Für viele konservative Amerikaner ist Henry Juszkiewicz ein Volksheld: Der Geschäftsführer des legendären US-Gitarrenbauers Gibson hat dem Justizministerium fast drei Jahre lang die Stirn geboten. Obwohl die Ermittler aus Washington ihm das Leben schwer machten, wetterte der knorrige Musikliebhaber öffentlich gegen die Allmacht der Bürokraten. Nun aber ist Juszkiewicz eingeknickt.

Am Montag gab das Justizministerium bekannt, dass Gibson in die Zahlung einer Busse von 300'000 Dollar eingewilligt habe. Hinzu kommt eine Spende von 50'000 Dollar an eine Naturschutzorganisation, die das 1890 gegründete Unternehmen leisten muss. Im Gegenzug verzichtet das Justizministerium darauf, Gibson anzuklagen.

Dreijähriger Kampf gegen Washingtoner Bürokratie

Der Kampf des Gitarrenbauers gegen die Washingtoner Bürokratie begann im Jahr 2009. Ohne Vorwarnung durchsuchten die Behörden die Gibson-Fabrik in Nashville. Dabei konfiszierten sie Holz aus Madagaskar. Im August 2011 folgte dann eine zweite Welle von Hausdurchsuchungen. Erneut beschlagnahmten bewaffnete Beamte mehrere Paletten Tropenholz. Der implizite Vorwurf lautete, dass Gibson Palisander und Ebenholz ohne Genehmigung importiert und die entsprechenden Lieferungen falsch deklariert habe.

Diesen Vorwurf wollte Konzernchef Juszkiewicz aber nicht auf sich sitzen lassen. Er wies darauf hin, dass Gibson geradezu vorbildlich mit Umweltschutzorganisationen zusammenarbeite, um den Schutz der Tropenwälder zu gewährleisten. Auch hätten Lieferanten und Behörden in Indien und Madagaskar versichert, dass die Transaktion legal sei.

Dem amerikanischen Gesetzgeber ist dies aber egal. Die USA verbieten den Import von exotischen Tieren und Pflanzen, wenn damit die Gesetze des Herkunftslandes verletzt werden – und die US-Behörden gehen selbst dann vor, wenn das Exportland beide Augen zudrückt. Allerdings war das Vorgehen des Justizministeriums nicht über alle Zweifel erhaben. Trotz aufwendiger Ermittlungen sah Washington nämlich monatelang von einer formellen Anklageerhebung gegen Gibson ab – und drohte Kunden des legendären Gitarrenbauers mit rechtlichen Schritten.

Wie ein Drogenhändler behandelt

Juszkiewicz behauptete deshalb, sein Unternehmen werde «wie ein Drogenhändler» schikaniert. Er machte dafür auch seine konservativen Überzeugungen verantwortlich. Gemäss dem Justizministerium hat Gibson nun eingestanden, dass er beim Import des Tropenholzes aus Madagaskar amerikanische Gesetze «verletzt haben könnte». Das beschlagnahmte Ebenholz wird deshalb von der Regierung konfisziert.

Hingegen erhält Gibson das Tropenholz indischer Provenienz zurück, das zur Herstellung des Griffbretts der legendären Gitarren verwendet wird. In einer länglichen Stellungnahme verteidigte Juszkiewicz den aussergerichtlichen Vergleich. Hätte es Gibson auf einen Prozess ankommen lassen, wären die Ausgaben für das Unternehmen in die Millionen von Dollars gestiegen, schrieb er. Im Übrigen gälte es nun, nach vorne zu schauen. «Der Fall ist abgeschlossen.»