Die Rockmusik hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Seit Jahren befindet sie sich in einem Kreativitätsloch. Nichtsdestotrotz ist im Programm des Jazzfestivals Montreux die Rockfraktion besonders stark vertreten. 8 von 16 Abende im Auditorium Stravinski stehen im Zeichen des Rock. Mehr noch: Am Genfersee werden historische Momente aus den Gründerjahren des Rock gefeiert und wiederbelebt.

Am 11. 7. gibt es ein Wiedersehen mit Steve Winwood, der in jenen bewegten Jahren mit der Spencer Davis Group und den Supergroups Traffic und Blind Faith (mit Eric Clapton und Ginger Baker) wesentlich zur Entwicklung des Rock beigetragen hat. In Montreux teilt er die Bühne mit Van Morrison, der ebenfalls vor 50 Jahren seine grosse Karriere startete und sein Kultalbum «Astral Weeks» veröffentlichte.

Nicht fehlen dürfen in Montreux natürlich Deep Purple (4. Juli), die vor 50 Jahren dem Hard Rock auf die Beine halfen. Die Briten sind drauf und dran, zur Hausband des Festivals zu werden. Interessant ist die Konstellation mit The Temperance Movement. Einer Band, die das Zeug hat, in die Fussstapfen der Hard-Rock-Pioniere zu treten.

Ebenfalls vor 50 Jahren startete Iggy Pop mit den Stooges seine Karriere (5. Juli). Wichtige Stationen der Rockgeschichte repräsentieren auch John Cale (29. Juni im Club), Gründungsmitglied von Velvet Underground, die Grunge-Rocker Alice In Chains (am 7. Juli im Lab), die Stoner-Rocker Queens of the Stone Age (8. Juli), die Industrial-Pioniere von Nine Inch Nails (9. Juli) zusammen mit Gary Numan. Diese Kombination ist deshalb spannend, weil Mastermind Trent Razner den Synthie-Popper Numan als wichtige Inspiration bezeichnet. Freuen darf man sich dazu auch auf den dichten Rocker Nick Cave mit seinen Bad Seeds (12. Juli) sowie den Retro-Blues-Rocker Jack White.

Historischen Gehalt und Glam-Faktor verspricht der 5. Juli, wo neben Billy Idol die Band Hollywood Vampires auftritt. Es handelt sich dabei um eine Supergroup, die 2015 von Alice Cooper, dem Aerosmith-Gitarristen Joe Perry und Schauspieler Johnny Depp gegründet wurde, um jenen Rockstars zu gedenken, die Opfer der exzessiven Jahre Ende der 60er- und der frühen 70er-Jahre wurden.

Geschichtsbefrachtet ist weiter der Brasilabend mit Gilberto Gil (7. Juli), denn vor 50 Jahren ist der Tropicalismo-Rebell für seine politische Überzeugung im Kampf gegen die Militärdiktatur ins Gefängnis gegangen.

Aus Schweizer Sicht haben es Philipp Fankhauser, Zeal & Ardour und Jaël, begleitet vom litauischen Klaipédos Kamerinis Orkestras, ins Programm geschafft.