Was können wir von der anstehenden Tour mit der Pepe-Lienhard-Big-Band erwarten?

Pepe Lienhard: Es ist ein komplett neues Programm. Wir bleiben aber unserem Stil mit populären Swing-Nummern treu. Es sind nicht alte Original-Arrangements, sondern aktuelle, neue Arrangements für Big Band. Ich habe verschiedene Arrangeure, die für mich schreiben. Dazu bin ich durch meine Kontakte nach Amerika zu attraktiven Arrangements gekommen. Darunter ist ein Glenn-Miller-Medley für unser vierstimmiges Gesangs-Quartett The Voices.

Aha.

Ja, dieses Gesangs-Quartett, das wir für unsere letzte Schweizer Tournee zusammengestellt haben, ist sehr gut angekommen. Überhaupt haben wir diesmal viele Sänger dabei. Neben «The Voices» die Solosänger Dorothea Lorene, Stevie Woods und Pino Gasparini. Aber auch die Instrumentalnummern für Big Band kommen nicht zu kurz.

Arrangieren Sie selber eigentlich nicht mehr?

Früher habe ich alles selber gemacht. So viel, dass es für ein ganzes Leben gereicht hat. Inzwischen bin ich aber so sehr mit anderem beschäftigt, dass ich das gerne Arrangeuren überlasse, die das genauso gut können wie ich. Aus meiner Band sind das zum Beispiel Ralf Hesse oder Gilbert Tinner. Ich schreibe schon noch, aber sehr selten. Vielleicht auch, weil ich zu selbstkritisch bin und einen zu hohen Massstab habe.

Wie müssen wir uns Ihre Arbeit als Big-Band-Leiter vorstellen?

Ich koordiniere alles, suche die Musiker aus, stelle das Programm zusammen, leite die Proben und mache die ganze Promo-Arbeit. Im Laufe der Jahre hat sich meine Arbeit weg vom Arrangeur und Komponisten zum Musik-Organisator verschoben. Darauf konzentriere ich mich. Ich bedaure das manchmal, ist aber heute unvermeidlich, wenn man eine solch grosse Band leitet. Die Verlagerung passierte aber wie von selbst. Es ist auch Selbsterkenntnis. Mein spezielles Talent ist es, Musiker auszusuchen, Bands zusammenzustellen und zu leiten. So kommt diesmal zum Beispiel George Robert, einer der besten Schweizer Saxofonisten, mit auf die Tour.

Oh, George Robert war doch schwer krank?

Ja, George Robert hatte Leukämie. Es ging ihm wirklich sehr schlecht. Er ist aber inzwischen wieder genesen, ist seit ein paar Monaten wieder am Saxofon-Üben und spielt wieder wie einst im Mai. Er freut sich riesig auf die Tour.

Zur Tour haben Sie auch das Album «It’s Swing Time» veröffentlicht. Welchen Stellenwert haben für Sie die Alben?

Die Welt wartet nicht auf ein Big-Band-Album von Pepe Lienhard. Aber es ist ein wichtiger Teil der Promotion für die Tour. In den Läden werden ja kaum noch CDs verkauft. Aber an den Konzerten ist ein neues Album gefragt. Als Erinnerungsstück an ein gutes Konzert.

(Quelle: YouTube/JulianMartin)

Pepe Lienhard Big Band Tour 2011 feat. The Voices

Verdienen Sie damit Geld?

Ein Album nehmen wir in zwei Tagen auf und kostet mindestens 40000 Franken. Mit dem Verkauf in den Läden würden wir das nie wieder reinholen. Aber unser Sponsor Raiffeisen kauft uns einen Teil der Alben ab. So, dass wir unter dem Strich nicht drauflegen. Aber ein riesiges Geschäft ist es auf keinen Fall.

Hazy Osterwald ist gestorben, jetzt Paul Kuhn. Das waren Ihre Vorbilder und sie haben das Genre des populären Swings geprägt. Sind die Swing-Big-Bands wie Sie sie leiten vom Aussterben bedroht?

Es gibt sie schon noch. Das Swiss Jazz Orchestra geht in diese Richtung oder die Big Band von Dani Felber. Aber für neue Big Bands ist es schon sehr schwierig geworden, sich zu etablieren. Leute wie Paul Kuhn sind in der Zeit der Fernseh-Orchester berühmt geworden. Auch ich habe in der Sendung «Musik & Gäste» noch davon profitiert. Doch diese Zeit ist längst vorbei. Dieses Genre ist zwar immer noch beliebt, aber neue Bands haben keine mehr Plattform, um sich zu präsentieren. Dazu kommen die hohen Kosten.

Also ein Auslaufmodell?

Die Big-Band-Musik wird immer wieder und das seit Jahrzehnten totgeredet. Doch es geht immer irgendwie weiter. Swing und Big Bands wird es immer geben.

Weiter geht auch Ihre Zusammenarbeit mit Udo Jürgens. Was ist geplant?

Udo steckt mitten in den Aufnahmen zu einem neuen Album und hat schon einen grossen Teil davon eingespielt. Es folgen noch die Bläseraufnahmen in Berlin und im Herbst 2014 gehen wir auf grosse Jubiläumstour. Udo wird am 30. September 80 Jahre alt. Geplant ist auch eine grosse ZDF-Geburtstagsshow.

Sie leben seit kurzem mit Ihrer Frau Christine (43) in einem alten Bauernhaus in Frauenfeld. Wieso sind Sie von Zürich weggezogen?

Ich lebte sechzehn Jahre lang in Mettmenstetten im Säuliamt mit meiner Familie und vielen Tieren. Nach meiner Scheidung zog ich nach Zürich und es hat für alle gestimmt. Alles war viel einfacher. Ich lernte meine jetzige Frau kennen und sie zog zu uns in die Wohnung. Nach sieben Jahren hatten wir aber das Gefühl, etwas Eigenes für uns suchen zu wollen. Wir schauten uns Objekte im Zürcher Oberland, im Weinland und auf dem Mutschellen an, aber uns, das heisst vor allem mir, hat nichts so richtig gepasst.

Aber wieso Frauenfeld?

Das konnte ich mir zuerst auch nicht vorstellen. Und unsere Freunde haben auch alle den Kopf geschüttelt. Doch, als wir das Haus sahen, wussten wir sofort: Das ist es! Das Bauernhaus wurde liebevoll restauriert und bietet mit einem grossen Garten, vielen Bäumen und einem Pavillon einfach Lebensqualität. Wir haben es noch keine Minute bereut.