Summerstage
Lovebugs-Frontmann Adrian Sieber: «Wir können uns nicht verstellen»

Die Lovebugs hatten beim Release ihres neuen Albums eine veritable Pechsträhne. Nun tritt die Basler Band am Open Air Summerstage auf. Ihr Lead-Sänger Adrian Sieber über Galgenhumor, Banddemokratie und neue Freiheiten.

Stefan Strittmatter
Drucken
Teilen
Die Lovebugs auf grosser Fahrt durch den Festivalsommer. zvg

Die Lovebugs auf grosser Fahrt durch den Festivalsommer. zvg

Die Band Lovebugs tritt am 8. Juli am Summerstage in Basel auf – als Vorgruppe von Lo&Leduc und Pegasus. Das ist für die erfolgreiche Basler Band eher ungewöhnlich. Zudem überschattete eine Unfallserie die Lancierung des neuen Albums «Land Ho!». Bandleader Adrian Stern sieht es gelassen und entdeckt sogar Vorteile darin, nicht mehr von der Musik leben zu müssen.

Herr Sieber, lohnt es sich im Jahr 2017 überhaupt noch, in einer Band zu sein?

Adrian Sieber: Logisch lohnt sich das. Weil es absolut nichts gibt, was das ersetzen könnte. Zugegeben, der Aufwand ist gross, damit am Ende alles klappt. Aber in der Zeit, in der die Lovebugs weniger aktiv waren, habe ich wieder gemerkt, wie sehr ich das vermisse. Für das Gefühl auf der Bühne nehme ich noch so gerne jede Schlepperei und sonstige Mühen in Kauf.

Aber es schadet nicht, wenn man damit auch erfolgreich ist, oder?

Wie alle Musiker hatten auch wir die grossen Rockstar-Träume. Das gehört doch dazu, wenn man eine Band gründet. Wir haben auch viel erreicht, einige dieser Träume sind für uns in Erfüllung gegangen. Aber wenn man lange genug dabei ist, dann tritt das in den Hintergrund.

Sie haben es angetönt, die kommerziell erfolgreichsten Jahre der Lovebugs liegen in der Vergangenheit. Am Summerstage etwa bestreiten Sie den Support für Lo&Leduc und Pegasus ...

... das ist ganz klar ein Druckfehler (lacht).

Sie nehmen es mit Humor, dass Sie als ehemalige Lokalmatadoren auf heimischem Grund ins Vorprogramm einer Berner und einer Bieler Formation gerutscht sind?

Es ist einfach ein Fakt, dass man nicht während Jahrzehnten immer überall der Headliner sein kann. Wir spielen in einem Bereich, in dem man vieles nicht beeinflussen kann. Es kann durchaus sein, dass wir eines Tages wieder den richtigen Song zum richtigen Zeitpunkt abliefern. Dann steht wieder unser Name dick auf dem Plakat. Aber das ist überhaupt nicht entscheidend.

Ist es gar befreiend, dass Sie nicht mehr von der Musik leben können?

Wenn wir wollten, könnten wir auf Biegen und Brechen schon weiterhin davon leben. Aber was bringt es letztlich, wenn fünf Leute ihr ganzes Leben auf Standby stellen für die Band? Die Freiheit, die wir gewonnen haben, seit wir alle ein zweites Standbein haben, ist die, dass wir nun auch mal Nein sagen können. Etwa bei gewissen Fernsehformaten.

Summerstage: Rock im Park im Grünen

Das Openair Summerstage wurde als Festival für Basel mit einem starken lokalen Bezug ins Leben gerufen und findet seit 2011 jährlich statt. Das in der rheinischen Musikszene etablierte Openair findet seit der zweiten Austragung 2012 in der idyllischen Szenerie vom Park im Grünen statt.

Eröffnet wird Summerstage 2017 am Donnerstag, 6. Juli, vom britischen Sänger und Songwriter Mike Rosenberg, besser bekannt als Passenger. Auf ihn folgt die St. Galler Dark-Wave-Band The Beauty Of Gemina. Ebenso am Donnerstag tritt die 20-jährige Newcomerin Veronica Fusaro auf, die 2016 den Preis «Demo of the Year» gewann.

Am Freitag, 7. Juli, steht die deutsche Kultband Söhne Mannheims auf der Bühne, gefolgt von der Freiburger Band Otto Normal sowie den aus Olten stammenden Memory Of An Elephant. Der Samstag, 8. Juli, ist dann mit Lo & Leduc, Pegasus, Baba Shrimps, Lovebugs und Nemo wieder ganz in Deutschschweizer Hand. www.summerstage.ch

Sie sind der Songwriter der Band. Nimmt Ihnen die neue Ausgangslage auch den Druck, Hits liefern zu müssen?

Nein. Schliesslich bin ich nie einem Rezept gefolgt beim Songschreiben. Die Lovebugs haben stilistisch sicher einen roten Faden, aber wir haben nie versucht, Hits am Laufband zu produzieren. Wenn ein Song eingeschlagen hat, haben wir beim nächsten Mal alles anders gemacht.

Geradezu rebellisch...

... oder vielleicht auch nur dumm. Aber das liegt in unserer Natur. Wir können uns nicht verstellen.

Funktionieren die Lovebugs in kreativen Belangen demokratisch?

Jein. Ich habe mir mal das Recht ausbedungen, bei der Auswahl von Singleauskopplungen ein Veto einzulegen – weil ich Mühe habe, etwas zu verkaufen, hinter dem ich nicht zu 100 Prozent stehe. Dann bekomme ich schnell das Bundesrat-Syndrom. Ansonsten haben wir das Glück, dass es bei fünf Mitgliedern immer eine Mehrheit gibt.

Pech hatten Sie letztes Jahr, als Sie Album-Taufe und Tour zweimal verschieben mussten, nachdem Keyboarder Stefan Wagner gesundheitliche Probleme hatte und sich dann Gitarrist Thomas Rechberger an der Hand verletzte. Abergläubische meinen, Unheil trete immer in Dreiergruppen auf.

Da haben wir bereits vorgesorgt, denn ich habe mir noch vor Stefan und Thomas den Finger gebrochen.

Mitten im Songwriting-Prozess kein Gitarrenspiel mehr?

Ein halbes Jahr lang. Wobei das Stück «Lazy Swayze» auf dem aktuellen Album mit geschientem Finger entstanden ist. Deshalb besteht er aus nur zwei Akkorden.

Hatte die Verschiebung der Konzerte finanzielle Folgen für die Band?

Verloren haben wir dabei nichts, aber kurzzeitig wurde es brenzlig, weil wir zuvor ziemlich alles in die Produktion des Albums investiert hatten. Nun blieb das Bandkonto leer, während die Proberaummiete weiterhin bezahlt werden musste.

Schlimmer dürfte es Sie bei der Promotion erwischt haben. Schliesslich werden Album-Release und Tour stets sehr genau aufeinander abgestimmt.

Ja, das war wahrlich dümmer. Denn so fielen ja auch die Interviews und Showcases während der Tour flach, die den Albumverkauf angeheizt hätten.

«Land Ho!» konnte sich nur vier Wochen in den Schweizer Top-100 halten. Wäre mehr drin gelegen?

Ich glaube schon. Auf der anderen Seite spürten wir von unseren Fans eine sehr grosse Anteilnahme. Und die Konzerte, die wir bisher hatten, waren alle super besucht. Zudem dürfen wir auf der Bühne nun auch etwas Galgenhumor zeigen.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: 2018 feiern die Lovebugs ihr 25-Jähriges. Was darf man erwarten?

Endlich ein Live-Album. Die Platte ist ein lange gehegter Traum. Es gibt bislang nur ein Unplugged-Album aber noch kein offizielles Live-Dokument von uns als Rockband. Aber das soll jetzt bitte niemanden davon abhalten, in diesem Jahr unsere Konzerte zu besuchen.

Aktuelle Nachrichten