Jazz

Jazzlegende Dave Brubeck stirbt einen Tag vor 92. Geburtstag

Dave Brubeck 2009 am Montreuy Jazz Festival

Dave Brubeck 2009 am Montreuy Jazz Festival

Der legendäre US-Jazzpianist Dave Brubeck ist tot. Der Musiker starb am Mittwochmorgen nach einem Herzversagen. Brubeck, der mit «Take Five» weltbekannt wurde, wäre am Donnerstag 92 Jahre alt geworden.

Louis Armstrong, Duke Ellington und Miles Davis mögen für die Entwicklung des Jazz bedeutender gewesen sein, Dave Brubeck war aber mindestens so erfolgreich. «Time Out» von 1959 gehört bis heute zu den bestverkauften Alben des Jazz, das millionenfach verkauft wurde. Dazu gehört «Take Five» zu den beliebtesten und bekanntesten Stücken der Jazzgeschichte. Ein Welthit, der Platz 2 der amerikanischen Charts erreichte. Für ein Jazz-Stück eine Sensation. Der kommerzielle Erfolg von «Take Five» ist umso erstaunlicher, als das Stück im gewöhnungsbedürftigen 5/4-Takt und als Basis für ein ausgedehntes Schlagzeugsolo geschrieben wurde. Doch die Melodie kennt noch heute jedes Kind.

Und noch ein Kuriosum: «Take Five» wurde gar nicht von Brubeck, sondern von seinem langjährigen Altsaxofonisten und Freund Paul Desmond komponiert. Trotzdem wird das Stück meist in Verbindung mit dem Bandleader genannt.

Brubeck war ein exzentrischer, untypischer Jazzmusiker, seine Verdienste sind aber enorm: Mit Lenny Tristano, Gerry Mulligan, Chet Baker, dem Modern Jazz Quartet und dem frühen Miles Davis wird er zu den führenden Vertretern des sogenannten «Cool Jazz» gerechnet. Einer intellektuellen, etwas unterkühlten Musik, die in den 50er-Jahren eine europäische Ästhetik in den Jazz brachte. Doch Brubeck selbst wehrte sich immer gegen diese stilistische Einordnung.

Als langjähriger Schüler des französischen Komponisten Darius Milhaud waren für Brubeck die Einflüsse aus der klassischen Musik zentral. Milhaud sagte einst über seinen Schüler: «Er war ein Einzelgänger, der seinem eigenen unkonventionellen Weg folgte, entsprechend einem inneren Drang, der ihm keine Ruhe liess.» Dieser Weg führte ihn zur Einführung von ungeraden Taktarten wie dem im Jazz lange ungewohnten Walzer-Dreiviertel-Takt, einem 5/4-Takt in «Take Five» oder sogar einem 9/8-Takt im weiteren Brubeck-Hit «Blue Rondo A La Turk».

(Quelle:youtube.com/Bob Hardy)

Dave Brubeck mit seinem bekanntesten Stück «Take Five»

Den Jazz europäisiert

Weiter führte er im Jazz Formmodelle aus der klassischen Musik und dem Barock ein. Er experimentierte mit kontrapunktischer Improvisation, weitete die traditionelle Harmonik bis zu Polytonalität aus. In der Europäisierung des Jazz ist der Amerikaner Brubeck eine zentrale Figur und seine Musik hat die «weisseste» Entwicklungsstufe einer «schwarzen» Musik erreicht. Auf seine Art nahm Brubeck vorweg, was später den sogenannten Third Stream, den dritten Weg zwischen klassischer Musik und Jazz, ausmachen sollte.

Brubeck wurde in Jazzkreisen immer wieder eine gewisse Steifheit und ein Mangel an Swing vorgeworfen. Gemeint waren damit vor allem seine knochentrockenen Ostinati, seine eckige und kantige Phrasierung und die hart gespielten, swing-hemmenden Blockakkorde. Insgesamt waren sie aber wesentlicher Bestandteil des Brubeck-Konzepts. Im legendären Quartett - von 1951 bis 1967 eine der langlebigsten Formationen des Jazz - war es denn auch eher der stilbildende Altsaxofonist Paul Desmond, der die solistischen Jazz-Highlights beisteuerte. Doch Desmond sagte über Brubeck: «Wenn Dave in Hochform ist, wird sein Spiel zum Erlebnis, das Herz und Verstand gleichermassen bewegt.»

Aus heutiger Sicht klingt Brubeck vergleichsweise konventionell, doch es ist auch sein Verdienst, dass Sperriges, einst Avantgardistisches und harmonisch «Abwegiges» in seiner Interpretation vertraut und leicht verdaulich klingen. Mit seiner Musik konnte er ein neues Publikum, die intellektuelle weisse Mittelschicht, für den Jazz gewinnen.

Am Mittwoch, einen Tag vor seinem 92. Geburtstag, ist Dave Brubeck gemäss der Nachrichtenagentur AFP nach einem Herzversagen im Krankenhaus von Norwalk im Bundesstaat Connecticut gestorben. Der Tod sei «völlig unerwartet» gekommen, sagte sein Manager, «wir hatten noch eine grosse Party geplant».

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