Volksmusik

Ist bei den Kastelruther Spatzen nur der Gesang echt?

«Der Erfolg ist auf einem Riesenschwindel aufgebaut»: Die Südtiroler Kastelruther Spatzen. HO

«Der Erfolg ist auf einem Riesenschwindel aufgebaut»: Die Südtiroler Kastelruther Spatzen. HO

Sie zählen zu den absoluten Superstars der Volksmusikszene: die Kastelruther Spatzen. Doch jetzt gibt es Misstöne. Der Vorwurf: Bei allen Aufnahmen sei bös getrickst worden: Statt der Bandmitglieder hätten Studiomusiker gespielt .

Nur der Gesang des Frontmanns sei echt. «Der Erfolg der Band ist auf einem Riesenschwindel aufgebaut», behauptet Produzent Walter Widemair in der «Bild»-Zeitung. Er gilt als eigentlicher Erfinder der Südtiroler Gruppe, die in 30 Jahren mehr als 15 Millionen CDs verkauft hat.

«Nur die Stimme von Sänger Norbert Rier ist echt. Sonst gar nichts», packt Widemair aus. «Ich habe diesen Betrug immer für mich behalten, aber mit dieser Lüge kann ich nicht mehr länger leben. Der Erfolg der Spatzen, ihre Gold- und Platin-Auszeichnungen, die 13 Echos - alles ist erschwindelt.»

Quelle: youtube/adlerderfreiheit

Die Kastelruther Spatzen singen «Immer noch»



Statt der Original-Besetzung spielten laut «Bild» auf sämtlichen Alben nur Studiomusiker. Ein in Berlin aufgenommenes Album sei so schlecht gewesen, dass neben der Stimme nur die Einspielung des Schlagzeugs verwendet werden konnte.

Die Plattenfirma der Spatzen verweist auf branchenübliche Produktionsprozesse, die zusätzlich engagierte Studiomusiker einschliessen. Die Spatzen hätten zudem bei mehr als 3000 Konzerten «einem Millionen-Publikum bewiesen, dass jeder Ton live gespielt wird und dass sie überdurchschnittliche Musiker sind, die ihren Beruf mit grösstem Engagement ausüben».

Und Frontmann Rier nennt die Anschuldigungen des Produzenten eine «grosse persönliche Enttäuschung». Im Studio würden Musiker engagiert, um Kosten zu sparen. «Zudem wollen wir immer eine perfekte Produktion abliefern, und das geht halt nun mal nicht anders.»

In der Branche gibt es immer wieder solche Schummelvorwürfe. Anfang der Neunzigerjahre erschütterte etwa der Playback-Skandal um Milli Vanilli die Musikwelt. Damals flog auf, dass das Pop-Duo nur die Lippen zu Songs bewegte, die andere eingesungen hatten. (TRT)

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