Mit den Schlagerhits «Der Mann am Klavier» (1954) sowie «Es gibt kein Bier auf Hawaii» (1963) wurde Paul Kuhn berühmt. Die grösste Popularität erreichte er in den 70er-Jahren, als er in den grossen Samstagabend-Unterhaltungsshows die Orchester leitete und in Sketches auch komödiantisches Talent bewies.

«Er war aber vielmehr als das», betont Pepe Lienhard, «Paul Kuhn war zuerst ein fantastischer Pianist und anerkannter Jazzmusiker. Als Big-Band-Leader orientierte er sich an Count Basie, war ein blendender Arrangeur und hatte nur die besten Musiker in seiner Band».

Vom Jazz infiziert wurde Kuhn schon während der Zeit der Nationalsozialisten. «Jazz hörten wir nur heimlich», erzählte Kuhn dieser Zeitung vor zwei Jahren, bei einem Freund, lauschten wir mit einer Bettdecke über dem Kopf gebannt der BBC oder dem Soldatensender AFN, wenn Glenn-Miller-Konzerte für die geknechtete deutsche Jugend gab».

Bester Jazzpianist Deutschlands

Nach dem Krieg war Kuhn bei diesem Soldatensender angestellt, übertrug die neusten Jazzsachen aus den USA auf Noten und spielte sie darauf mit seiner Band. Kuhn trug damit wesentlich zur Verbreitung des Jazz in Deutschland bei. «Wir waren die Könige», sagte er. 1953 wurde Kuhn denn auch als bester deutscher Jazzpianist ausgezeichnet. Seine amerikanischen Vorbilder waren George Shearing, Art Tatum und Hank Jones.

Ähnlich wie Hazy Osterwald wandte sich Paul Kuhn ab den 1950er Jahren aus kommerziellen Gründen auch der Unterhaltungsmusik und dem deutschen Schlager zu. «Einige Kollegen nahm es mir übel, doch ich bin der Meinung, dass es mehr auf das Wie als das Was ankommt».

Für Pepe Lienhard wurde Kuhn gerade deshalb zu einem Vorbild und Idol. «Diese Einstellung hat Paul und mich immer verbunden. Er kannte keine stilistischen Berührungsängste, für ihn zählte wie für mich nur die Qualität».

1980 war ein schweres Jahr für Kuhn. Die Bigband des Senders Freies Berlin (SFS), die er seit 1968 geleitet hatte, wurde aufgelöst. Er gründete zwar sein eigenes Orchester und begleitete danach unter anderen Peter Alexander auf Tour. Aber die Zeit der grossen Unterhaltungsorchester war vorbei und Big Bands im Fernsehen nicht mehr gefragt.

Paul Kuhn wurde Schweizer

Die Auflösung der SFB Big Band führte Paul Kuhn in die Schweiz. «Ich wollte wieder mal richtig Ferien machen», erzählte er, «da die Flüge in die Karibik alle ausgebucht waren, schlug die Reisebüroangestellte die Lenzerheide vor. Dort gefiel es mir so gut, dass ich gleich eine Ferienwohnung kaufte». 1991 wurde die Lenzerheide zu seinem Hauptwohnsitz und er wurde vor einigen Jahren sogar Schweizer Bürger.

Ab Mitte der 1990er Jahre wandte sich Kuhn wieder dem Jazz zu und spielte vor allem mit seinem Trio. 2008 erheilte er die Ehrenurkunde der Deutschen Schallplattenkritik und 2010 den ECHO Jazz für sein Lebenswerk. In Frühling dieses Jahres war er mit seinem Geburtstagsalbum «The L. A. Session» sogar noch einmal in der deutschen Hitparade platziert. Einem reinen Jazzalbum notabene.

Bis zuletzt stand Paul Kuhn auf der Bühne. Fast blind, musste er auf die Bühne geführt werden. Anfang September verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er musste Konzerte absagen, wurde ins Spital eingeliefert und verstarb.

Pepe Lienhard trauert um einen fantastischen Musiker und Freund. «Paul Kuhn blieb auch im grössten Erfolg immer ein netter, bescheidener Kollege und lieber Mensch».