Das Monterey Festival vor 50 Jahren begann mit einer Enttäuschung: Die Rolling Stones durften nicht auftreten (kein Visum wegen Drogendelikten), die Beach Boys und die Beatles konnten nicht. Sie fühlten sich nicht in der Lage, ihre aktuelle Musik auf die Bühne zu bringen. So blieb von den geplanten Hauptacts nur der zarte Folk-Pop von Simon & Garfunkel übrig. Trotz der Abwesenheit der damals prägenden Bands wurde Monterey zum wohl wegweisendsten Festival der Musikgeschichte. Es markierte nicht nur den Startschuss zum Siegeszug der Hippiekultur, sondern bedeutete den Durchbruch für viele Bands und Musiker, die die Popmusik verändern sollten.

Zum Beispiel Janis Joplin: Noch nie zuvor hat eine weisse Frau mit einer solchen Emotionalität und Intensität gesungen. Big Mama Thorntons «Ball And Chain» stellte sie auf den Kopf und zerlegte den Song in seine Einzelteile. Die Musik wurde experimenteller, aber auch radikaler: Die in den USA noch unbekannten The Who verstörten die sanftmütigen Hippies, als sie am Schluss von «My Generation» ihre Instrumente zerlegten. Nicht minder geschockt war das Publikum, als der neue Gitarrengott Jimi Hendrix nach den Rückkopplungssalven in «Wild Thing» sein Instrument zertrümmerte und anzündete.

Beispielhaft für die musikalischen Veränderungen war der Auftritt der neu formierten Animals von Eric Burdon. Bekannt geworden durch den Folk-Song «House Of The Rising Sun» konvertierte Burdon zum Hippie, erweiterte seinen Blues-Rock, integrierte in seine Version des Stones-Songs «Paint It Black» psychedelische Sounds und Instrumente wie die indische Sitar und die elektrische Violine.

Pop wurde anspruchsvoller und vielfältiger: Da passte auch Trompeter Hugh Masekela, der südafrikanischen Pop mit Jazz und Funk kombinierte. Pop wurde Weltmusik. Höhepunkt in Monterey war der Auftritt des indischen Sitar-Virtuosen Ravi Shankar, der die Hippies mit seinen Ragas in Ekstase versetzte.

Schwach vertreten war die Soulsparte. Der Grund: Motown wollte mit den drogenkonsumierenden Hippies nichts zu tun haben. Der einzige Soulsänger in Monterey war Otis Redding. Im obligaten Anzug wirkte er wie ein Fremdkörper, doch er eroberte mit seiner Version des Stones-Hits «Satisfaction» die Herzen der Hippies und wurde zum gefeierten Star.