Rock

Queen-Drummer Roger Taylor: Königlich unterschätzt

Denkt nicht an Ruhestand: Roger Taylor (64).

Denkt nicht an Ruhestand: Roger Taylor (64).

Im Schatten von Queen hat Schlagzeuger Roger Taylor ein umfangreiches Solo-Werk aufgebaut. Jetzt erscheint sein Gesamtwerk in einer Box. «Die Nordwestschweiz» hat den Queen-Drummer getroffen.

Ein grosses CD-Box-Set ist das Status-symbol jedes gestandenen Rockmusikanten. Es ist das Dessert in einer dekadenlangen Karriere. Das Zeichen, dass man ein Werk beisammen hat, auf das man stolz sein kann. Roger Taylor tut, als wüsste er nicht, was in seinem Box-Set überhaupt drin ist. «Sieben oder acht CDs werden es schon sein», meint er. «Oder eher zehn. Dazu eine DVD. Auf jeden Fall ist es viel mehr geworden, als ich gedacht hatte.» Ein paar Aufnahmen hätte er lieber nicht wieder gehört, gibt er zu: «Aber wenn wir das Ding schon «The Lot» (zu deutsch: «Der ganze Bettel») nennen, müssen wir ehrlich bleiben.»

Taylors erstes Solo-Album hiess «Fun in Space» und kam 1981 heraus und knackte die britischen Top 20. Zu dem Zeitpunkt schien bei Queen die Luft raus zu sein. Ausser «Under Pressure» mit David Bowie hatten sie zuletzt keine grossen Chart-Stricke zerrissen. Der nächste Hit folgte erst vier Jahre später, und zwar mit der Taylor-Komposition «Radio Ga Ga». Selbst der Erfolg von «I Want to Break Free» beschränkte sich auf Europa, denn in den USA wollten die TV-Stationen (auch MTV) dem Publikum den Anblick einer fulminant staubsaugenden Hausfrau namens Freddie nicht zumuten.

Eine Zeit lang sah es denn ganz so aus, als ob Multi-Instrumentalist Taylor seine Brötchen bald auf eigene Faust verdienen müsste. Mit dem grandiosen Queen-Auftritt bei Live Aid aber wandelten sich «abgetakelten Oldies» über Nacht in zeitlose Superstars. Damit rückte die Solo-Karriere zurück in den Schatten von Queen. Doch Taylor liess sich nicht beirren. Mit «The Cross» gründete er gar eine zweite Band, die zwischen 1988 und 1991 drei Alben veröffentlichte. Seither sind weitere vier Solo-Werke dazugekommen – jetzt gar ein neues, «Fun on Earth».

(Quelle: Youtube.com)

Roger Taylor - Hörprobe

«Der einzige rote Faden, den ich erkennen kann, ist ein dumpfer Zorn», grinst Taylor. «Woher der Zorn kommt, weiss ich nicht. Nur dies: Ich bin kein Monarchist. Schon als Schulkind habe ich es nicht geschätzt, wenn mir eine Autorität Befehle erteilen wollte.» Dieser Zorn sei es, den er bei Queen nicht hätte ausdrücken können: «Bei Queen ging es nicht um die Äusserungen einzelner Stimmen. Es ging um die Musik.» sagt er. «Wenn ich allein unterwegs bin, kann ich tun und lassen, was ich will.»

64 Jahre alt ist der Drummer im Juli geworden. An einen Ruhestand in der Karibik denkt er nicht. Gerade probt er mit den reformierten Cross für ein Reunion-Konzert in seinem Heimatstädtchen Guildford. Zusammen mit Queen-Gitarrist Brian May hilft er, die Geschicke der in den USA über Youtube und eine Castingshow formierten «Queen Extravaganza» zu dirigieren. Das ist eine Band mit Sängerin, die mit Queen-Songs samt authentischen Bühnenbildern, Fotos und Videos durch die Lande zieht: «Sie sind grossartig», sagt Taylor. «Bei einer Tributband stehen die Schnäuze, die Perücken und die 25 Jahre alten Kleider im Mittelpunkt – hier ist es die Musik.»

Comeback von Queen

Der geplante Film über das Leben von Freddie Mercury ist dagegen verschoben worden, nachdem Sasha Baron Cohen als Hauptdarsteller wieder ausgeladen wurde: Mit ihm wäre es ein Sasha-Baron-Cohen- statt ein Queen-Film geworden, meint Taylor. Man stehe kurz davor, einen Ersatz bekannt zu geben.

Und Queen geben ein Comeback: Nächstes Jahr will Taylor mit Brian May und dem amerikanischen Sänger Adam Lambert auf Queen-Tournee gehen.

Roger Taylor Fun on Earth, Universal. The Lot, Universal.

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