mir das reduzierte Pensum, mich meiner Musikkarriere zu widmen.

Was sagen Sie zu Conchita Wurst?

Ich habe sie zum ersten Mal in Amsterdam an einem Konzert getroffen und sie seither an vielen Proben erlebt. Ausserdem sang sie im gleichen Halbfinale. Sie ist immer sehr konzentriert und will das Beste geben. Sie hat eine hochprofessionelle Einstellung, sie singt grossartig und das Lied ist top. Sie ist eine würdige Siegerin. Ich freue mich sehr für sie.

Sehen Sie hier die Bilder zum ESC-Finale - mit einigen Schnappschüssen von Sebalter:

Sebalters Final-Auftritt am Eurovision Song Contest 2014