Zum Glück hat sie nicht gewonnen. Damals, als Veronica Fusaro, 17 Jahre jung, an der 2. Staffel von «Voice of Switzerland» teilnahm und in der dritten Phase ausschied. Andere waren auffälliger. Sie wirkte schüchtern, durchaus talentiert, aber zurückhaltend. Nicht ihre Welt.

Rückblickend muss ihr Ausscheiden wie eine Erlösung gewirkt haben. Sie verkroch sich in den Keller des elterlichen Hauses in Thun, richtete ein kleines Studio ein und tüftelte an Sounds und Beats. Resultat war der Song «Pluto», mit dem sie 2016 an der «Demotape Clinic» des Festivals m4music teilnahm und in der Kategorie Pop mit dem «Demo of the Year» ausgezeichnet wurde. Seither geht es aufwärts. SRF 3 wählte sie zum «Best Talent» des Monats Mai, und sie wurde für den Swiss Music Award 2017 nominiert.

Heute, inzwischen 20-jährig, steht Veronica Fusaro vor ihrem nächsten Karriereschritt. Bei der Verleihung des Swiss Music Award konnte sie sich und ihre Musik einem breiten Publikum präsentieren, gleichzeitig ist ihre zweite EP mit dem Namen «Ice Cold» erschienen. Fünf neue Songs, die sie als neue weibliche Hoffnung des Schweizer Pop bestätigen.

Dabei gelingt es Veronica Fusaro, eingängige Melodien mit sparsamen progressiven Sounds und Beats in reizvolle Popsongs zu verpacken. Eiskalt («Ice cold») ist übertrieben. Doch Fusaro singt unaufgeregt, unaufdringlich und erstaunlich abgeklärt. Bei aller Melancholie versprühen Musik und Stimme einen kühlen Charme. Wie Fusaro selbst, die sehr ernst, unnahbar und reserviert wirkt. Sie gibt nicht alles preis.

Ihr Leben ist noch relativ unspektakulär. Sie wohnt zu Hause bei ihren Eltern im beschaulichen Thun. Bis zu drei Stunden täglich verbringt sie täglich im Keller und studiert daneben im vierten Semester Soziologie an der Uni Freiburg. Veronica Fusaro ist eine nachdenkliche junge Frau. «Ich versuche, die Welt zu verstehen, will wissen, wie die Menschen funktionieren», sagt sie. Nur an das Geschäftsmodell Musikerin will sie noch nicht denken. Das könnte sich schnell ändern.