Eine Ungeheuerlichkeit war das. Eine prächtige noch dazu. Als die Parkuhren der Zürcher Konzertbesucher schon im roten Bereich liefen, fingen die Gäste aus Kanada nochmals an, boten als Zugabe den «Boléro» von Maurice Ravel. Nach dem Rausch noch den Orgasmus. Wie Kent Nagano sein Orchester aus Montreal frei von jeder Geschmacklosigkeit zum Finale führte, war faszinierend.

Der in Bern, Genf und Zürich gespielte Abend der Migros Classics begann weihevoll mit Wagners «Parsifal»-Vorspiel. Nagano zeigte die Klangschichten so klar, dass jede einzeln duftete. In Franz Liszts 2. Klavierkonzert nutzte Marc-André Hamelin seine Überlegenheit, um im Virtuosen nach Schönheiten zu suchen. In Berlioz’ Symphonie fantastique liegt dieses Schöne offen vor den Ohren. Nagano verband es zu einer Geschichte mitsamt sarkastischem Finale. Dieses Spiel war nicht voller Raffinesse, aber voller Ehrlichkeit.

Ein Sucher ist auch der Schweizer Komponist David Philip Hefti (*1975): Er stellte sich der reizvollen Aufgabe, den Ton Wagners aufzunehmen und Liszt wie Berlioz in ein kurzes Adagio einzubauen. Ein schönes Werk, dessen grosse Stärke es ist, halb so konstruiert zu klingen, wie es wohl ist.