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Peter Gabriel in Genf: Nostalgie, Appetizer und die gleichen, alten Cowboys

Peter Gabriel gibt ein Konzert in der restlos ausverkauften Arena in Genf.

Peter Gabriel gibt ein Konzert in der restlos ausverkauften Arena in Genf.

In der ausverkauften Arena in Genf servierte Peter Gabriel den 8000 Zuschauern ein üppiges musikalisches Drei-Gang-Menü. Der Ex-Genesis-Sänger wirkt heute wie ein Anti-Star und schert sich beim einzigen Schweizer Konzert nicht um sein Äusseres.

Grund für Peter Gabriels "Back To Front-Tour" ist der 25. Geburtstag des epochalen Album "So" von 1986. Vor zwei Jahren trommelte der 62-jährige Ex-Genesis-Sänger deshalb seine alten Kumpels der fantastischen Originalband, Tony Levin (Bass), David Rhodes (Gitarre), David Sancious (Key) und dem Jazzdrummer Manu Katché, zusammen und ging mit ihnen auf Welttour. "The same bloody cowboys" wie Gabriel in Genf betonte. Am Dienstgabend ist die Tour in Genf, beim einzigen Schweizer Konzert, angekommen.

Die Vorspeise in der Genfer Arena war schlank und akustisch. Gabriel am Klavier, zurückhaltend begleitet von Tony Levin am Stehbass. Endlich wieder einmal ein neuer Song! Er sei noch nicht fertig, betonte Gabriel und präsentierte ihn in Genf im Rohzustand. Aber auch so entfaltete er seinen Reiz. Ein Appetizer für das Konzert, aber noch viel mehr für ein lang erwartete Album mit neuem Songmaterial.

Bei "Come Talk To Me" gesellte sich die Band mit akustischen Instrumenten dazu und Sancious am Akkordeon verlieh dem Song einen folkloristischen Touch. Auch "Shock The Monkey" wurde akustisch und bei voller Saalbeleuchtung interpretiert.

Plötzlich wurde das Licht aus- und die Scheinwerfer eingeschaltet: Der elektrische Hauptgang wurde mit "Diggin In The Dirt", "Solsbury Hills", einigen unbekannteren Songs und einem weiteren neuen Song, der herzzerreisend-traurigen Ballade "Why Don't You Show Yourself", angerichtet.

Gabriels Stimme hat sich im Laufe der Jahre erstaunlich gut gehalten. Vielleicht noch eine Spur belegter, ist sein leicht gepresster und flehender Gesang aber unverkennbar geblieben. Er, der bei Genesis auf extravagante, theatralische Effekte und Kleider setzte, wirkt heute, mit Glatze, Doppelkinn, weissem Stoppelbart und Bauch, wie ein Anti-Star. Wie einer, der sich zufällig auf die Bühne verirrt hat. Unspektakulär schwarz gekleidet, scherte er sich um Äusseres heute nicht mehr. Irgendwie sympathisch.

Dann das Dessert mit den neun Songs von "So". "Red Rain", dann der Funk-Hit "Sledgehammer" und das Duett "Don't Give Up". Song für Song wie wirs vom Album kennen bis zum Finale mit "In Your Eyes. Gabriel spielte alle Songs des Albums weitgehend originalgetreu und aus einem Guss. Nostalgiestimmung machte sich breit.

Wie schon seine Kollegen Sting in Montreux oder am kommenden Sonntag Fleetwood Mac setzte Gabriel am Konzert auf die Wiedererkennung. Gabriel ist also in bester Gesellschaft und die Fans, in Genf durchwegs im mittleren Alterssegment, freute es.

Umgekehrt hätte man gerade von Gabriel, diesem unruhigen, ewig suchenden Geist mehr als die blosse Reproduktion des alten Materials und den Rückgriff auf alte Zeiten erwartet. Umso mehr, als gewisse Keyboardsounds doch sehr in die Jahre gekommen sind und inzwischen recht verstaubt klingen. Ein Aktualisierung wäre also durchaus angebracht.

In der Zugabe kam Gabriel doch noch im hier und jetzt an. Im Song "Biko", konnte der Aktivist Gabriel seine politische Seite ausleben und erinnerte an die aktuelle Unterdrückung der Menschen in Syrien, Russland und China.

(Quelle: Youtube.com)

«Don't give up»: Peter Gabriel in Wien - mit gleichem Programm wie in Genf

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