Mit Übersicht und Feingefühl

Die Band Paykuna des Aarauer Pianisten Demian Coca spielt Jazz mit Elementen der bolivianischen Musik. Und macht Halt in Aarau.

Chris Sommer
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Komponist mit Feingefühl: Demian Coca.

Komponist mit Feingefühl: Demian Coca.

Bild: pd

Leicht kann der Eindruck entstehen, dass Jazz eine chaotische Musik sei. Von aussen nicht einsehbar sind, aber die steten Strukturen, die oftmals das Fundament für die Improvisation liefern. So ist es denn auch nicht überraschend, wenn der Aarauer Komponist und Pianist Demian Coca, der sowohl die Traditionen des Jazz wie auch die der bolivianischen Musik kennt, sagt: «Klare musikalische Formen und Strukturen habe ich vom Jazz gelernt.» Mit seinem Septett Paykuna, die modernen Jazz mit Elementen der Andinen Musik spielt, tourt er gerade durch die Schweiz, Österreich und die Slowakei.

Genau daran erinnern, wann er das erste Mal ein Instrument in der Hand gehalten hat, kann sich Coca selbst nicht, so jung muss er gewesen sein. Angefangen hat alles mit Instrumenten aus dem Andengebiet wie der Bambusflöte Siku, mit der er zur Musik seines Vaters, der aus Bolivien stammt, improvisiert hat. Zum Klavier kam er erst als Teenager, bei dem ihn von Anfang an «die vielen Möglichkeiten und die Übersicht der Klaviatur begeistert» haben. Übersicht behält Coca auch in seinem Schaffen als Komponist.

Nebst Jazzklavier hat er an der Hochschule Luzern Komposition studiert. Wie intensiv sich Coca mit dem Jazz und der bolivianischen Musik beschäftigt hat, merkt man, wenn er über seine eigene Musik spricht und den triolischen Swing des Jazz mit den quintolischen Unterteilungen der indigenen Musik Boliviens vergleicht. Dass die Elemente der Musik aus den Anden jedoch immer nur sehr subtil und nie plakativ im Modern Jazz seines Septetts aufleuchten, zeigt wie viel Feingefühl Coca als Komponist besitzt.

Gemeinsame Suche nach geeigneten Bühnen

Mit musikalischen Einflüssen aus der brasilianischen und der türkischen Musik verfolgt das österreichische Sextett SEPP ein ganz ähnliches Konzept wie Paykuna. Dass die beiden Bands nun gemeinsam touren, hat noch einen Grund: Für grössere Jazzformationen wie Paykuna und SEPP ist es nicht leicht, Bühnen zu finden. Coca, der auch Präsident des Jazzclubs ­Aarau ist, und die Leidensgenossen aus dem Nachbarland haben sich im Zuge ihrer Tourplanung zusammengeschlossen, ihre Netzwerke bemüht und eine Reihe gemeinsamer Konzerte eingefädelt. Am 23.Februar spielen die beiden Formationen nun in der Aarauer Pianolounge.

«Begriffe wie Fusion oder Mischung möchte ich vermeiden», sagt Demian Coca, wenn er über seine Kompositionen spricht. So kommen die Elemente der prähispanischen Musik Boliviens im jungen Jazz von Paykuna auch tatsächlich nur als kleine und subtile Bausteine vor. Die klaren Arrangements und das Feingefühl der sieben Instrumentalisten zeigen, wie Jazz klingt, der von lateinamerikanischer Musik beeinflusst, aber nie kitschig, sondern immer raffiniert ist.

Paykuna und SEPP Live: 20.2. Haberhaus, Schaffhausen, 22.2. Dimensione, Winterthur und 23.2. Pianolounge, Aarau

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