Immer am 25. Juli werden sie eröffnet, die Richard Wagner-Festspiele im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in der oberfränkischen Stadt Bayreuth. Los geht es dieses Jahr mit "Tristan und Isolde" in der Regie der Wagner-Urenkelin Katharina Wagner. Sie hat seit Herbst 2008 zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier auch die künstlerische Gesamtleitung der Bayreuther Festspiele inne.

Am Tag nach der diesjährigen Auftaktveranstaltung wird in der neu gebauten, 300 Quadratmeter grossen Wechselausstellungshalle neben dem Haus Wahnfried eine Ausstellung über die wechselvolle Geschichte dieses ehemaligen Wohnhauses von Richard Wagner eröffnet.

Nicht deutsche Experten vermitteln den Wagner-Liebhabern aus der ganzen Welt darin bisher unbekannte Details über das Haus Wahnfried, sondern die beiden auf Musikausstellungen spezialisierten Schweizerinnen Verena Naegele und Sibylle Ehrismann. Den Auftrag dazu erhielten sie kurzfristig Anfang März, nachdem der Direktor des Bayreuther Richard Wagner-Museums selber den Auftrag zurückgegeben hatte.

Mit Andreas von Graffenried, der für die Technik vor Ort zuständig ist, und mit dem Grafiker Peter Hunkeler sind zwei weitere Schweizer an den Arbeiten zur Ausstellung massgeblich beteiligt.

Ort des gesellschaftlichen Lebens von Wagner

Das Haus Wahnfried, zwei Kilometer südlich des Grünen Hügels am Rande des Hofgartens gelegen, diente der Familie Wagner ab 1874 während Jahrzehnten als Wohnhaus und als Ort des gesellschaftlichen Lebens. Vorbild für den Bau war die Villa Wesendonck in Zürich und die Villa Tribschen in Luzern, wo Wagner ab 1866 sechs Jahre lang gewohnt hatte.

1893 liess Wagners Sohn Siegfried östlich der Villa Wahnfried ein eigenes Haus bauen, das seine Gattin Winifred ausbaute. Im Siegfried Wagner-Haus residierte jeweils auch Adolf Hitler bei seinen vielen Besuchen bei der Familie Wagner in Bayreuth.

Das Haus Wahnfried wurde 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bei einem Bombenangriff der Alliierten zerstört und danach wieder bewohnbar gemacht. Bis 1966 wohnte Wagner-Enkel Wieland im Haus. 1976 wurden die neuen, nach dem Krieg eingebauten Teile abgerissen und das Haus danach wieder originalgetreu aufgebaut. Die Nord- und die Westwand blieben stehen. Seither dient die Villa als Kernstück des Richard Wagner-Museums.

Im Staatsarchiv Bamberg entdeckt

In der Ausstellung der beiden Schweizer Musikwissenschaftlerinnen geht es nicht nur um die Geschichte des Hauses, sondern auch um Einblicke in das private Leben der Familie Wagner. Dazu gehört das 2012 entdeckte Nachlassverzeichnis von Richard Wagner, das sämtliche beweglichen und unbeweglichen Besitztümer aufführt.

Sie habe das Dokument bei Recherchearbeiten über das Leben von Franz Willhelm Beidler, dem ersten Enkel von Richard Wagner, im Staatsarchiv Bamberg entdeckt, sagt Verena Naegele. Danach habe sie lange nicht gewusst, wie sie diesen Fund auswerten könne, bis sich mit dem Auftrag für die Ausstellung über das Haus Wahnfried die passende Gelegenheit dazu ergab.

Das Schriftstück war in vier verschiedenen, altdeutschen Schriftarten verfasst und musste zuerst in einer Herkulesarbeit transkribiert werden. Es verrät unter anderem, dass Richard Wagner sechs Klaviere und eine Orgel besass. Das Dokument wurde nach dem Tod von Wagner von seiner Gattin Cosima und von ihrem Hausjuristen unterzeichnet.