Nein, die «Regensonate» (von Brahms) stand beim Eröffnungskonzert am Freitag in der Klosterkirche Olsberg nicht auf dem Programm. Dafür fühlte sich, meteorologisch gesehen, Schuberts «Forelle» sehr wohl in Olsberg, das diesmal kein Solsberg war. Jedenfalls so lange nicht, bis man dem Trio Vilde Frang, Sol Gabetta und Dejan Lazic zuhören konnte: Da ging die Sonne auf!

Schostakowitsch spielten sie zum Anfang, ein originelles Klaviertrio von 1923 in einem Adagio-Satz. Allerdings treibts den jungen Komponisten immer wieder ganz schnell in quirligere, durch raue Akzente aufgepeitschte Passagen. Eine Idee jagt die nächste, und solcher Kontrastreichtum ist natürlich ein gefundenes Fressen für Musiker von Gabettas Gnaden. Hier, wo jede Geste in irgendeiner Weise aufgeladen werden darf, spielten sie in ihrem Element: reaktionsschnell und voller Esprit, mit reichen Klangfarben und einem Ausdrucksspektrum, das zwischen fahlen Schatten und explosiver Expressivität nichts auslässt.

Gute Akustik in der Kirche

Daran änderte sich auch nichts, als sich für Mozarts Klavierquartett K 478 der Bratschist Maxim Rysanov und für Schuberts «Forellenquintett» der Kontrabassist Alexander Gabrys zwischen die beiden üppig barocken Seitenaltäre klemmten. Die Kirchenakustik ist – wenn man nicht zu weit hinten sitzt – erstaunlich gut. Selbst das Klavier im Fortissimo wird kaum verschlagen, und der Hall ist so moderat, dass Lazic auch mal kräftig in die Tasten greifen durfte. Das tat er allerdings mit dosierter Intelligenz, selbst da, wo ihm ganz klar von den Komponisten die Führungsrolle zugedacht war.

Dafür formte er die Melodielinien der anderen gerne mit der freien Hand nach. Ein schönes Beispiel für die wache Interaktion dieses Ensembles, das ja nicht permanent zusammen spielt, sondern sich für die Solsberg-Konzerte erst finden musste. Da blieb immer auch Raum für spontane Gesten, für kleine Überraschungen und musikalische Diskussionsfetzen, die sich die fünf Musiker mit sichtbarem Vergnügen gegenseitig zuwarfen und mit enormem Reichtum an Ausdrucksnuancen zurückgaben.

So wohl wie ein Fisch im Wasser fühlte sich diese Forelle, und da ihr in diesen Quintett-Variationen auch anders als im bekannten Lied kein Fischer das Wasser tückisch trübt, durfte sie fröhlich weiter schwimmen in die sintflutähnliche Regennacht. Man wunderte sich nur, woher die Solsberg-Leute all die Sonnenblumen hatten, die sie am Ausgang verteilten.

Sonnenwende kommt noch

Wenn auch das Wetter nichts davon ahnen lässt: Die Sonnenwende kommt bestimmt und damit der äussere Anlass von Sol Gabettas kleinem, feinem Festival, das zum achten Mal stattfindet. Bis zum 30. Juni dauert es noch und bietet an den Wochenenden Kammermusikkonzerte in der barocken Klosterkirche von Olsberg, Sinfoniekonzerte in der Stadtkirche von Rheinfelden, unter anderem mit einem brandneuen Cellokonzert vom lettischen Komponisten Peteris Vasks, sowie erstmals einen Ausflug in ein anderes Aargauer Kloster: Am 15. Juni spielen Gabetta, Lazic und Giuliano Carmignola zusammen mit dem Kammerorchester Basel unter Giovanni Antonini Beethovens Tripelkonzert im Festsaal des Klosters Muri.

Solsberg Festival: noch bis zum 30. Juni. Nächstes Konzert: «Tripelkonzert» am Sa, 15. Juni, 19.30 Uhr, im Festsaal des Klosters Muri. www.solsberg.ch