Pop

Schweizer Blasinstrumente für Horn-Section von Robbie Williams

Besuch im Atelier des Instrumentenbauers Thomas Inderbinen, welcher aktuell vier Instrumente für Robbie Williams baut.

Besuch im Atelier des Instrumentenbauers Thomas Inderbinen, welcher aktuell vier Instrumente für Robbie Williams baut.

Im Blasmusikatelier von Thomas Inderbinen werden die Instrumente für die «Atlantic Horns», den dreiköpfigen Bläsersatz des britischen Entertainers, gebaut.

Sie waren mit der verstorbenen Amy Winehouse auf Tour. Superstars wie Stevie Wonder, Alicia Keys, Beyoncé, Aretha Franklin, Paul McCartney, Jamie Cullum, Radiohead und viele andere schwören auf die Bläsersection der Atlantic Horns. Über die Jahre sind die drei britischen Bläser Ben Edwards (Trompete und Flügelhorn), Mark Brown (Tenorsax) und Mike Kearsey (Posaune) zu einer unvergleichlichen Einheit zusammengewachsen. Die Atlantic Horns sind eine grosse Nummer.

In diesem Jahr waren sie auch mit Robbie Williams auf Welttour. Kurz vor dem Konzert im Letzigrund am 16. August erhielt der Schweizer Instrumentenbauer Thomas Inderbinen ein Mail von Edwards. Er habe von der Qualität seiner Blasinstrumente gehört und wolle sie unbedingt mit seiner ganzen Sektion testen.

Der gefragte Instrumentenbauer staunte nicht schlecht. Er ist sich den Umgang mit Stars gewöhnt. Die besten Bläser wie Dave Liebman, Randy Brecker, Roy Hargrove, Till Brönner oder Candy Dulfer gehen in seinem Atelier ein und aus. Seine Instrumente werden in die ganze Welt geliefert und das Schweizer Fernsehen (SRF) nannte ihn den «Weltstar der Instrumentenbauer». «Der Name von Superstar Robbie Williams ist aber schon etwas Besonderes», sagt er.

Mit seinen Hörnern unter dem Arm traf Inderbinen am Nachmittag vor dem Konzert die drei Briten in der halligen Backstage-Garderobe des Letzigrund, wo sie die Instrumente testeten. Auf Kommando von Trompeter Edwards legten die drei wie aus der Kanone geschossen los. «Eine solche Präzision habe ich noch nie erlebt», sagt Inderbinen, «wie wenn man mit einem Hammer auf die Tischplatte geknallt hätte. Das hat mich umgehauen».

Für Inderbinen eine neue Erfahrung, denn bisher hatte er vor allem mit Solisten zu tun, die am Sound des Einzel-Instrumentes interessiert waren. Die Atlantic Horns wollen dagegen die Verschmelzung des ganzen Satzes vorantreiben. Edwards ist überzeugt, dass er dies nur mit Hörnern erreichen kann, die aus demselben Haus stammen, die gleiche Handschrift und Philosophie haben. «Der mehrstimmige Satz in sich soll stimmen», sagt Inderbinen.

Inderbinen war selbst überrascht, was man mit seinen Instrumenten im Bläsersatz machen kann. Mit dem gleichen Akkord haben die Drei ganz verschiedene Klangbilder entwickelt. «Ich habe bisher noch nie Instrumente für einen ganzen Satz geliefert und war mir gar nicht bewusst, wie sehr sich meine Hörner für ganze Bläsersätze eignen», sagt er. Dabei ist es logisch, denn die Verarbeitung ist bei allen Hörnern gleich. «Das ergibt den gemeinsamen Charakter», erklärt Inderbinen.

Auch die Atlantic Horns waren begeistert und schnell von seinen Hörnern überzeugt. Im Atelier in Buchs AG wird nun wie wild geschnitten, gehämmert und gebaut. Gut 30 000 Franken kostet der ganze Satz für Trompete (7500.–), Flügelhorn (5700.–), Tenorsax (11 500.–) und Posaune (5700.–). Mit einem kleinen Preisnachlass sollen die Hörner im Dezember geliefert werden. Rechtzeitig für die «Swing Both Ways»-Tour.

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