Als Spickzettel für 1.-August-Feiern eignet sich das handschriftliche Online-Original von Alberich Zwyssig (1808-1854) freilich nur bedingt. Wer die Sütterlin-Schrift nicht beherrscht, benutzt als Erinnerungsstütze besser eine handelsübliche Landeshymne-App.

Entstanden ist der Schweizer Psalm 1841. Der Wettinger Zisterziensermönch Alberich Zwyssig passte damals einen Text des Zürchers Leonhard Widmer seinem eigenen, 1835 komponierten Messegesang "Diligam te Domine" an und nannte das Lied "Schweizerpsalm".

Das Lied wurde von Männerchören gern zu patriotischen Feiern gesungen. Vorstösse, es zur Landeshymne zu erklären, lehnte der Bundesrat immer wieder ab. Bei diplomatischen Anlässen wurde "Rufst du, mein Vaterland" gesungen nach der Melodie der britischen Nationalhymne "God Save the Queen", was oft für Verwirrung sorgte.

1961 wurde der Schweizer Psalm für vorläufig drei Jahre provisorisch als Landeshymne eingeführt. Nachdem kein valabler Gegenvorschlag einging, wurde "Trittst im Morgenrot daher" am 1. April 1981 die erste offizielle Schweizer Nationalhymne.

Verballhornung

Wegen der vier Strophenmotive "Morgenrot", "Abendglühn", "Nebelflor" und "wilder Sturm" wird der Schweizer Psalm auch scherzhaft "Helvetischer Wetterbericht" genannt.

Auch sonst musste der pathetisch-schwülstige Text viel Verballhornung erdulden, unter anderem in der Schülerversion "Trittst im Morgenrock daher, mit dem Nachttopf voll und schwer".