Tower Of Power
Nach 50 Jahren ist diese Band noch immer on top

Die kalifornische Band Tower of Power begeisterte mit ihrem Gastspiel im Prattler Z7. Kaum zu glauben, dass man vor einem Jahr um die Zukunft dieser Kultformation bangen musste.

Marc Krebs
Drucken
Grossformation

Grossformation

bz

Sie sind eine Maschine, die läuft und läuft und läuft: Tower of Power, die grosse und grossartige Soul-Funk-Formation aus Oakland. Am Sonntag gastierten die Kalifornier in Pratteln für ihr einziges Konzert in der Deutschschweiz in diesem Jubiläumsjahr.

Und was für ein Jubiläum sie feiern können: 50 Jahre ist es her, seit der Tenorsaxofonist Emilio Castillo, damals ein Teenager, in der Garage seines Vaters die Band The Motowns ins Leben rief. Dem Publikum in der gut gefüllten Konzertfabrik Z7 verriet Castillo, wie ihm damals ein anderer Musiker sagte: «Deine Band ist nicht schlecht, aber es fehlt ihr was im Bassbereich.» Und genau diesen Boden könne er liefern.

So empfahl sich Baritonsaxofonist Stephen «Doc» Kupka gleich selber, schrieb mit Castillo fortan den Grossteil der Songs und mit diesen Geschichte.

Vor einem Gig vom Zug erfasst

Diese Geschichte allerdings, so musste man vor einem Jahr befürchten, gehe abrupt zu Ende. Denn im Januar 2017 machte die unglaubliche Kunde die Runde, dass die Rhythm Section der Band, Schlagzeuger David Garibaldi und Aushilfs-Bassist Marc van Wageningen, beim Überqueren von Gleisen von einem Zug erfasst worden sei, unmittelbar vor einem Konzert. Beide waren in kritischem Zustand, mussten hospitalisiert werden. Schlagzeugerin Sheila E. rief eine Spendenaktion ins Leben, die Solidarität war gross. Und das Glück ebenfalls.

Garibaldi kam mit gebrochenen Knochen davon, Bassist van Wageningen landete auf der Intensivstation und musste operiert werden. Da mutet es wie ein Wunder an, dass Tower of Power 2018 mit diesen beiden Musikern auf Tour sind.

Entsprechend gross war der Jubel, der dem Duo in der hintersten Reihe entgegenschlug. «Sie sind wieder da. Und sie schlagen zurück!», sagte Bandleader Castillo. Anerkennend fügte er hinzu, dass er in Interviews zwar immer auf die Bläser von Tower of Power angesprochen werde, aber in Tat und Wahrheit doch die Rhythmussektion diese zehnköpfige Band trage. Tatsächlich hat David Garibaldi den stilbildenden Sound stark mitgeprägt: Seine unverkennbaren polyrhythmischen Funk-Grooves sind längst Schulmaterial. Zusammen mit Ur-Bassist Rocco Prestia führte er vor, wie Funk nach James Browns Initialzündung weiterentwickelt werden konnte.

Prestia ist gesundheitlich angeschlagen, reiste daher nicht nach Europa. Marc van Wageningen ersetzte ihn wie schon zuletzt und beeindruckte ebenso durch sein makelloses Spiel: Dass die beiden vor einem Jahr schwer verunfallt waren, merkte man ihnen in keiner Weise an, die treibenden Bassläufe sassen punktgenau, ebenso die Drum Beats und die Kicks der Horn Section. Die Bläserarrangements, ja, auch sie waren so messerscharf, wie man es sich erhofft hatte.

Überhaupt war es eine begeisternde Revue, auch wenn der Werbeblock in eigener Sache ein wenig lange ausfiel. Von Ermüdungserscheinungen aber fast keine Spur, obschon der Kern der Band längst im Rentenalter angekommen ist. Doc Kupka, 72, verzichtete allerdings im Unterschied zu früher auf seine kuriose Solo-Tanzeinlage.

Eindrücklich aber die Tenorsax-Soli von Tom Politzer, souverän und abgeklärt die Zeitreise durchs Repertoire, von der schwelgerischen Soul-Ballade «You’re Still A Young Man» über «What is hip?» bis zur Hommage «Digging on James Brown». Ja, «ToP» präsentierten gar neues Material, das im Juni erscheinen wird. Zur Frische trug auch der neue Leadsänger bei: Marcus Scott aus Memphis unterhielt mit seiner hohen Soulstimme sowie mitreissenden Tanzeinlagen, einen Moonwalk inklusive.

Aktuelle Nachrichten