Roger Waters kann es nicht lassen und macht wieder einmal mit umstrittenen politischen Aussagen auf sich aufmerksam. Im Visier hat er diesmal den britischen Milliardär Richard Branson, der am Freitag in der kolumbianischen Stadt Cúcuta an der Grenze zu Venezuela mit Stars wie Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel und dem puerto-ricanischen Sänger Luis Fonsi («Despacito») ein grosses Benefizkonzert zugunsten der venezolanischen Bevölkerung organisiert. Die Einnahmen sollen der notleidenden venezolanischen Bevölkerung zugutekommen. Auch soll Druck auf die venezolanische Führung ausgeübt werden, Hilfslieferungen ins Land zu lassen.

Waters kritisiert das Konzert nun scharf. Branson sei auf einen «Trick» der USA hereingefallen. «Es hat nichts mit den Bedürfnissen der venezolanischen Bevölkerung zu tun, es hat nichts mit Demokratie zu tun, es hat nichts mit Freiheit zu tun, es hat nichts mit Hilfe zu tun», sagte der 75-Jährige in einem auf Twitter veröffentlichten Video.

Die geplante humanitäre Hilfe für Venezuela wird zusehends zum Spielball im Machtkampf zwischen dem umstrittenen Staatschef Nicolás Maduro und seinem Kontrahenten Juan Guaidó. Der Oppositionsführer und selbst ernannte Übergangspräsident hat Maduro aufgefordert, aus den USA gelieferte Medikamente und Lebensmittel ins Land zu lassen. Maduro lehnt das kategorisch ab. Der Linksnationalist sieht die Hilfen als Vorwand für eine US-geführte Militärintervention, die sich US-Präsident Donald Trump offenhält.

Missionarischer Eiferer

Waters stellt sich auf die Seite des venezolanischen Diktators und benutzt auch dessen Rhetorik: «Wollen wir wirklich, dass Venezuela zu einem neuen Irak, Syrien oder Libyen wird», fragte er. «Ich nicht, und das venezolanische Volk auch nicht.»

Nicht zum ersten Mal macht Roger Waters mit umstrittenen politischen Äusserungen von sich reden. Mit missionarischem Eifer ruft er zu Boykott und Sanktionen gegenüber Israel auf. Sein Israel-Hass wurde auch auf seinen Konzerten deutlich, wo er ein Schwein fliegen liess, auf dem ein Zion-Stern prangte. «Mit seinem verwirrten, nicht nachvollziehbaren Alterszorn desavouiert der 74-Jährige seit geraumer Zeit sein künstlerisches Vermächtnis, das früher als kluge Zivilisationskritik angesehen wurde», schrieb im letzten Jahr die «Berliner Morgenpost». (sk)