Noch bevor das Konzert von Fat Freddy’s Drop begonnen hat, ist bereits klar, dass es wunderschön wird. Denn egal wie die Musik klingt, der stimmungsvolle Ort ist auf dem Domplatz Arlesheim gegeben. Und auch wenn die Bühne in diesem Jahr nicht zum Dom ausgerichtet ist, bleibt die Atmosphäre einzigartig. Wer hier spielt, hat so oder so gewonnen.

Das wissen auch die «Freddies», als sie am Freitagabend punkt neun auf den gut besuchten Platz rufen: «It’s beautiful here!» Es ist der erste Halt auf der Europatournee der Neuseeländer, die seit Jahrzehnten den Status eines populären Geheimtipps haben. Das «seven-headed soul monster», wie sich die Band liebevoll nennt, kennt man kaum aus Medien und Charts, dafür sind die Lieder zu eklektisch. Es wird einem von Freunden ans Herz gelegt, man wird an ein Konzert geschleppt – und bleibt ihm ab sofort für immer treu. Die Alben sind das eine, wirklich grossartig ist das siebenköpfige Soulmonster aber auf der Bühne. Hier wird mit grosser Lust improvisiert, Technobeats über Funkmelodien gelegt, Dub über Hip Hop, Rap über Reggae.

Das ist auch in Arlesheim der Fall. Fat Freddy’s Drop scheint kein Jahr gealtert. Frontmann Joe «Hopepa» Lindsay hüpft wie ein übermütiger Superheld in silbernem Cape und futuristischem Pharaonenhut mit riesigem «H»-Aufdruck zwischen seinen Bandkollegen rum und schwingt seinen nicht mehr so jungen Hintern, als gäbe es kein Morgen. Dazwischen bläst er enthusiastisch in die Posaune, zückt die Mundharmonika oder legt mit dem Sänger Joe Dukie einen Freestyle hin.

Ein monströser Stilmix

Dukie ist der ruhigere der beiden, was er an Show zurückhält, macht er mit seiner Stimme wieder wett: Die Baselbieter Yogalehrerinnen in der zweiten Reihe schauen auf der Stelle verliebt, wenn er singt. Da sind sie nicht die einzigen: Das Konzert ist eine einzige grosse Love Bubble, sogar als sich Dukie gegen Ende hinter die Turntables stellt und 15 Minuten lang etwas anstellt, was die meisten Besucher wohl nicht erwartet hätten. Keine Bläser und Ska-Rhythmen, sondern wummernde Techno-Bässe. Mehr dunkler Club als happy Reggaetime.

Es sind die besten 15 Minuten des Konzerts. Was sich vorher wie ein heimelig-lustiges Wiedersehen unter Freunden angefühlt hat, steht nun wieder auf dem Boden der Tatsachen: Das hier ist eine famos professionelle Band, die über den Tellerrand der Genresuppe hinausblickt und sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt. Das Monster lebt!

Eine Band ohne Leader

Der Star des zweiten Abends in Arlesheim hingegen, der ist nicht mehr. 2016 kam Prince überraschend ums Leben: Er erlag – wie schon Michael Jackson – einer Überdosis Schmerzmittel.

Der brillante Musiker aus Minneapolis hinterlässt nicht nur traurige Fans und zahlreiche Pop- und R&B-Hymnen, sondern auch eine Band, die ihren Job verloren hat: Die New Power Generation (NPG), die von Prince 1990 ins Leben gerufen wurde.

Ein Teil seiner Weggefährten ist seit knapp zwei Jahren mit einer Tribute-Show unterwegs. So was stimmt skeptisch: Was, wenn die Stimme, wenn der Star des Abends fehlt?

Ein heikles Unterfangen des Festivals, die namentlich unbekannten Begleitmusiker zu verpflichten, wie der relativ bescheidene Publikumsaufmarsch bestätigte. War das Konzert von Fat Freddy’s Drop beinahe ausverkauft, so ist am Samstag nicht einmal die Hälfte des Domplatzes gefüllt. Das hat auch sein Gutes: Viel Platz, um zu tanzen. Und diesen nutzen die Anwesenden von der ersten Minute. Denn was die neunköpfige New Power Generation um Princes Langzeitkeyboarder Morris Hayes auf die Bühne bringt, ist kein billiger Abklatsch, sondern musikalisch erste Sahne und bestechend authentisch – zugegeben, inklusive einiger schlecht gealterter Keyboardsounds und Rapeinlagen.

Die Formation lanciert mit «Sexy Motherfucker» eine funky Party und besticht durch knackige Interpretationen, Perfektion sowie Freude. Man spürt: Das Geld allein ist nicht der Grund für diese Celebration. Und man hört, wie sehr die Band die Klassiker verinnerlicht hat, von «Nothing Compares 2 U» bis «1999».

Auffallend zurückhaltend gibt sich die NPG indes mit Soloeinlagen. Wohl wissend, dass die epischen Gitarrensoli von Prince unerreicht bleiben. Auch werden die Songs meist in kürzeren Versionen dargeboten. Im Vordergrund steht nicht der Einzelne, sondern das Kollektiv. Auch bei den Gesängen. Gleich drei Frontmänner ersetzen den Meister. Am auffälligsten ist dabei MacKenzie, ein junger Mann aus Los Angeles mit beeindruckender Stimme und fantastischen Tanzeinlagen. Ein kleiner Prinz. Begleitet von der besten Live-Jukebox, die man sich zu diesem grossartigen Songkatalog vorstellen kann. Sie hätte mehr Publikum verdient gehabt.