Muri Competition

Muri bläst zum WEF der Oboe und des Fagotts

Renato Bizzotto trommelt ab 12. April die Holzbläser-Elite für acht Tage nach Muri.Annika BÜtschI

Renato Bizzotto trommelt ab 12. April die Holzbläser-Elite für acht Tage nach Muri.Annika BÜtschI

Der Oboist Renato Bizzotto stellt den «Muri Competition» auf die Beine – eine riesige Chance für Muri: Die Oboen- und Fagottelite wird vort Ort sein. Ein reiches Rahmenprogramm wird für Unterhaltung für alle bieten.

Renato Bizzotto hat nicht bloss einen Traum, sondern eine Mission. Dem Aargauer Oboisten kam es gerade recht, dass sich Muri als kulturelle Marke im Aargau beweisen muss: Dem 2010 erhaltenen Stempel «Leuchtturm» will man gerecht werden, die «nationale Ausstrahlung» vorantreiben.

Und so war es dann halb «Muri Kultur» und halb Bizzotto selbst, die aus einer Idee ein riesiges Projekt werden liessen, das geradezu eine internationalE Ausstrahlung haben wird. Dass Bizzotto, der in Muri die Konzertreihe im Festsaal leitet, die Leute bewegen kann, hat er schon mehrmals bewiesen.

Doch bis anhin zog er mit seinen Leuten in die Welt (oder zumindest nach Luzern), jetzt holt er die Welt nach Muri – zumindest die Oboen- und Fagottwelt. Aber eben nicht nur.

Eine Top-Jury wird 84 Kandidaten beurteilen, die sich während einer Woche in Muri im öffentlichen Bläserwettkampf messen. Doch das ist längst nicht alles. Bizzottos Rahmenprogramm samt Fachausstellung und Swiss-Folklore-Obig würden andere gar ein Festival nennen.

Alle vier Jahre will er fortan Muri zum WEF für die Oboe und das Fagott blasen. Jazz, Rock-’n’-Roll-Abend, Folklore und Klassik, alles soll es geben. «Das gibts nirgends sonst: Das gibt die Möglichkeit zu tollen Netzwerken, neuen Freundschaften.»

Handeln aus und gegen Erfahrung

Bizzotto handelt aus Erfahrung – aber auch gegen die Erfahrung. Er selbst vermisste an Wettbewerben das Persönliche. «Entweder hiess es Tschüss oder man war der Chef.» Wer einwirft, dass aus einem hart umkämpften Wettbewerb doch kein netter Sozialanlass werden kann, dem widerspricht Bizzotto.

Seine Vision von einer ländlichen, persönlichen Atmosphäre ist zu stark. Deswegen ist für ihn Muri der ideale Austragungsort. «Das Dorf mit dem Kloster gibt eine unvergleichliche Ambiance, alles ist rund ums Kloster mit seinen vielen Räumen nahe beieinander.»

Bizzotto kann in Muri auf ein Netzwerk von vielen freiwilligen Helfern rechnen. Das geht bis zur Kindergartenfreundschaft Martin Leu, der nun die Gesamtleitung der Organisation innehat. Im Patronat sitzt unter anderen Doris Leuthard – auch sie ging mit Bizzotto zur Schule.

Ein lokales Gefüge, das ineinandergreift. Es sorgt nebenbei auch für Geld: Rund 300'000 Franken sind nötig für den Anlass. Bizzotto hat die Summe zusammen. Jugendförderung auf höchstem Niveau, das zieht. Hinzu kamen die grossen Namen der Experten.

Und dann noch jener des wohl weltweit berühmtesten Schweizer Musikers: Heinz Holliger. Er sitzt zwar nicht in der Jury, dennoch gibt es einen «Heinz-Holliger-Preis» zu gewinnen, mit dem der beste Holliger-Interpret ausgezeichnet wird. Eine tolle Idee, komponierte der Langenthaler Weltstar doch sowohl Fagott- als auch Oboenmusik, die nun für die Wettbewerbsteilnehmer zur Knacknuss wird.

Trotz des kleinen Hotelangebots werden die Leute am Ende doch nicht in Zug oder Lenzburg wohnen. Die 84 Musiker werden fast alle privat unterkommen, die Experten im Hotel «Ochsen». Das Hotel wird das Festivalzentrum, Bizzotto lässt dort eine Oboenlounge entstehen, wo sich Krethi und Plethi allabendlich zur Party treffen soll.

Und damit die Veranstaltung nicht zu einer intellektuellen Vorstellung wird, die niemanden im Aargauer Dorf interessiert, hat Bizzotto vorgesorgt. «Ich hole die geistige Oboe runter ins Dorf.»

Beim Swiss-Folklore- Obig am Donnerstag werden nicht nur die ausgeschiedenen Studenten mittun, sondern unter anderem der Männerchor Beinwil Freiamt, die Fränngi Huusmusig und der Jodlerclub Seetal. In einem Zelt werden Älplermagronen serviert, die Schweiz zeigt sich der Welt.

«Ich weiss, wie so etwas in Muri geht: Da kommen alle, auch die Jungen. In vier Jahren werden sich alle daran erinnern.»

Offen fürs breite Publikum

Natürlich kann auch das Publikum Oboe und Fagott hören – und zwar von Beginn weg, sind doch bereits die ersten zwei Runden im Dachtheater Muri öffentlich, 120 Hörer finden dort Platz. Ab dem Halbfinale wird Eintritt verlangt, dann finden die kommentierten Konzerte aber auch im Festsaal statt.

Richtigerweise gibt es nicht nur stolze Preise zu gewinnen (10'000 für den Sieger), sondern auch Auftrittsmöglichkeiten. Ein Sieger wird unter anderem mit dem Kammerorchester Basel und Renaud Capucon auftreten, ein anderer mit Albrecht Mayer.

Vielleicht gar ein Schweizer? Bloss zwei haben es unter die 84 Teilnehmer geschafft. Die Russen sind mehr als doppelt vertreten . . . «Gute Studenten sind zu wenig gut für den Wettbewerb, hierher kommen nur die besten. Wir haben die Teilnehmer aus 245 Aufnahmen anonym ausgewählt.»

Muri wird tatsächlich die Möglichkeit haben, zu zeigen, dass man gut ist.

The Muri Competition: 12. bis 21. April, Muri. Die Ausscheidungen sind frei zugänglich, ebenso das reiche Rahmenprogramm. Für das Halbfinale (Freitag) und Finale (Sonntag) braucht man Karten. www.themuricompetition.ch

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