Eigentlich hätte er nächstes Jahr seine Memoiren veröffentlichen wollen. Doch nun ist der amerikanische Musiker Prince gestern im Alter von 57 Jahren überraschend gestorben. Wie seine Pressesprecherin gestern Abend bestätigte, ist der Künstler leblos in seinem Haus in Minnesota gefunden worden.

Prince - I Wanna Be Your Lover - 01/30/82 - Capitol Theatre

Prince - I Wanna Be Your Lover - 01/30/82 - Capitol Theatre

Recorded Live: 1/30/1982 - Capitol Theatre (Passaic, NJ)

Über die Todesursache war vorerst nichts bekannt. Letzte Woche musste sein Privatjet offenbar notlanden, damit er ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte. Prince litt laut Medienberichten seit längerem an Grippe und hatte deswegen Anfang April mehrere Konzerte abgesagt.

Magie im Glitzeroverall

Prince Rogers Nelson war einer der schillerndsten Figuren des Popzirkus. Er versprühte etwas Magisches, glich auf der Bühne einem Zauberwesen, dessen Aura man sich nicht entziehen konnte. Egal, ob er im Glitzeroverall, in Frauenkleidern oder als Dandy auftrat (siehe unten). Auch als Musiker befand sich Prince ständig in Verwandlung, ja der Wechsel war sein Markenzeichen. Die Sprunghaftigkeit war seine Stärke und gleichzeitig seine grösste Schwäche. Er jonglierte unverfroren mit den Musikstilen, kombinierte Pop mit Funk, Jazz, Soul und Blues.

Sänger Prince - Purple Rain

Sänger Prince - Purple Rain

Doch das war nicht von Anfang an so. In Amerika fand Prince zwar bereits mit den ersten Platten Beachtung, doch verglichen mit dem, was folgte, waren seine Anfänge nicht unbedingt revolutionär – musikalisch angelehnt an James Brown, Jimi Hendrix und auch an die Beatles. 1984 schliesslich wurde Prince mit dem Album «Purple Rain» und dem gleichnamigen Film international bekannt. Das Album hielt sich 24 Wochen ununterbrochen auf Platz 1 der US-Charts. Zudem gewann es zwei Grammy Awards. Für den Musikfilm «Purple Rain» bekam Prince ausserdem einen Oscar.

Mit diesem Album schien sich der Musiker endgültig freigesungen zu haben. Äusserlich spielte der 1,58 Meter kleine Mann, der als sehr schüchtern galt, fortan vermehrt mit seiner Androgynität, trug gerne mal Strapse, Tanga und Mantel. Prince, der unnahbare, geheimnisvolle, zeitweise arrogante Popstar war geboren.

Prince & the Revolution / Let's Go Crazy 1985

Prince & the Revolution / Let's Go Crazy 1985

1985 Live

Welthits blieben aus

Der Künstlername Prince bekam der Musiker von seinem Vater in die Wiege gelegt – als positives Omen. Denn John Lewis Nelson tingelte mit dem The Prince Rogers Trio erfolglos durch lokale Clubs und wünschte sich, dass der erste Sohn aus zweiter Ehe erreichen würde, wovon der Hobbypianist nur träumen durfte.

Prince - Kiss (Video)

Prince - Kiss (Video)

Music video by Prince performing "Kiss" (C) 1986 Warner Bros. Records

Als der Vater 1965 aus dem Haus der Patchwork-Familie auszog, liess er sein Klavier zurück. Der siebenjährige Prince brachte sich das Klavierspielen selber bei und schrieb bald seine ersten Songs. Später lernte er Gitarre, Schlagzeug und E-Bass – damit legte er den Grundstein für seine spätere Unabhängigkeit: Prince spielte die Instrumente für die meisten seiner Studioalben – es sind über dreissig – selbst ein. Mehr noch, er arrangierte und produzierte meist alles im Alleingang. Nebenbei schrieb er noch den Hit «Manic Monday» für die Frauenband The Bangles und verhalf Sinead O’Connor mit «Nothing Compares 2 U» zu Weltruhm.

Doch seine Sprunghaftigkeit und der Drang nach Selbständigkeit, die den siebenfachen Grammy-Gewinner in den Achtziger- und Neunzigerjahren kommerziell in die Liga von Madonna und Michael Jackson beförderten, führten ihn später zu wenig fruchtbaren Entscheidungen. Prince verkrachte sich mit Plattenfirmen, änderte mehrmals seinen Künstlernamen und veröffentlichte die letzten Alben nur noch online. Die Welthits blieben aus. Live blieb er einer der Grossen. Eine Europa-Tournee hätte ihn auch in die Schweiz geführt, aber Prince sagte sie wegen der Pariser Anschläge ab.

Purple Rain - Prince AVI

Purple Rain - Prince AVI

 

Seine Memoiren werden 2017 vielleicht trotzdem erscheinen. Aber sie werden unvollendet sein, wie auch Prince’ Karriere nicht abgeschlossen scheint. Gerne hätte man sich noch von einem revolutionären Alterswerk verzaubern lassen.