Pop-Musik
Küssen oder töten – das ist hier die Frage

Die Sängerin Norah Jones wird am kommenden Woechenende am Gurten-Festival auftreten. Sie kommt gerne in die Schweiz, nicht nur im Sommer. Was Jones über ihre fünftes Studioalbum «Little Broken Hearts» und ihren Auftritt am Gurtenfestival

Reinhold Hönle
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Norah Jones wird am Gurtenfestival auftreten

Norah Jones wird am Gurtenfestival auftreten

Keystone

Sie sind sehr luftig gekleidet. Ist der Sommer Ihre liebste Jahreszeit?Norah Jones: Nein, Winter und Herbst ziehe ich vor. Ich mag keine Hitze, jedoch den Wechsel der Jahreszeiten. Ich könnte kaum an einem Ort wie Kalifornien leben, wo sich kaum etwas verändert.

«Kleine gebrochene Herzen», der Titel Ihrer aktuellen CD, klingt süss, aber manche Songs deuten darauf hin, dass Sie nun endlich als erwachsene Frau gesehen werden wollen ...
Ich habe diese Songs nicht mit der Absicht geschrieben, Meinungen über mich zu beeinflussen. Der Titel ist herzig und ich mag den Titelsong. Er hat eine interessante Geschichte, ein wenig traurig, aber auch süss. Und irgendwie funky.

Hat diese Note mit Co-Autor Brian Burton alias Dangermouse zu tun oder haben Sie sich verändert?Ich denke, beides ist richtig. Wenn man mit jemandem eng zusammenarbeitet, fliesst dessen Sound mit ein. Für mich war das sehr lehrreich.

Haben Sie Ihre Entwicklung als kontinuierlich erlebt oder gab es Schlüsselerlebnisse?
Ich glaube, man ist bei jedem Album auf der Suche nach etwas. Hat man es gefunden, ist es an der Zeit, die Songs zu veröffentlichen. Danach muss man sich jedoch weiter bewegen und weiter wachsen. Nichts zu wiederholen macht – auch sonst im Leben – definitiv mehr Freude!

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Wie bringen Sie sich für Plattenaufnahmen in Stimmung?
Oft bin ich ins Studio gegangen und habe Songs, die ich übers Jahr hinweg geschrieben habe, mit der Band aufgenommen. Bei «Little Broken Hearts» war es ganz anders: Ich bin mit Brian zwei Monate ins Studio gegangen. Wir haben abwechselnd geschrieben und aufgenommen.

Wo lag der Unterschied?
Es war viel fokussierter als alles, was ich bisher gemacht habe. Wir sind uns sehr nahe gekommen und wurden gute Freunde. Es gab keine riesigen Stresssituationen oder Momente, in denen man sich die Haare raufen musste.

Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit?
Brian hat mich gebeten, auf seinem 2011er-Album «Rome» zu singen. Ich liebe, was er macht, denn es ist immer wieder anders. Auch die Idee, ohne Songs ins Studio zu gehen und einfach zu schauen, washerauskommt, stammte von ihm.

Haben Sie mit Brian auch Songtexte verfasst?
Wir haben alles zusammen geschaffen und von Anfang an alle Entscheidungen gemeinsam getroffen!

Wie entstand die Idee, mit dem Cover ein Filmplakat von 1965 zu imitieren?
Wir haben das Album in Brians Studio aufgenommen, wo das Plakat zu Russ Meyers «Mudhoney» hing.

Der laszive, herausfordernde Blick passt gut zu einigen Liedern ...
Da mich das Plakat jeden Tag angestarrt hatte, fühlte es sich bald so an, als sei es bereits Teil der CD. Das Plakat ist grafisch sehr markant und sexy, ohne irgendetwas zu zeigen. Diese Frau wirkt unheimlich und auch verletzlich – du kannst nicht sagen, ob sie dich küssen oder töten wird.

Was halten Sie von Russ Meyer und seinen trashigen Sexfilmen?
Ich habe nicht viele von ihnen gesehen, aber ich weiss genug über ihn , um zu behaupten, dass er eine interessante Person war.

Was können Sie uns über den Hintergrund des Lieds «Happy Pills» verraten?
Ich mochte die Musik, sie klang richtig glücklich und lustig. Wir haben dann versucht, den Song an den Rest des Albums anzupassen, indem wir den Text düster gemacht haben.

Finden Sie es inspirierend Glückspillen zu nehmen?
Davon handelt der Song definitiv nicht. Die betreffende Zeile lautet: «Ohne dich bin ich am Leben. Ich fühle mich, als ob ich Glückspillen genommen hätte.»

Sind Drogen in der Musikindustrie nicht immer ein Thema?
Das stimmt wohl. Aber nicht in meinem Musikbusiness!

Welche Erinnerungen haben Sie an frühere Besuche in der Schweiz?
Ich habe es immer genossen, in Montreux aufzutreten, obwohl dann immer Sommer ist. Als ich jedoch im Winter einmal einen Freund besuchte, der in der Nähe von Gstaad wohnte, und es dort schneite, war das auch wunderschön!

Wie wohl fühlen Sie sich mit Ihrer relativ intimen Musik auf einer grossen Open-Air-Bühne wie beim kommenden Konzert in Bern?
Bis jetzt war es toll. Ich habe schon oft an Festivals gespielt. Man passt das Set immer ans Publikum an.

Sind Sie den ganzen Sommer auf Tournee?
Wir legen alle paar Wochen eine Pause ein, aber grundsätzlich schon. In New York verpasse ich nichts. Dort ist es dann heiss und schwül ...

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