Wenn immer es um die Stadt Baden geht, ist die Bezeichnung Bäderstadt nicht weit. Dabei wird oft vergessen, was sie sonst noch zu bieten hat: Baden ist ebenso Musikstadt. Das war sie schon vor der Badenfahrt und wird sie auch danach noch sein, doch die zehn Badener Festtage sind ein passender Anlass, diese eindrückliche Dichte an erstklassigen Musikern aus der Stadt gebührend zu zelebrieren.

Gleich acht davon sind nun gleichzeitig zu erleben: Philippe Kuhn, Michi Baumann, Claude Stucki, Djamal Moumene, Marcel Suk, Katrin Züllig, Roger Molnar und Tobias Suter. Vor zwei Jahren formierten sie sich bereits für ein Konzert zum zehnten Geburtstag des «Nordportals» – wobei damals anstelle von Philippe Kuhn noch Hendrix Ackle dabei war. Als «Stadtmatrosen» geben sie an der Badenfahrt zwei Konzerte. Dabei wird es aber auch bleiben: «Es soll etwas Spezielles bleiben», sagt Kapitän Tobias Suter. «Die Badenfahrt ist der perfekte Rahmen, um die Musikszene von Baden zu zelebrieren.»

Die Frage, warum es in Baden so viele gute Musiker gibt, habe er sich auch schon gestellt, sagt Suter. Er kann sie aber nicht mit Sicherheit beantworten: «Wir haben in Baden sehr gute Musiklehrer, die uns ausbilden. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Baden mit dem Royal, dem «Nordportal» und früher dem Merkker ein magnetischer Punkt war, der Musiker anzog», so der Schlagzeuger.

Geprobt haben die «Stadtmatrosen» in der Halle des «Nordportals» – gerade dann, als bekannt wurde, dass die Stadt dem Eventlokal die Fördergelder streichen wird. «An einem Ort zu proben, ohne zu wissen, ob es diesen im nächsten Jahr noch geben wird, war speziell», sagt Suter. Den Entscheid der Stadt beurteilt er kritisch: «Die Musiker in Baden sind auch nur so gut, weil sie die Möglichkeit haben, direkt aus dem Übungskeller ins Konzertlokal zu kommen», sagt er. «Vielleicht fehlt hier die politische Weitsicht, was so eine Schliessung bedeutet.»

Badener Starauflaufen

Die «Stadtmatrosen» vereinen Musiker, die aus allen Sparten kommen. Tobias Suter, Katrin Züllig und Djamal Moumene sind Teil der Band «Kontext Clay», die ebenfalls an der Badenfahrt ein Konzert gibt. Marcel Suk ist Bassist bei «azTon», die am Wochenende auf der Hauptbühne spielten. So viele Musiker, die in etliche Projekte eingespannt sind, zu vereinen, ist nicht einfach. Hinzu kommt, dass die «Stadtmatrosen» nicht nur zu acht auf der Bühne stehen: Sieben nationale Musiker, mit denen die Matrosen jeweils zwei ihrer Songs einstudiert haben, konnten verteilt auf zwei Konzerte engagiert werden. Trotzdem täuscht sich, wer nun denkt, dass dafür etliche Proben nötig waren: «Wir haben an zwei Tagen als Band geprobt. Auch das geht nur, wenn du richtig gute Musiker an Board hast», so Suter.

Badenfahrt 2017: Das Fest der kreativen Köpfe

Die alle fünf Jahre stattfindende Badenfahrt ist weit über die Stadt bekannt. Die Vereine hinter dem zehntägigen Stadtfest gelten als besonders kreativ und überbieten sich gegenseitig mit ausgefallenen Bauten. So kann man dieses Jahr in einem Schrank essen oder eine aus Büchern gebaute Bar besuchen.

Die Namen der sieben Gastmusiker können sich hören lassen: Mit dabei sind Brandy Butler, Hendrix Ackle, Mama Jefferson, Ana Scent, Annakin, Frank Powers und Baum. Die in Zürich wohnhafte Brandy Butler hat im Februar ihr erstes Soloalbum veröffentlicht, nachdem sie in der Vergangenheit für Künstler wie Seven oder Sophie Hunger auf der Bühne stand. Der Badener Hendrix Ackle ist Pianist bei Philipp Fankhauser. Ackle war 2015 Initiant des «Stadtmatrosen»-Projektes. Auch Frank Powers ist mit dabei im Badener Starauflaufen. Die Band um Sänger Dino Brandao machte sich mit leichtfüssigem Indie-Pop einen Namen und arbeitet zurzeit an neuen Songs. Freuen darf man sich auch auf den Basler Singer-Songwriter Baum. Christoph Baumgartner, wie er mit richtigem Namen heisst, kündete vor über zehn Jahren seinen Moderatorenjob beim SRF, um ganz für die Musik zu leben.

Stadtmatrosen Mo., 21. August, 20.30 Uhr, Alternative Bühne Polygon und Sa., 26. August, 18 Uhr, Bühne im Graben.