US-Wahlkampf
Mit diesen Songs gehen Trump und Co. auf Stimmenfang

Beethoven, Michael Jackson und Beyoncé – mit diesen Musikern kämpfen Hillary Clinton und Co. um Stimmen. Wir haben den Musikgeschmack der Vorwahlgewinner von New Hampshire untersucht.

Flavia Bonanomi
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Donald Trump stellt sich sein Wahlkampfsongs selbst zusammen.

Donald Trump stellt sich sein Wahlkampfsongs selbst zusammen.

Keystone

Hillary Clinton, die ehemalige First Lady, weiss um die Wichtigkeit lateinamerikanischer Stimmbürger in ihrem Wahlkampf. Um ihre grösste Wählergruppe anzusprechen, beauftragte Clinton eine PR-Firma, die ihr für nicht weniger als 90 000 Dollar eine Liste mit Wahlsongs zusammenstellte. Das Resultat ist eine äusserst politisch korrekte Sammlung, die viele Latin-Pop-Songs wie «Let’s get loud» (Jennifer Lopez) oder «Vivir mi Vida» (Marc Anthony) enthält. Die Demokratin betont immer wieder, dass sie mit den Rolling Stones, The Who, The Doors und den Beatles aufgewachsen ist, weshalb auch kämpferische Rock-Songs auf der Liste ihrer Wahlkampfsongs nicht fehlen. Hillary Clinton ist ausserdem für viele weibliche Musiker des Lobs voll und outet sich als Fan von Loretta Lynn, Selena Gomez, Lady Gaga und Lana del Rey. Ihr grösstes Vorbild ist aber Beyoncé. «Ich will als Präsidentin so gut sein wie Beyoncé es als Musikerin ist», wird die Anwärterin auf den Präsidentschaftssitz vom «Rolling Stone Magazine» zitiert.

Donald Trump, der Sieger der Vorwahlen in New Hampshire stellte die Liste seiner Wahlkampfsongs selbst zusammen. Er entschied sich zum Beispiel für die Rolling Stones mit «Brown Sugar» und «We’re not gonna take it» von den Twisted Sisters. Das Auffälligste an den Wahlkampf-Songs des Republikaners ist aber, wie viele Musiker sich gegen die Verwendung ihrer Songs wehrten: In den letzten Tagen sorgte die Verwendung von Adeles «Skyfall» und «Rolling in the Deep» während Trumps Auftritten in Iowa für Furore. Adele liess daraufhin bekannt geben, dass sie nie um Erlaubnis für die Verwendung ihrer Songs gebeten wurde. Ebenso bat Aerosmith’s Steven Tyler Trump offenbar, «Dream On» nicht weiter zu verwenden. Auch Neil Young forderte den Multimilliardär und Immobilien-Mogul, der sich mehrmals als grosser Fan Youngs bezeichnete, auf, den Song «Rockin in the Free World» nicht für seine Kampagne zu brauchen; später liess der Musiker sogar verlauten, dass er ein überzeugter Unterstützer des Kandidaten Bernie Sanders sei.

Bernie Sanders, selbst ernannter Sozialist, ist nicht nur ein erklärter Fan von Musikern aus allen möglichen Sparten, er machte in der Vergangenheit auch als Tänzer und Sänger auf sich aufmerksam: So tanzte er (ansatzweise) in einer TV-Show zu The Trammps’ «Disco Inferno» und nahm 1987 eine eigene Musik-Kassette mit dem Titel «We Shall Overcome» auf, die unter anderem «This Land is Your Land» und «Where have all the Flowers gone?» enthält. Die Kassette soll so schrecklich sein, dass gemeinhin davon abgeraten wird, sie sich anzuhören. Den Produzenten Todd Lockwood überraschte vor allem das fehlende Rhythmus-Gefühl des Demokraten: «In seinen Reden beweist er ein gutes Gefühl für Rhythmus.» Für seine Kampagne setzte Sanders unter anderem auf «America» von Simon & Garfunkel. In Iowa stand der 74-Jährige ausserdem mit der Band Vampire Weekend auf der Bühne, um ein weiteres Mal «This Land is Your Land» vorzutragen (in dem Staat gewann Hillary Clinton).

John Kasich wuchs mit AC/DC auf und verwendete offenbar deren Song «Thunderstruck» bei einer Wahlkampfveranstaltung. Auch Pink Floyd gehören zu seinen Favoriten; sie würde er gar engagieren, um bei seiner Inaugurations-Feier aufzutreten. Ausserdem zählt er das Konzert von Roger Waters’ «The Wall»-Tour zu seinen eindrücklichsten Live-Erlebnissen. Ein Konzert, das ihm eher negativ im Gedächtnis geblieben sein dürfte, ist eines von The Grateful Dead 1991: Kasich versuchte, mit dem Backstage-Pass der Vorgruppe auch die Band um den damaligen Sänger Johnny García kennen zu lernen. Als man ihn nicht hineinliess, soll es zu einem lautstarken Tumult gekommen sein. Der Republikaner behauptet, er habe lediglich «laut gesprochen», weil die Musik rundherum schliesslich so laut gewesen sei. Kasich äussert sich ab und zu zum Geschehen in der Branche.

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